Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DENKMALPFLEGE

morne Säulchen gegliedert. In der Kirche S.Fran-
cesco ift die Cappella Pesciolini reftauriert worden.

B.

PISTOIH In der Sala Guelfa werden die alten
Biforafenfter wieder hergeftellt. Ein Fresko eines
PiftoieferMeifters vom Ende desTrecento (nach
Venturis Anficht jedoch vonLippo Dalmafio), die
Madonna mit dem Kinde und mufizierenden
Engeln darftellend, wird gegenwärtig von dem
Mauerwerk eines diefer Fenfter abgelöft und
foll feinen Plag an der gegenüberliegenden
Wand erhalten. Die malerifche Außentreppe
des Palazzo Comunale hat ein fchon in alten
Zeiten beabfichtigtes Dach erhalten. Im oberften
Stockwerk wird das ftädtifche Mufeum aufge-
ftellt, deffen Eröffnung man im nächften Jahr
erwartet. B.

PRÄTO Die Verftärkungsarbeiten am bau-
fälligen Palazzo Pretorio nähern fich ihrem Ende.
Äm Campanile der friihgotifchen Kirche S. Do-
menico werden die alten Biforafenfter geöffnet.
Der Staat beabfichtigt, gegen eine noch feftzu-
fegende mäßige Entfchädigung, der Stadt das
ehrwürdige Kaftell zu überlaffen. Die mächtigen
Türme, die zinnengekrönten Mauern und das
von fteinernen Löwen bewachte Tor follen als-
dann wiederhergeftellt werden. B.

SPELLO Auf Veranlaffung des Unterrichts-
minifteriums ift das Portal des Oratorio di S.
Ercolano, neben der Kirche S. Lorenzo foeben
reftauriert worden. B.

TERNI In einem Kohlenraum des Doms wur-
den kürzlich Fragmente einer polychromen Terra-
kottapgur der Madonna mit dem Kinde durch
Prof. Luigi Lanzi entdeckt und wieder zufammen-
gefegt. Die Arbeiten an der Wiederherftellung
der Kirche San Salvatore, von denen wir
bereits berichtet haben, machen unter Lanzis
Leitung gute Fortfehritte. Die Ausgrabungen
aus derNekropolis vonTerni haben in einem
Saal der Bibliothek Aufteilung gefunden. Die
Stadtverwaltung wird demnächft größere Räume
zu Mufeumszwecken einrichten. In der Kirche
San Criftoforo find Refte wertvoller Fresken
des Trecento entdeckt worden und inSanFran-
cesco hat man den Campanile reftauriert. B.

UMBERTIDE Die Pieta, das prachtvolle
Spätwerk Luca Signorellis in der Kirche S. Croce,
ift foeben durch Prof. Colarieti-Tofti mit Sorg-
falt reftauriert worden. Ferner ift in San Fran-
cesco die Familienkapelle der Ranieri wieder-
hergeftellt. B,

WIEN Die Figuren und Bildhauerwerke an
der Karlskirche haben fich weit fchadhafter
erwiefen, als urfprünglich angenommen wurde.
Die Äusbefferungsarbeiten, welche von Zeit zu
Zeit vorgenommen wurden, ließen erkennen,
daß eine umfaffende Unterfuchung der gefamten
Skulptur erforderlich fei. Eine eigens hierzu
beftellteKunftkommiffion hat jegt die folgenden
Beftimmungen getroffen: Die Ergänzungen an
den begehenden Engelgeftalten follen fich nur
auf jene Teile befchränken, für deren Neuher-
ftellung alle Anhaltspunkte der alten Form ge-
geben find, während jene Stücke, die im Original
nicht mehr vorhanden find, nicht mehr ergänzt
werden follen. Bei den Vafen follen jene orna-
mentalen Teile, wie Henkel, Akanthusblätter, die
abgebröckelt oder abgefallen waren, nicht wieder
erneuert werden, fondern das Hauptgewicht auf
die Behebung der Urfache der Schäden gelegt
werden, welche in den im Innern angebrachten
Eifendübeln zu erblicken find, die zur Befefti-
gung der einzelnen Teile dienen, jedoch die ein-
zelnen Vafen mit der Zeit zerfprengen. Die
Eifendübel werden daher mit Kupferhülfen
überzogen, damit der Einfluß des Roftes und
des Eifens verhütet werde. Außerdem werden
die Löcher, welche bei der Anbringung der Eifen-
dübel entftanden und eine zerftörende Wirkung
durch die Wafferanfammlung ausübten, verftopft
werden. Die am Saume der großen Kuppel am
rechten Fenfter figende Engelsfigur foll durch
eine neue Skulptur ergänzt werden, die mit der
linken harmonifch zufammenwirkt.

FUNDE ♦ ENTDECKUNGEN

EIN HOLBEINFUND? In Bafel wird

wieder einmal eineHolbeinlegende ausgefponnen,
die ja da und dort ihren Hauptzweck nicht ver-
fehlen mag: Mißtrauen zu fäen! Es wird be-
richtet, ein Basler Antiquar habe „mit großem
Gefchick ein Werk H. Holbeins aus der Ver-
ge|Jenheit gerettet“; man müßte nun dieKunft-
kommiffion „wecken“, damit der Schag Bafel
erhalten bleibe. — Es fei an diefer maß-
gebenden Stelle konftatiert, daß es fich um eine
ältere Kopie der Lais handelt und zwar
um das bekannte, in Rittmanns Katalog ver-
zeichnete Exemplar, das dadurch merkwürdig ift,
daß ein Lefefehler des Kopiften aus der Zahl
1526 das Datum 1536 gemacht hat. (Die Lais ift
im 16. und 17. Jahrhundert gern kopiert worden.
Ganz bekannte und gut erhaltene Stücke finden
fich in Bafel [Privatbefig und Mufeum], Paris
[Sammlung Le Roy], Wien [Albertina] u.a.o.) J. C.

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