Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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VERMISCHTES ° LITERATUR

VERONÄ Aus dem hiefigen Museo Civico
wurden während der Befuchsftunden fechs wert-
volle Gemälde entwendet, fämtlidi Werke des
Seicento und Settecento. Fünf davon find Ar-
beiten des in Verona tätigen Michelotto dalle
Battaglie, der in Bourguignons Manier gemalt
hat; ein weiteres Bild, Diana und die Hirten
darftellend, gehört einem unbekannten Meifter
an. Ein Gemälde in großem Format mit der
Darftellung des Apollo ward von den Dieben,
als zu fchwer transportabel, im Vorflur ftehen
gelaffen.

LITERATUR

Älfred Walcher vonM.olthein.Die deutfche
Keramik der Sammlung Figdor. Wien 1909.
Verlag von Ärtaria & Comp.

Die außerordentlich verfchwenderifch mit guten
Autotypien illuftrierte Publikation befchäftigt fich
mit dem bekannten reichen Material an deutfchen
Keramiken in der Sammlung Figdor, beginnend
mit den frühen und fiüheften Erzeugniffen der
niederrheinifchen Krugbäckereien bis hinauf zu
den wundervollen figürlichen glafierten Reliefs
der Tiroler, Salzburger und öfterreichifchen Werk-
ftätten, die als wichtige Leitungen der figuralen
Plaftik auf einen Ehrenplaß in der Gefchichte der
deutfchen Bildhauerei Anfpruch erheben dürfen.

Durch die faßt durchweg hohe Qualität der
Arbeiten wie die ungefähr gleichmäßige Ver-
tretung der gefamten deutfchen keramifchen
Produktion eignete fich die Figdorfche Samm-
lung befonders gut für einen kritifch-hiftorifchen
Begleiter, wie ihn Alfred Walcher von Molthein
geliefert hat, unter voller Berückfichtigung der
bereits ziemlich ftattlichen Literatur auf diefem
Gebiete.

Rühmende Erwähnung verdient außer der ge-
fchmackvollen Type und den allerdings auf fehr
glänzendes Kreidepapier gedruckten Autotypien
im Text zwei Tafeln in farbigem Lichtdruck, die
in der K. K. Hof- und Staatsdruckerei hergeftellt
worden find. Die Sammler auf dem Gebiete
der deutfchen Keramik werden das Buch fchon
wegen des äußerft reichhaltigen Anfchauungs-
materials in ihrer Bibliothek nicht mißen wollen.

V.

Der Katalog der Ausftellung franzöfi-
fcher Kunft des 18. Jahrhunderts. Über die
gegenwärtig in Berlin ftattpndende Ausftellung
franzöfifcher Kunft in der Königl. Akademie der
Künfte, auf die im einzelnen der Auffaß von

Rieh. Graul an der Spiße diefes Heftes hinweift,
bereitet die Photographifche Gefellfchaft
ein großes Katalogprachtwerk vor. Dasfelbe wird
zum bleibenden Gedächtnis auf Veranlagung der
Akademie herausgegeben und nach Äusftattung
und Inhalt würdig an die Seite des vor zwei
Jahren erfchienenen Prachtkataloges über die
englifche Ausftellung treten können. Von den
ausgeftellten Werken werden etwa 80 der be-
deutenden in großen Photogravüren (Papier-
format 30X^0 cm) reproduziert, darunter die
Meifterfchöpfungen der erften Künftler diefer Zeit.
Die Ausgabe des Kataloges erfolgt in 100 Exem-
plaren auf Japanpapier in altfranzöfifchem Leder-
band zum Subfkriptionspreis von 420 M. und
in einer Ausgabe von 350 bezeichneten Exem-
plaren auf Radierungspapier zum Preife von je
210 M. Die SubfKription ift bereits eröffnet, fo
daß es fich für alle Intereffenten empfiehlt, fich
fchon jeßt ein Exemplar des koftbaren Werkes
zu fichern.

Der für die obengenannte Ausftellung vorbe-
reitete Katalog ift gleichzeitig mit der Eröffnung
bei F. Bruckmann Ä.-G., München und Berlin,
erfchienen. In feiner äußeren Erfdieinung lehnt
er fich dem Stil des behandelten Jahrhunderts
an, und er ift durch zahlreiche Reproduktionen
gefchmückt, die in das Textpapier einzeln ein-
geklebt worden find. Nach einer kurzen Ein-
leitung über den Zweck der Veranftaltung folgt
eine Lifte derjenigen Sammler, die aus ihrem
Befiß einzelne Werke hergeliehen haben. Daran
fchließt fich ein ausführliches Künftlerverzeichnis
mit Daten, das von allen Benußern befonders
angenehm empfunden werden wird. Erft danach
folgt das Verzeichnis der ausgeftellt Werke in
der Reihenfolge ihrer Aufteilung. B.

KLEINE LITERARISCHE NOTIZEN

KHHKÄU Die Abteilung für polnifche Kunft-
gefchichte der Akademie der Wiffenfchaften zu
Krakau wird eines der nächften Hefte ihrer
zwanglos erfcheinenden Berichte fpeziell der
jüdifchen Kunft in Polen widmen. Zu diefem
Thema hat fich bereits viel Material angefam-
melt; leßthin noch wurde der Akademie von
Herrn A. Szyszko-Bohufz eine wertvolle, reich-
illuftrierte Arbeit über eine Reihe alter jüdifcher
Holzfynagogen eingereicht, die fich durch charak-
teriftifcheOrnamentik auszeichnen undeine befon-
dere Stellung in der Gefchichte der polnifchen
Baukunft im allgemeinen einnehmen. P. E.

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