Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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ENTDECKUNGEN ° PERSONALIEN

Neuentdeckte Wandmalereien der Nikolaikirche, Stralfund

ten. Malaga wurde uns als fruchtbarfte Quelle
genannt.

So hat fidi alfo das ganze Unternehmen
fchließlich wie eine Rakete in der Luft in ein
Nichts aufgelöft. Um eine Senfation ift man aller-
dings reicher geworden. Immerhin ein Gutes hat
die Sache. Mr. Perin, der in Extrazügen in Spa-
nien zu reifen pflegte — man kommt freilich mit
ihnen ebenfo langfam an’s Ziel —, der auch fofort
Eintritt für die ßefichtigung der neuen Kunft-
gegenftände erhob, hat Geld unter das fpanifche
Volk gebracht, und diefes kann es beffer als
irgend eine andere Nation gebrauchen.

Trog der vorgefchrittenen Jahreszeit brannte
die fpanifche Sonne für Mr. Perin zu heiß. Rasch
war bekannt, er habe in der zweiten Dezember-
woche Tanger erreicht, um unter dem Schuß
des amerikanifdien Konfuls über’s weite Meer
der fichern Heimat zuzufteuern!

Hugo Kehrer.

GENUä Hier wurde bei Ausgrabungen eine
Gruft aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. entdeckt.
Nicht weit von der Stelle fand man eine koft-

bare Urne mit mythologifchen Figuren, worauf
ein Ephebus und eine weibliche Geftait dargeftellt
find. Das wertvolle Stück ftammt aus der
Epoche des Phidias. 1.

PÄRIS Der Kommandant Efperandien, Mit-
glied des Inftituts und einer von Frankreichs be-
deutenden Archäologen, hat, wie das Journal des
Ärts mitteilt, Ausgrabungen auf dem Mont-Än-
fevis unternommen, wo ehedem am Flüßchen
Ozerani die Hauptftadt Alefia lag. Frühere Aus-
grabungen haben bekanntlich manche Merkwür-
digkeiten aus derHauptftadtdes Vercingesorix zu-
tage gefördert und auch diefe neuefte war frucht-
bar. Verfchiedene gallifch-romanifdie Hausge-
räte und Schmuckftücke wurden gefunden. Die
franzöfifche Gefelljchaft der archäologifchen Aus-
grabungen hat Efperandiens Ausgrabungen unter
ihr Protektorat genommen.

STRÄLSUND Als Nachtrag zu unferem Be-
richt aus Heft 22 vorigen Jahres bieten wir unfern
Lefern eine Teilanficht der reftaurierten Niko-
laikirche zu Stralfund. Die Abbildung läßt
erkennen, nach welchem Prinzip die Bemalung
der Pfeiler vorgenommen worden ift (befonders
intereffant die Geftait des Ritters oben am Pfeiler
rechts wegen der eigenartigen raumgliedernden
Funktion); zugleich zeigt fie, daß auch das ma-
lerifche Bild der früher recht nüchternen Kirche
außerordentlich gewonnen hat.

Die Kirche befißt außer intereffanten Werken
aus gotifcher Zeit auch zahlreiche wegen der
handwerklichen Naivetät amüfante Barockdeko-
rationen, u. a. einen Riefenbaldachin für ein
Taufbecken und eine Art Lettner, deffen Ent-
wurf vor einigen Jahren urkundlich dem An-
dreas Schlüter zugewiefen werden konnte.

V.

PERSONALIEN

MÜNCHEN Paul Höcker (geb. 11. Äuguft
1854) ift nach langem Leiden am 13. Januar in
München geworben. Der befcheidene Meifter,
Gründungsmitglied und erfter Schriftführer der
Münchener Sezeffion, ift vor allem als Lehrer
hervorragend gewefen. Es gibt kaum einen be-
deutenden jüngeren Maler in München, der nicht
einige Zeit zu Höcker gegangen wäre: faft die
ganz Scholle (deren Ehrenmitglied der Verdor-
bene war), der Simplizissimuskreis mit Ausnahme
Th. Th. Heines, Jank, Niffl, fie alle haben bei
Höcker begonnen und von ihm zuerft die Pflicht
einer perfönlichen Naturbetrachtung gelernt. Troß
großer Vielfeitigkeit in feinen Motiven war es

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