Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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RUNDSCHHU— sämmlungen

BÄSEL Das KUPFERSTICHKABINETT der
Basler Kunftfammlung hat feine Beftände
im Jahre 1909 nach vielen Seiten hin abgerundet.
Gute Kaufgelegenheit dazu bot namentlich die
Kollektion Lanna in Stuttgart. Da wurde u. a.
Dürers „Kleiner Kardinal von Brandenburg“ er-
worben als wichtige Ergänzung der faft voll-
ftändigen Dürerfammlung. Ferner wurden 17
Holzfchnitte von Hans Baidung und eine Serie
prachtvoller Probedrucke zu Tobias Stimmers
Buchilluftrationen gekauft. Von den wichtigem
andern Erwerbungen nennen wir: Handzeich-
nungen; Auguft Beck: vier Karikaturen, Blei-
ftift. BernerMeifter der Bärenputten: kolorierter
Scheibenriß mit dem Wappen von Saanen 1539.
Ämbrofius Holbein: zwei Liebespaare, Feder-
zeichnung (bis jeßt völlig unbekannt, aus der
Zeit der Randzeichnungen zum „Lob der Narr-
heit“). Karl Stauffer: Bildnis eines Reformators,
Kohlezeichnung 1877. Unter den Kupferftichen
und Radierungen find vertreten: Joft Amman,
Mathäus Merian, Lukas van Leyden, Georg
Pencz, Äbel Stimmer, Wenzel Hollar, Franc.
Goya, Ängelika Kauffmann. Die Holzfchnitte
find bereichert durch Ärbeiten von Joft Amman,
Hans Baidung (17 Blätter), Hans Holbein d. J.
und Schule (138 Initialen), Hans Schäufelein,
Tobias Stimmer, Hans Weidiß, Rudolf Wyffen-
bach.

Älles in allem wurden 1909 erworben: 7 Hand-
zeichnungen, 103 Kupferftiche und Radierungen,
150 Holzfchnitte, 138 Initialen, 2 Lithographien.

In die Vitrinen eingeordnet wurde kürzlich eine
Äusftellung von Frühdrucken und Minia-
turen in dironologifcher Reihenfolge, zumeift
ungemein feltene Blätter und Unica. Zu den
letzteren gehört ein Menfchen- und Tieralphabet
burgundifch - niederländischen Urfprunges (1464
datiert), im genial grotesken Gefchmack nordifcher
Spätgotik. Ferner find faft alle Originale der
Holzfchnittkollektion des 15. Jahrhunderts aus-
geftellt, die feinerzeit in der verdienftlichen Aus-
gabe des Verlages Heiß in Straßburg reproduziert
wurden. Neben diefen Frühdrucken intereffiert
eine überfichtliche Folge gemalter Initialen und
Buchornamentik vom 12. bis zum 15. Jahrhundert.

J. C.

GENF Die Galerie des MUSEE RÄTH wurde
in leßter Zeit ausgeräumt, um nach und nach
in den neuen Mufeumsräumen Aufteilung zu
finden. Der Eröffnungstermin der neuen Samm-
lung ift noch nicht bekannt, doch foll er noch
diefen Herbft ftattfinden.

Im alten MUSEE werden nun wechfelnde
moderne Ausheilungen veranftaltet. Die leßte

galt dem Nachlaß des Malers Albert Lugar-
don, der neben guten, aber auch konventio-
nellen Bildern eine Reihe kräftiger und origineller
Studien aufweift. Die Äprilkollektion bildet das
Werk des Malers Henri Duvoifin, der mit
Hodler undTrachfel eine eigene und beachtens-
werte Stellung in der weiträumigen euryth-
mifdien Landfchaftskunft der Weftfchweiz ein-
nimmt. J. C.

GRENOBLE Das hiefige Mufeum hat zu den
bisherigen fünf Holz- und Steinftatuen aus der
Dauphine eine fechfte erworben, die in Stein
den heil. Chriftoph darftellt. Die Skulptur, deren
farbige Bemalung fich vollftändig erhalten hat,
ftammt aus dem 13. Jahrhundert und reiht fich
würdig den übrigen an. 0. G.

MÜNCHEN Tfchudis Reorganifationswerk
innerhalb der ftaatlichen bayerifchen Gemälde-
galerien, von den Grundfäßen geleitet, die haupt-
ftädtifche Sammlung ihrer zentralen Bedeutung
wegen, zu einer Qualitätsgalerie umzugeftalten
und ein klares Bild internationaler Schulentwick-
lungen zu geben, andererfeits aber im Lande
die Überficht über die Lokalfchulen zu klären,
ftößt fortgefeßt auf allerhand Schwierigkeiten.
Neuerdings wird ein Verfuch Tfchudis, in güt-
licher Verhandlung mit der Vorftandfchaft des
Germanifchen National-Mufeums in Nürnberg
einen Äustaufch von für München wichtigen,
aus Staats- und Hofbefiß ftammenden Stücke
gegen Ergänzungsteile von Ältarwerken und
Ergänzung der für das Germanifche Mufeum
befonders wichtigen deutfchen Schulen herbei-
zuführen, von Nürnberg aus auf das erbitterfte
befehdet. Zu diefer Campagne ift abgefehen
davon, daß jedes formale Recht, dem Staat ge-
hörige Bilder einzuholen und zu taufchen, auf
Seite des Direktors der ftaatlichen Gemäldegalerien
liegt, kein voller Grund vorhanden, da an eine
Schädigung Nürnbergs nicht gedacht ift. Nürn-
berg und München foll in gleicher Weife genüßt
werden. Im übrigen fehlt noch der offizielle Be-
richt, welche Bilder getaufcht werden follen.

Der Ankauf eines Manetfchen Werkes um
300000 M. für die Pinakothek, von dem vor
wenigen Tagen Münchener Tagesblätter zu be-
richten wußten, bewahrheitet fich nicht.

Für die Galerie der Münchener Sezeffion
wurden aus der Frühjahrs-Äusftellung der Se-
zeffion folgende Werke angekauft: Burmefter
Ernft, München, „Selbftporträt“, Ölgemälde;
Piepho Carl, München, „Schlafende Kaße“, öl-

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