Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SAMMLUNGEN » AUSSTELLUNGEN

zuführen, 3. ein Zentralinfpektorat für die an-
tiken Denkmäler undÄusgrabungen zu begründen.
Befonders der erfte Vorfchlag wird nicht ver-
fehlen, allgemeines Staunen hervorzurufen. Nur
ein fog. technifcher Direktor ift an einer folchen
Stelle möglich. Die rein adminiftrativen Leiter
haben ftets verfagt. In anderen Minifterien
mag ein folcher möglich fein, in diefem Falle
wäre er abfolut deplaciert, und nur ein Kunft-
hiftoriker kann würdig und zwecklich auf einen
folchen Poften berufen werden. Um fo mehr
muß der Vorfchlag der Kommiffion gerade jeßt
wundernehmen, da Italien feit fechs Jahren das
Glück hat, einen fo eminenten ausgezeichneten
Fachmann wie Corrado Ricci an diefer Stelle
zu fehen. L. P.

ROUEN Der Beftand des hiefigen Mufeums
an Werken von Gericault beträgt nach den
neueften, auch hier mitgeteilten Vermächtniffen
70 und zwar 14 Gemälde, 6 Aquarelle und
48 Zeichnungen. Somit hat das hiefige Mufeum
die größte Gericault-Sammlung der Welt.

STUTTGART Das KÖNIGL. LANDESGE-
WERBEMUSEUM hat foeben feinen Bericht über
das Jahr 1909 verfandt, der einen Überblick über
die weitere Entwicklung des Mufeums gewährt.
Von den Neuerwerbungen find die wertvollften
Stücke im Anhang auf Lichtdrucktafeln abgebildet.
Auch der Text ift reich mit Illuftrationen ver-
fehen.

VERSAILLES Vierzehn Tapifferien des 17.
und 18. Jahrhunderts aus der Gobelin-Manu-
faktur nach Entwürfen von Coypel und Mignard,
die feit der Revolution im Speicher fchlummerten,
find in der Galerie des Batailles des Schloffes
aufgehängt worden.

WIEN Das Oberftkämmereramt hat in der Aus-
heilung bei Pisko eine Ölftudie „Brunfthirfdi“
von Franz v. Paufinger für die kaiferliche
Gemäldegalerie erworben.

AUSSTELLUNGEN

BERLINER AUSSTELLUNGEN Die

tote Sommerszeit ftellt die Inhaber der Kunft-
falons alljährlich vor eine fchwierige Aufgabe:
große, koftfpielige Darbietungen, die nach
kurzer Dauer wechfeln, lohnt es wirklich nicht
zu veranftalten und das Haus für ein paar
Monate zu fdiließen, mag oder kann man
nicht. Das KÜNSTLERHAUS in der Bellevue-
ftraße hat diesmal folche Sommerpaufe eintreten

laffen, das ift lobenswert, einige andere Unter-
nehmungen rücken für die Hundstage mit ge-
ringeren Qualitäten an. Da ift dann GURL1TTS
Idee, die Ausftellung während des ganzen
Sommers beftehen zu laffen, dafür aber nur ge-
wähltes Material darzubieten, um fo erfreulicher.
Er zeigt uns viel Gutes und Intereffantes. Klingers
„Homer“ (1899), mit der nackten Geftalt des
Sängers, der den Arm in mächtiger Gebärde
gegen das Meer erhebt, während im Hinter-
grund ein ganz böcklinifch anmutendes Meer-
wefen mit grünem Tang um die Stirn ruht und
Zeus mit Ganymed in den Lüften thront, dürfte
manchem neu fein, ebenfo Böcklins große, nur
angelegte Skizze zu einer „Jagd der Diana“.
Eine Feuerbadifche Grablegung ift feltfam trocken
und akademifch. Von Scholderer, dem man auf
der Jahrhundertausfteliung nähertrat, findet fidh
ein ganz altmeifterlich, in fchweren Farben ge-
maltes Bild, die Halbfigur eines Mannes, der ein
Tier ausweidet, merkwürdig gehalten, faft eie-
gifch in Stellung und Ausdruck. Eine Reihe von
Trübnerfchen Landfchaften, Uferpläße am Starn-
berger See, das Klofter Chiemfee, diefes ein
wenig trocken und kleinlich gemalt, verfchiedene
große Thomas, mehrere Hofmanns, ein keckes
Paftell „Winter“ von Olde, fdiließen fich an.
Ein gar nicht häufiger, immer gern gefehener
Gaft ift Toni Stadler, der die Ebene um München
mit dem Zug der fernen Berge fo fein wie kein
anderer zu fchildern vermag. Wie fchön ift fein
„Blauer Tag“, mit dem faftig-grünen Seeufer
im Vordergrund und der blauen Gebirgskette an
dem ganz tiefgelegten Horizont. So hat es nur
Hercules Seghers verbanden, den Eindruck un-
endlicher Weite zu erwecken. Heinrich Hübner,
der in Berlins Nähe eine halbvergeffene, nur
wenigen bekannte Stätte, das alte Schlößchen
Pareß für fidi entdeckte, hat die befcheidenen,
harmlos dekorierten Räume, in denen einft die
Königin Luife als „Gnädige Frau von Pareß“
geweilt, zum Vorwurf mehrerer Bilder genommen.
Man freut fich gewiß, aber ich fürchte, mehr an
dem Gegenftand, als an der künftlerifchen Inter-
pretation, die mehr Liebe und Genauigkeit wie
Geift aufweift. Diefer Mangel wird bei den um-
fangreichen Bildern fühlbarer als an den Zeich-
nungen dazu, die derKünftler augenblicklich auf
der Hamburger Graphifdien Ausftellung des
Deutfchen Künftlerbundes fehen läßt. Ein paar
feinfarbige Blumenftücke von E. R. Weiß, ein
älterer, nicht unintereffanter Arthur Kampf „Sou-
per“ und ein, etwas experimentierend, mit kurzen,
feften Farbflecken gemaltes Bild von Haueifen,
„Frau mit Äpfeln“, follen nidit vergeffen werden.
Dann zu den Ausländern: Obenan ein pradit-
voller Sisley, eine lichtüberflutete alte franzöfifdie

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