Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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INSTITUTE UND VEREINE

INSTITUTE UND VEREINE

BERLIN Gelegentlich eines in der Märzfißung
der Ärchäologifchen Gefellfchaft gehaltenen Vor-
trags über fein vor kurzem erfchienenes Werk
„Iranifche Felsreliefs“ wies Profeffor F. Sarre
auf das im Sommer 1895 in Paris abgefchloffene
und dem damaligen Schah mit der Bagatelle
von 50000 Francs abgekaufte Abkommen hin,
das alle Ausgrabungen auf perfifchem
Boden unter den günftigften Bedingungen aus-
fchließlich der franzöfifchen Regierung referviert.
Die Franzofen arbeiten bekanntlich fchon feit
Jahren erfolgreich auf dem Trümmerfeld des
alten Sufa, können aber wohl aus finanziellen
und anderen Gründen in abfehbarer Zeit gar
nicht daran denken eine der zahlreichen anderen
Stätten altperfifcher und fpäterer Kultur in An-
griff zu nehmen. So fallen z. B. die fkulpturen-
gefchmückten Refte von Perfepolis und die zahl-
reichen Felsreliefs und Palaftruinen der fafani-
difchen Epoche mehr und mehr mutwilliger
Zerftörung anheim und in den mittelalterlichen
Ruinenftätten wird von der Bevölkerung will-
kürlicher Raubbau, vor allem nach der gefchäßten
islamifchen Keramik getrieben, was nur dem
internationalen Kunfthandel zu Gute kommt und
jede wiffenfchaftliche Erweiterung unferer Kennt-
niffe auf diefem Gebiete erfchwert, ja geradezu
verhindert.

Es wäre endlich an derZeit, daß die übrigen
Staaten, vor allem Amerika, Deutfchland, Eng-
land, Öfterreich und Rußland fich vereinigten,
um die Aufhebung diefes aus den Tagen der
autokratifchen Regimes Perfiens ftammenden
franzöfifchen Privilegs durchzufeßen und fich
gleichfalls die Berechtigung zu fichern, auch
ihrerfeits an der wiffenfchaftlichen Erfchließung
der perfifchen Denkmäler arbeiten zu dürfen.
Die jeßige konftitutionelle perfifche Regierung
dürfte in der Lage fein, das franzöfifche Privileg
aufzuheben und dürfte fich umfo eher dazu ent-
fchließen, als das verarmte Land aus den von
verfchiedenen Seiten ausgehenden wiffenfchaft-
lichen Unternehmungen nur pekuniären Vorteil
ziehen würde.

MÜNCHEN Die im Sommer 1909 gelegentlich
eines Vertretertages in Wiesbaden befchloffene
Gründung eines „Verbandes deutfcherKunft-
vereine“ ift nunmehr endgültig erfolgt. Die
Eintragung ins Vereinsregifter ift bereits ge-
fchehen.

Zweck des Verbandes ift in erfter Linie die
korporative Vertretung der gemeinfamen Inter-
effen der deutfchen Kunftvereine, insbefondere
Propaganda für die Bestrebungen der Kunst-

vereine in größerem Maßftab, Feftlegung ein-
heitlicher Äusftellungsbeftimmungen, Pflege der
Beziehungen zu den ftaatlichen und ftädtifchen
Behörden, fowie den größeren Künftlerver-
einigungen, Veranftaltung hervorragender Wan-
derausftellungen, Herausgabe einer Statiftik über
das Wirken der deutfchen Kunftvereine ufw. ufw.

Dem Verband gehören als Gründungsmit-
glieder an: die Kunftvereine in Barmen,Dresden,
Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kaffel, Köln,
Leipzig, Mannheim, München, Stuttgart und
Wiesbaden. Vorort ift München.

I. Vorfißender des Verbandes ift der Präfident
des Kunftvereins München, Direktor Karl Loen,
II. Vorfißender der Leiter des Kunftvereins Mün-
chen Erwin Pixis, in deffen Händen zugleich
die Führung fämtlicher Verbandsgefchäfte liegt,
Schriftführer Mufeumsdirektor Dr. R. Reiche,
Barmen. In den Äusfchuß wurden ferner ge-
wählt: Oberamtmarm Dr. Eckhardt, Mannheim,
Maler O. Segiffer, Stuttgart, Maler Profeffor
Richard Stier, Stuttgart.

Die erfte ordentliche Mitgliederverfammlung
des Verbandes findet Mitte Mai in München ftatt.

ROM KAISERL. DEUTSCHES ARCHÄOLO-
GISCHES INSTITUT. Palilienfißung vom22. April.
Der Direktor des römifch-amerikanifchen archäo-
logifchen Inftituts, J. B. Carter, fprach über die
Etrusker und die römifche Religion. Nachdem die
griechifchen Elemente des römifchen Kultus und
der Religion ausgefchieden find und andererfeits
über die Herkunft der Etrusker fchon feftere An-
fichten fich bilden, wird das Studium des Ein-
fluffes der letzteren wieder mit mehrÄusficht auf
Erfolg aufgenommen. Carter ift der Meinung,
daß die Etrusker erft im 8. Jahrhundert v. Chr.
zur See aus dem Often gekommen find und
wies als etruskifch in der römifchen Religion
des 6. und 5. Jahrhunderts folgendes nach: die
Haruspicien,welche neuerdings mitBabylonifchem
verglichen und dadurch beffer verftanden wor-
den find, dann die Auguraldisziplin, die untrenn-
bar mit der Limitation, der Abgrenzung eines
heiligen Bezirkes verbunden ift, endlich find eine
ganze Anzahl Göttergeftalten etruskifch, z.B. vor
allem der Jupiter Optimus Maximus felbft und
der capitolinifche Dreiverein (Jupiter, Minerva,
Juno). Die römifche Eigenart aflimilierte leicht
diefe etruskifchen Elemente. Als zweiter Redner
fprach B. Nogara über eine neugefundene Stein-
infdirift aus der Gegend von Cervetri, die neben
bekannten Worten auch einige ganz neue und
wichtige Worte enthält, die für die etruskifche
Sprachforfchung von großer Bedeutung find. Den
Schlußvortrag hielt R. Delbrück. Er fprach über
eine klazomenifche Amphora aus Benha, die in

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