Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN ° PERSONALIEN ° VERMISCHTES

DRESDEN William Strang, der derzeitige
Führer der Internationalen Künftlergefellfchaft in
London (Nachfolger Whiftlers) veranftaltet in der
Galerie Ernft Arnold in Dresden eine große
Äusftellung feiner neueften Werke. DerKünftler
ift von der Dresdner Internationalen Großen Äus-
ftellung in befter Erinnerung und mit 30 Ge-
mälden, 30 Paftellen und ca. 50 der beften feiner
Radierungen vertreten.

KRÄKÄU Für die Sommermonate wird hier
aus Anlaß der Feier des 500jährigen Jubiläums
der Schlacht bei Tannenberg eine Äusftellung
von Kunft- und hiftorifchen Denkmälern der
Jagiellonenepoche projektiert. P. E.

MOSKAU Während der erften Hälfte des
Januars hat das hiepge Hiftorifche Mufeum zwei
retrofpektive Ausheilungen arrangiert, welche
kunfthiftorifch ziemlich viel Intereffantes enthiel-
ten. Die erfte Äusftellung, aus den Beftänden
des Mufeums mitfamt den reichen Privatfamm-
lungen des Herrn Peter Iw. Schtfchukin zufam-
mengefeßt, hatte die Aufgabe, die Perfon und
Zeit Peter I. von Rußland zu illuftrieren. Eine
Reihe Porträts Peters des Großen, feiner Vor-
fahren, Familie und feiner nächften Umgebung —
rein künftlerifdi war hier nur weniges von Be-
deutung — kleine Kollektionen von Medaillen,
Stichen, Drucken, Kriegstrophäen, einzelnen Mö-
belftücken ufw. gaben ein recht vielfeitiges, na-
türlich aber bei weitem kein erfchöpfendes Bild
der Epoche. Viel Bewunderung, namentlich im
Vergleich mit unferer fo viel profaifchern Zeit,
fand eine Vitrine mit fchön gemalten Äpotheker-
gläfern und feinen Porzellanbüchfen, welch letz-
tere, mit dem ruffifchen Doppeladler gefchmückt,
in China auf Bestellung Peters I. für die erften
ftaatlichen Apotheken in Rußland verfertigt wor-
den find.

Die andere Äusftellung trug einen rein graphi-
fchen Charakter und umfaßte faft das ganze,
bisher zum Teil noch unbekannte Oeuvre des
ruffichen Illuftrators Peter M. Boklewski
(1816—1897), der befonders durch feine Zeich-
nungen zu Gogols „Tote Seelen“ feinerzeit große
Popularität genoß. B. war keine bedeutende
Erscheinung von ftarkem Können, fondern eher
ein talentierter Dilettant, dem manch liebens-
würdiger Zug innewohnte. Unter feinen zahl-
reichen Illuftrationen zu den Werken von Gogol,
Turgenjew, Doftojewski, Oftrowski ufw., bei
denen es fich meift um bloße Typen ohne Sze-
nerie handelt, finden fich hübfche Blätter, aber
im großen und ganzen verfällt der Zeichner —
er arbeitete auch viel in Aquarell — leicht ins
Karikaturenhafte, fobald er charakteriftifche Fi-

guren komponiert. Anläßlich der Äusftellung
widmete Herr K. Kusminski vom Hiftorifchen
Mufeum dem bisher gänzlich unbekannten Le-
bensgang Boklewskis und der Gefchichte feines
Schaffens eine warm gefchriebene Biographie,
der auch eine Anzahl Autotypien nach des Künft-
lers Zeichnungen und Aquarellen beigelegt find.

P. E.

ROTTERDAM Eine Äusftellung von
Porträt-Miniaturen wollte das ftädtifche
Mufeum in Ämfterdam veranftalten. Dies Vor-
haben mußte aufgegeben werden, weil der nötige
Garantiefonds nicht zufammengebracht werden
konnte. Jeßt hat diefen Plan der hiefige Kunft-
verein aufgenommen. Zur Äusftellung follen
alte und moderne Miniaturen kommen. Die
Königin und die Königin Mutter, fowie viele
in- und ausländifche Sammler haben fich zur
Befchickung bereit erklärt. Die Eröffnung ift auf
den 26. März feftgefeßt. K. E.

PERSONALIEN

MÜNCHEN An Stelle des verftorbenen Re-
ftaurators Alois Haufer ift Ernft Kinckelin zum
kgl. Konfervator und Reftaurator an der alten
Pinakothek ernannt worden.

Die Lehrftelle der kgl. Kunftgewerbefchule, die
durch Berufung von Dafio ins Kultusminifterium
frei geworden ift, hat der Maler RobertEngels
erhalten, deffen Infzenierungen Skakefpeares im
vergangenen Sommer großen Beifall gefunden
haben.

VERMISCHTES

DIEBSTAHL IN DER HERRGOTTS-
KIRCHE IN CREGLINGEN Zu dem noch

immer nicht aufgeklärten Diebftahl, über den wir
in Heft 24 des vor. Jahrg. berichtet haben, werden
weitere Details bekannt. Die geftohlenen Figu-
ren befanden fich in einer Sediliennifdhe auf der
Südfeite des Chores, und waren hier feit etwa
vier Jahren aufgeftellt. Urfprünglich ftammten
fie vom nördlichen Seitenaltar des Jakob Mühl-
holzer (1496), und zwar wahrfcheinlich aus deffen
Bekrönung (Äbb. bei Schütte, Schwäb. Schniß-
altar, Taf. 10). Sie find unbemalt, etwa 40 cm
hoch, und ftellen anfcheinend knieende Engel
dar. Die eine Figur ift am Hinterkopf wurm-
ftichig, der zweiten fehlt eine Hand, die dritte
hält einen kelchförmigen Leuchter.

Es foll der Verfuch gemacht worden fein, die
Figuren in Weikersheim und Würzburg zu ver-
kaufen.

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