Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DER KUNSTMÄRKT —von den Auktionen

Bcvorftehende Auktionen

BERLIN Die im letzten Heft kurz erwähnte
Sammlung von Gemälden alter Meifter des 14.
bis 18. Jahrhunderts, die Rudolf Lepke am
22. März verweigert, entftammt dem Befiß von
Dr. Seymour Maynard, London, Dr. Lothar
R. von Berks, Burg Oftrozac u. a. Die
Sammlung felbft macht nach den reichen Ab-
bildungen des Kataloges, die alle in Lichtdruck
gegeben find, zu urteilen, einen bedeutenden
Eindruck und ift im einzelnen fo vielfeitig, daß
jeder Gefchmack des Sammlers dabei auf die
Koften kommt. Der Wert der Stücke und die
Berechtigung ihrer Zufchreibungen läßt fich im
einzelnen erft vor den Originalen feftftellen.
Sicher find Bilder wie Nr. 23 Ägnolo Gaddi,
Triptychon, und als Pendant dazu Nr. 21 Si-
mone Bolognefe, Die Krönung der heiligen
Jungfrau (Tafel 1/3), im Rahmen der frühen ita—
lienifchen Kunft fehr bemerkenswert und für ihr
Jahrhundert ebenfo charakteriftifch wie z. B. die
Stücke Guardis, von dem eine köftliche Zeich-
nung in Feder und Sepia (Katalognummer 72)
zum Ausruf kommt, für das 18. Jahrhundert.
Den Liebhaber holländifcher Malerei müffen na-
turgemäß Stücke wie die dem Cuijp zugefchrie-
benen Nummern 58, Die Kartenfpieler, und 66,
Die Jünger von Emmaus, oder der Wijnants
(Nr. 80) ebenfo intereffieren wie der fcheinbar
fehr hochftehende Meindert Hobbema (Nr. 87)
oder ein fo prächtiges Porträt wie Nr. 14, das
Jan Verfpronck zugefchrieben ift. Hervor-'
gehoben fei ferner noch befonders eine Land-
fchaft des Murillo, die von der Äusftellung
der Royal Academy 1895 her bekannt ift. Im
einzelnen könnte man noch auf eine Reihe an-
derer Stücke hin weifen, die der Katalog mit
einigen treffenden Worten und oft unter Zu-
hilfenahme einiger autorativer Gutachten cha-
rakterifiert.

Befonders aktuell erfcheint die Sammlung unter
dem Gefichtspunkt der franzöfifdien Kunftaus-
ftellung in der Berliner Akademie, denn fie
vereinigt eine Reihe prächtiger Bilder jener Ro-
kokokünftler, unter denen wie Nr. 86, Nattier,
Knieftück; Nr.85, Boucher, Hirtenfzene; Nr.91,
Le Prince, Die Botfchaft und last not least
Antoine Pesne mit 8 Stücken nennen.

Die Antiquitäten aus dem Befiß von Dr. Lo-
thar R. von Berks verfteigerte diefelbe Firma
bereits in der Zeit vom 8.—10. März. Auch
darüber ift ein illuftrierter Katalog erfchienen,
der rund 1200 Nr. enthält.

FRANKFURT a. M. Auktion von Münzen
und Medaillen bei S. Schott-Wallerftein. Am
Montag den 14. März 1910 und an den folgen-
den Tagen findet durch die Firma S. Schott-
Wallerftein, Frankfurt a. M. eine Auktion ftatt
von Münzen und Medaillen aus verfchiedenem
Befiß. Der mit 6 guten Tafeln ausgeftattete
Katalog bietet unter 1373 Nummern verfchiedene
bedeutende Seltenheiten, wie die polnifche Me-
daille Nr. 73 mit der antikifierenden Darftellung
auf die Unterdrückung des Kofakenaufftandes
1651. Über das Steinmodell auf die Markgräfin
Elifabeth von Baden im Jahre 1512 (Nr. 355)
muß man mit dem Verfaffer des Kataloges einer
Meinung fein, daß es nämlich fpätere Arbeit ift.
Neben der in Gold fehr feiten vorkommenden
Peftmedaille von 1635 (Nr. 945) verdienen noch
befondere Erwähnung die goldene Huldigungs-
medaille auf den Für|'tprimas des Rheinbundes
Carl V. (Nr. 956), die, wie der Katalog angibt,
nur in drei Exemplaren bekannt ift, ferner wegen
feiner vorzüglichen Erhaltung die Medaille auf
den bayerifchen Feldherrn Tilly (1191) und eine
Vertreterin der italienifchen Renaiffance, die
Bronzemedaille Nr. 1151 auf Pietro Gyron, den
Vizekönig von Sizilien im Jahre 1618. M. B—.

Rudolf Bangel verfteigert am 15. u. 16. März
Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen haupt-
fächlich der holländifchen Schulen des 19. Jahr-
hunderts aus der Sammlung J. C. van Kempen,
Utrecht. Der reich mit Abbildungen gefchmückte
Katalog verzeichnet 700 Nummern, und es darf
gefagt werden, daß unter den Gemälden vor
allem die holländifche Malerei der Neuzeit fehr
gut und vollwertig vertreten ift.

Hervorgehoben fei unter den Stücken irn be-
fonderen ein Böcklin, den der Katalog als
Phantafielandfchaft mit Frauenfigur verzeichnet.
Nach den Angaben ift das Stück figniert und
von dem Befißer feinerzeit direkt vom Künftler
erworben. Auch mag ein ausgezeichneter Is-
raels befonders erwähnt werden und ebenfo
zwei bezeichnete Stücke von Leibi, von denen
vornehmlich Nr. 75, Frau im Stuhl fißend mit
übergefchlagener Decke, qualitativ erftklaffig zu
fein fcbeint.

HEIDELBERG Das bekannte Antiquariat
von Ern ft Carlebach verfteigert am 11. April
eine Sammlung farbiger Kupferftiche von Barto-
lozzi, Reynolds, Sinßenich und illuftrierte Werke
von Chodowiecki, Klinger, Ramberg und Ludwig
Richter, fowie Koftüm- und Militärbilder und
Rheinanfichten. Außerdem verzeichnet der nahezu
1000 Nummern umfaffende reich illuftrierte Ka-

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