Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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RUNDSCHAU — Sammlungen

HOLLÄNDISCHE SAMMLUNGEN

Soeben find die Jahresberichte der ftaatlichen
Gefchichts- und Kunftfammlungen über das Jahr
1909 zur Verfendung gelangt.1 Die wichtigften
Ereigniffe des legten Gefchäftsjahres ftelle idi
im folgenden zufammen.

RIJKS MUSEUM TE AMSTERDAM. Ä. Ver-
slag van den Hoofddirecteur. In allererfter
Linie ift die Schenkung des Ehepaares Drucker
in London zu nennen (vgl. II. Jahrgang Heft 6).
Der fogenannte internationale Saal wurde durch
zwei Scheidewände in drei Teile geteilt, wo-
durch man mehr Raum zum Hängen der Bilder
gewann. Reichere Innenausfchmückung des
Nachtwachenfaals (vgl. II. Jahrgang Heft 10).
Am 3. Dezember wurde der „Anbau Drucker“
eröffnet (vgl. II. Jahrgang Heft 6). Die Änzahl
der Befucher betrug 296 594; befonders zu er-
wähnen ift der Befudi des Prinzen Oskar von
Preußen am 27. Mai. Veränderungen des Äuf-
feherperfonals.

B. Rijks Museum van Schilderijen. Die
wichtigften Neuerwerbungen an Gemälden, be-
fonders der älteren Schulen find in Heft 8 des
II. Jahrganges befprochen. Die Schenkung Drucker
wurde bereits oben genannt. Ällegorifche Pla-
fond-und Kamingemälde vonTerwesten vonl741
und von G. Sanders, die fich im Poft- und Tele-
graphengebäude in Vlaardingen befanden, über-
nahm das Mufeum vom Departement „Water-
staat“ als Eigentum. Sie wurden reftauriert und
als Leihgaben in demfelben Gebäude unterge-
bracht. Im ganzen ift die Sammlung um 117Kunft-
werkebereichert; fünf Leihgahen wurden zurück-
gezogen, fo daß die Endfumme der Erwerbungen
112 beträgt. Als Leihgaben erhielt das Stadt-
theater 12 Porträts berühmter Schaufpieler, 25
Gemälde das Mufeum „Huis Lambert van Meer-
ten“ in Delft. Durch den Drucker-Hnbau wurden
Veränderungen in der Placierung der modernen
Gemälde notwendig. Einige Gemälde des Ver-
mächtniffes Westerwoudt, darunter „die Kinder
der See“ von Jozef Israels, „de Trekvaart“ von
Änt. Mauve und „die Kirche in Maasland“ von
J. Bosboom waren früher aus Plagmangel im
ftädtifchen Mufeum untergebracht. Sie konnten
jegt im Neubau placiert werden. Än Erlaubnis-
karten zum Kopieren, beziehungsweife zum
Photographieren wurden 371 ausgegeben. Leg-
teres nimmt derart überhand, daß der Dienft im
Mufeum mitunter befchwerlich wird, jedoch wer-
den im allgemeinen keine Schwierigkeiten den
Photographen in den Weg gelegt, da auf keine

1 Verslagen omtrent ’s Rijks Verzamelingen van Ge-
schiedenis en Kunst. No. XXXII, 1909.

beffere Weife als durch die Photographie die
vaterländifche Kunft populär werden kann.

C. ’s Rijks Prentenkabinet. Durch pekuniäre
Unterftügung von privater Seite konnten eine
ganze Reihe wertvolle Blätter erworben werden.
Äußerdem find auch Schenkungen von Kunft-
werken felbft zu verzeichnen. Im ganzen um-
faffen die Neuerwerbungen 6514 graphifche
Blätter, 48 Handzeichnungen und 321 Bücher.
Über die Dreimonatsausftellungen ift in diefer
Zeitfchrift bereits jedesmal zu der betreffenden
Zeit berichtet worden.

D. NederlandschMuseum voor Geschie-
denis en Kunst. Von Änkäufen find fehr wert-
volle mittelalterliche Gewebe zu nennen; ein
byzantinifcher Seidenftoff und Produkte der
arabifchen, fizilianifchen und koptifchen Web-
kunft; weiter mehrere Möbel, fo einige floren-
tinifche Ärmftühle aus dem 16. Jahrhundert;
darunter ift einer mit geraden Rücken- und
Ärmlehnen als Vorläufer der holländifchen aus
dem Beginn des 17. Jahrhunderts anzufehen.
Äls Gefchenk erhielt das Mufeum u. a. von der
Königin eine Kanone vom Schiff „de Lutine“,
das 1799 unterging; ferner eine goldene Me-
daille, die die Generalftaaten 1672 dem Kapitän
Isaac Rockesen fchenkten; eine goldene Medaille
auf die Hochzeit der Rebecca de Wolf mit Guil-
bert de Flines am 20. April 1636; außerdem
einige hiftorifche Koftüme und eine fächfifche
Porzellanfchüffel aus der Periode von 1720 bis
1730. Endlich ift eine kleine flltdelfter Vafe
mit polychromem Dekor zu erwähnen aus der
Fabrik „het Moriaanshoofd“ aus der Zeit, als
diefe von Rochus Jacobs Hoppestein geleitet
wurde.

KONINKLIJK KRBINET VÄN SCHILDERIJEN
im Haag. Wie bereits früher (vgl. I. Jahrgang
Heft 13) vermeldet, legte am 30. Juni 1909 Dr.
Ä. Bredius die Leitung des Mufeums nieder. Zu
feinem Nachfolger wurde der bisherige Unter-
direktor Prof. Dr. W. Martin ernannt. Eine ganz
befondere Erwähnung verdienen die vielen neuen
Vorkehrungen, die für ein möglichft fchnelles
Retten der Gemälde bei ausbrechendem Feuer ge-
troffen wurden. Sämtliche Fenfter find fo umge-
arbeitet, daß die Flügel nach außen auffchlagen.
Kleinere nebeneinanher hängende Bilder find
durch Eifenftangen miteinander verbunden, die
leicht zufammengebogen und an einemTauhinab-
gelaffen werden können. Diefe Taue hängen in der
Nähe der Fenfter und der wertvollften Gemälde.
Än der „Anatomie“ von Rembrandt und dem
„Stier“ von Potter find fehr bemerkenswerte
Neuerungen angebracht. Ihre Blendrahmen nebft

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