Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN ° DENKMALPFLEGE o ENTDECKUNGEN UND FUNDE

ZÜRICH Die Kunsthandlung SCHWÄRZER
& CIE jm Merkatorium hat ihre Entrefolräum-
lichkeiten zu einem Kunft falon mit Oberlicht
umgewandelt. Die erfte Äusftellung in gut be-
lichteten und hell befpannten Räumen enthält
über 70 Nummern und bringt Werke von Münch-
ner und Schweizer Malern. Friß Oßwalds kräf-
tige und perfönliche Kunft ift mit einem Dußend
Werke vertreten; Hugo von Habermanns Oeuvre
weift die intereffanten Entwicklungswege des
Meifters. Äuch Leo Puß, Karl Felber, J. Seiler
und E. Liebermann find mit typifchen Bildern
da und E. Änner mit Aquarellen feiner ge-
fchäßten feinen Äuffaffung und Faktur. — Von
den Schweizern feien 0. Weiß, E. Zuppinger,
Marie Stückelberg und Martha Burckhardt ge-
nannt. — Von verftorbenen Malern find in-
tereffante Arbeiten des Tiermalers Koller, des
Landfehafters Robert Zünd und des Genremalers
Anker da. J- C.

DENKMALPFLEGE

ÄSSISI Der bekannte Reftaurator Lucarini ift
nach Äffifi berufen worden, um die Fresken in
der Magdalenenkapelle in der Unterkirche von
San Francesco wiederherzuftellen. W. B.

CHÄRLOTTENBURG Nachdem an diefer
Stelle fchon wiederholt Klage geführt werden
mußte, mit welcher Läffigkeit der Denkmalsfchuß
in Berlin und feinen Nachbarftädten gehandhabt
wird, ift es um fo erfreulicher davon Mitteilung
zu machen, daß foeben die Stadt Charlottenburg
ein Ortsftatut zum Schüße des Stadtbildes und
feiner hiftorifchen Denkmäler befchloffen hat.
Die fortschrittliche Stadt Charlottenburg hat hier
aufs Neue ein gutes Beifpiel gegeben, dem wir
rechte Wirkfamkeit wünfehen: wo bleibt Pots-
dam, das zu den fchönften deutfehen Städten
überhaupt zählt? Svs.

PERCHTOLSDORF bei Wien Auch

diefe kleine Marktgemeinde fcheint neuerdings
von dem Ehrgeiz ergriffen, es an Pietätlofig-
keit gegen altberühmte Denkmale der Haupt-
ftadt des Landes gleichzutun. Hinter der goti-
fchen Pfarrkirche, der feit den Tagen der Türken-
gefahr auch eine große lokalhiftorifche Bedeutung
zukommt, foll ein neues Schulgebäude aufge-
führt werden, deffen Faffade nach der Meinung
der Sachverftändigen fowohl die Silhouette wie
das Gefamtbild der Kirche und des Turmes er-
heblich beeinträchtigen würde. Der Künftlerbund

Hagen hat in einer Zufchrift an die k. k. Zen-
tralkommiffion für Erforfchung und Erhaltung
der Kunft- und hiftorifchen Denkmale und an
den „Verein zum Schüße und zur Erhaltung der
Denkmale Wiens und Niederöfterreichs“ gegen
die Ausführung diefes Planes proteftiert. Diefem
Proteft haben fich auch die Künftlergenoffen-
fchaft und mehrere Tageszeitungen angefchloffen.

K. R.

QUERCEGROSSÄ (Siena) In der Pfarr-
kirche diefer dicht bei Siena gelegenen Ortfchaft
hat Dr. Giacomo De Nicola eine Terrakotta-
gruppe entdeckt, die nach dem fchönen Ton-
modell Cozzarellis im Mufeo Induftriale in Rom,
wahrfcheinlich von einem Schüler des Meifters
ausgeführt worden ift. De Nicola beabfichtigt,
feinen Fund im nächften Heft der Raffegna
d’Arte Senefe zu veröffentlichen. W. B.

ROM Nachdem die von Corrado Ricci vor-
gefchlagene Erhaltung des weftlichen Flügels
des Palazzetto Venezia gefallen ift, fpricht man
in diefen Tagen davon, daß wenigftens die vier
zu Füßen des Turmes des Palazzo liegenden
Bogen erhalten bleiben mögen. Diefer auch
von Ricci ausgehende Vorfchlag hat alle Aus-
fichten auf Durchführung, und fo werden von
dem herrlichen Denkmale wenigftens diefer
kleine Reft an Ort und Stelle bleiben und von
feiner einftigen Schönheit zeugen. L. P.

ENTDECKUNGEN ♦ FUNDE

BERLIN Bei den Grabungen, die für den
Bau einer weiteren großen ftädtifchen Irren-
anftalt in Buch bei Berlin vor einiger Zeit not-
wendig wurden, ftieß man auf eine vorgefchicht-
liche Änfiedlung, die unter Dr. Kiekebufch durch
das Märkifche Provinzialmufeum mit großer
Sorgfalt weiter aufgedeckt wurde. Es gelang,
ein ganzes Dorf der Bronzezeit freizulegen und
zahlreiche Funde zu machen. Das Ergebnis
diefer Entdeckung wird von Fachleuten als ganz
außerordentlich angefehen, da es bisher nie ge-
lang, eine fo umfangreiche Anlage diefer Periode
feftzuftellen. Die Grabungen werden weiter fort-
gefeßt. — Damit gewinnt das ftille Buch, das
mit der Nordbahn von Berlin in kurzer Zeit zu
erreichen ift, eine neue Anziehungskraft für den
Gelehrten und Kunftfreund. Neben einer feinen
Rokokokirche aus dem erften Drittel des 18. Jahr-
hunderts befißt Buch eine Reihe der fchönften
Bauten des Berliner Stadtbaumeifters Ludwig
Hoffmann, fo die große ftädtifche Irrenanftalt,

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