Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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PERSONALIEN ° VERMISCHTES

im Landesausftellungspalaft am Lehrter Bahnhof.
Friedrich illuftrierte auch zahlreiche Klaffikeraus-
gaben und Reifewerke. Svs.

BERLIN Dem Geh. Baurat Prof. Richard
Borrmann von der Technifchen Hochfchule
Charlottenburg wurde in Anerkennung feiner
Verdienfte um die Bauwiffenfchaft vom Minifte-
rium der öffentlichen Arbeiten die für „Verdienfte
um das Bauwefen“ geftiftete filberne Medaille
verliehen. Svs.

Eines der älteften Mitglieder des „Vereins
Berliner Künftler“, der Gefdiichtsmaler F. W.
Steffens ift in Berlin im 92. Lebensjahr ver-
dorben. Svs.

DRESDEN Prof. Karl Groß, der ausge-
zeichnete Lehrer für Architektur- und gerwerb-
liche Plaftik an der hiefigen Königl. Kunftge-
werbefchule hatte vor kurzem einen ehren-
vollen Ruf an die Technifche Hochfchule in
Stuttgart erhalten. Der Künftler hat diefen Ruf
abgelehnt, und es ift ihm nunmehrzu feinem
bisherigen Lehramt nodh ein Lehrauftrag für
Ärchitekturplaftik an der hiefigen Technifchen
Hochfchule und an der Akademie der bildenden
Künfte erteilt worden. wd.

HÄÄRLEM Die berühmten „Halfen“ im
hiefigen ftädtifchen Mufeum, ihr Schickfal und
das des Mufeums felbft fing vor ungefähr zwei
Jahren in- und ausländifche Zeitungen zu befchäf-
tigen an. Es wurde viel gefchrieben, viele
fdiarfe und ernfte Worte fielen. Endlich ent-
fchloß fich der Gemeinderat zur fchärferen Kon-
trolle der Gemälde einen Direktorpoften zu
fchaffen, der nunmehr befeßt worden ift. Herr
j. 0. Kronig im Haag wurde — vorläufig nur
für ein Jahr — gewählt. Der Name des noch
jungen neuen Direktors ift durch eine Reihe von
Auffäßen in Zeitfchriften des In- und Auslandes
in Fachkreifen bekannt geworden.

Kurt Erasmus.

WÄRSCHÄU Im Alter von 65 Jahren ver-
ftarb Zygmunt Gioger, der unermüdliche Er-
forfcher der Vergangenheit Polens in archäolo-
gifcher, ethnographifcher und gefchichtlicher
Richtung. Unter feinen zahlreichen Schriften
find kunftgefchichtlich von Bedeutung: die illu-
ftrierte, vierbändige „Ältpolnifche Enzyklopädie“,
fowie das jeßt noch im Erfcheinen begriffene
Lieferungswerk „Der Holzbau im ehemaligen
Polen“. Seine umfangreiche Bibliothek und ver-
fchiedenartigen Sammlungen hat G. den pol-
nifchen Mufeen vermacht. P. E.

VERMISCHTES

EIN NEUES BILD DES HÄNS BÄL-
DUNG In der Frankfurter Ztg. vom 24. Sep-
tember weift Franz Ri eff ei auf ein neues Werk
des Hans Baidung hin, indem er fchreibt: „Außer
dem jüngft aus Parifer Privatbefiß für das Ger-
manifche Mufeum in Nürnberg erworbenen Ma-
rienbildchen Baidungs von 1516 gibt es
noch ein zweites kleines Bild in der Nähe Nürn-
bergs, das ich für Hans Baidung in Anfpruch
nehmen möchte. Es hängt in der Schwanen-
ritterkapelle der St. Gumbertuskirche in Ans-
bach, und daß es noch exiftiert und nicht zu
Äfche geworden ift, verdankt man der Einficht
des dortigen Stadtkirchners Herrn Hupp. Er
hat nämlich vor einigen Jahren in der unbe-
nußten Georgskapelle der Kirche mit anderen
guten Dingen, die zu Brennholz beftimmt waren,
auch das Täfelchen vorgefunden. Es fah aus
„wie ein blankes Brett“. Bald darauf fand fich
auch der fchöne Frührenaiffancerahmen. Der
Finder brachte diefes und alles andere in Sicher-
heit, verwahrte es und 1908 wurde die Tafel
reftauriert und alsdann in der Schwanenritter-
kapelle aufgeftellt. Das Bild mag etwa 40 cm
breit und 60 cm hoch fein. In einer offenen
Renaiffancehalle, die auf einen Baumgarten Aus-
blick hat, fißt Maria und reicht dem Kind die
Bruft. Links kniet im Gewand des Klerikers
ein jugendlicher Stifter. Hinter einer Baluftrade
weiter hinten zeigt fich Jofef. Eine hohe Berg-
kette fchließt den Hintergrund ab, auf den Rah-
menteilen über und unter dem Bild find In-
fchriften. Die obere fcheint ein Datum zu ent-
halten; aus der untern ift zu entnehmen, daß
es fich um ein Votivbild für den im Alter von
zwanzig Jahren jäh (infolge Blißfchlags?) ver-
dorbenen Johannes Sieder von Ansbach han-
delt, der in Freiburg und zwar offenbar Theo-
logie ftudiert hat. Ich habe beide Infchriften
nicht völlig entziffert, aber Ortsangabe und Stil
datieren das Bild 1515 auf 1516. Leider fieht
man dem für Baidung ungewöhnlich innigen
und zarten Bild die Fährniffe an, durch die es
gefchritten ift. Aber wenn es auch in der Farbe
müd und freudlos geworden ift, fo verleugnet
es doch nicht, daß es den frifcheften und glück-
lichften Jahren feines Schöpfers angehört.“

DIE FRÄGE DER LEIHWEISEN
HERGÄBE VON KUNSTWERKEN

für Äusftellungszwecke ift anläßlich der Brüffeler
Äusftellung der Belgifchen Kunft des 17. Jahrh.
wieder zur Erörterung geftellt worden. Das Or-
ganifationskomitee derfelben hatte an alle großen

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