Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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PERSONALIEN » VERMISCHTES

Wert feiner Gefamttätigkeit bleibt dies ent-
fcheidend: kein Richter wollte er fein, kein Schul-
meifter, der gute und fchlechte Zeugniffe gibt;
mit fcharfem Blick und offenem Herzen alles
künftlerifch Wertvolle und Entwicklungsfähige
begreifen, mit den Künftlern vorwärts fchreiten
und lernen, um das Erfaßte und Erlernte einem
weiteren Kreis zu vermitteln, das war fein un-
ermüdliches Bemühen. Ein Führer zur Kunft
wollte er fein und darum ging er auf jedem Weg
voran, der zu neuen Kunftwerten zu leiten fchien.
An der Gründung und Entwicklung der Wiener
„Sezeffion“ hat er den tätigften Anteil gehabt.
Die Jungwiener Künftler haben an ihm ihren
freundlichften Fürfprecher, einen der tapferften
Mitftreiter gegen alles philifterhaft Akademische
verloren. Ludwig Hevefi war ein geiftvoller,
amüfanter und produktiver Schriftfteller. Keine
Äußerung geiftiger Arbeit blieb feinem Intereffe
fremd und ein nimmermüder Fleiß erwarb ihm
eine ausgezeichnete, vielfeitige und tiefe Bildung.
Ais Kunft- und Theaterreferent des „Fremden-
blatts“, als Feuilletonift und Autor belletriftifcher
Werke war er in Wien geachtet und beliebt.
Eine Auswahl feiner kunftkritifchen Äuffäße hat
er in den beften Jahren zu zwei Sammelbänden
vereinigt: „Acht Jahre Sezeffion“ und „Ältkunft —
Neukunft.“ Und fein Buch über die Gefchichte
der Kunft in Öfterreich wird — troß aller Ein-
wände, die ftreng wiffenfchaftliche Beurteiler da-
gegen erheben können — als erfter Verfuch,
als Materialfammlung und Darftellung einer zum
großen Teil mit erlebten Evolution ftets einen
gewiffen Wert behalten. V. F.

ÄÄCHEN Dr.A.E.Brinckmann, derVerfaffer
des Buches „Plaß und Monument“, hat fich mit
einer Äntrittsvorlefung über „füdfranzöfifche
Städteanlagen des Mittelalters“ an der hiefigen
Technifchen Hochfchule habilitiert.

BERLIN Als Nachfolger Alfred Meffels ift der
Stadtbaumeifter Wilhelm Wille zum Architek-
ten der Kgl. Mufeen ernannt worden.

Zum ftändigen Sekretär der Berliner Akademie
derKünfte wurde Prof. Dr. Alexander Ämers-
dorffer ernannt. Der 35jährige Nachfolger
Ludwig Juftis ift in der Wiffenfchaft als Verfaffer
der „Kritifchen Studien über das Venezianifche
Skizzenbuch bekannt, lebte längere Zeit in Italien
und war feit 1904 im Kultusminifterium befchäf-
tigt. Seit 1907 führte er den Profeffortitei.

FRANKFURT a. M. Der bisherige Direk-
torialaffiftent an der Städtifchen Galerie Dr. M.
J. Binder ift ab l.März zum Direktorialaffiftent

am Kaifer Friedrich-Mufeum in Berlin er-
nannt worden.

LONDON Am 15. Februar ftarb der bekannte
Tiermaler und Bildhauer J. M. Swan, der ein
Mitglied der Royal Academy war. 1847 ge-
boren, ftudierte Swan längere Zeit in Paris und
wurde erft verhältnismäßig fpät als Affociate in
die Academy aufgenommen. Sein gefunder Rea-
lismus hat es wohl verurfacht, daß er erft im
elften Jahre feiner Mitglied fchaft zu den vollen
akademifchen Würden zugeiaffen wurde. 1889
wurde ihm in München eine erfte und eine zweite
Goldne Medaille zugefprochen. Als Zeichner hat
Swan fein beftes geleiftet, indem er ganz un-
mittelbar die lebendige Beweglichkeit und Cha-
rakteriftik der Tiere ficher und kraftvoll aufzu-
fangen und wiederzugeben wußte. In feinen
Bildern geht manches davon dann verloren, je-
doch hat er fich wohl nie dem Wunfch des
Publikums gebeugt, den Tieren „menfchliche
Seelen“ und „fprechende Äugen“ mit htibfchen
Titeln zu verleihen, wie das ein Landfeer feiner-
zeit getan. Sein „Prodigal Son“ wurde 1889
für die Tate Gallery um £ 700 angekauft. Ein
Teil feiner Handzeichnungen wurde als Buch
von der Firma Newnes unter dem Titel „Dra-
wings by J. M. Swan“ veröffentlicht. F.

WIEN Der Kuftos an der Gemäldegalerie des
kunfthiftorifchen Hofmufeums Dr. Guftav Glück
wurde mit den Funktionen eines Direktorftell-
vertreters diefer Sammlung betraut.

Privatdozent Dr. W. Suida wurde zum Vor-
ftand der Gemäldegalerie und des Zeughaufes
am Landesmufeum in Graz ernannt, wo er be-
reits feit dem Herbft als Dozent an der tech-
nifchen Hochfchule tätig war. Dr. Suida beab-
fichtigt auch weiterhin in Graz und Wien Vor-
legungen zu halten.

VERMISCHTES

BRUSSEL Der zur Sammlung König Leo-
pold II. gehörende Rubens „Das Wunder des
hl. Benedikt“, welcher durch Vermittlung des
Mitgliedes der Mufeumskommiffion, zugleich
Sammlers und gelegentlich Händlers Ch. L. Car-
don für 800 000 fs. verkauft werden follte und
fich bereits in New-York befunden hat, kommt
wieder zurück und wird jeßt in dem neuen Pa-
lais König Älberts aufgehängt werden. Heiligen-
bilder find weder in Paris noch Amerika be-
liebt, und fo blieb das Gemälde des vlämifchen
Meifters unverkauft, fo daß es nun Belgien nicht
verloren geht. F. M.

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