Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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GESELLSCHAFTEN UND VEREINE ° VERMISCHTES

ftadt, Namur und Venedig find am bekannteften.
Dazu kommen zwei Exemplare im Beßß der
Gräflich Äffeburgfchen Familie und eines in
Berliner Privatbefiß. Zwei von diefen koftbaren
Gläfern vermochte der Vortragende der fchon
bekannten Reihe hinzuzufügen: er entdeckte pe
im Verlaufe feiner Studien über diefes bemerkens-
werte Kapitel der Glasfchneidekunft.

Daran anfchließend fprach Herr Dr. Janßen
über die Beziehungen Scorels zu Bramante,
unter Fortführung feiner in Nr. 19 des „Cicerone“
veröffentlichten Studie, welche das neuerdings
vom Wiener Hofmufeum erworbene Ärchitektur-
bild des Niederländers zum Gegenftand hat. Rn
Hand verfchiedener Teilaufnahmen aus dem
Innern der Peterskirche zu Rom wies der Vor-
tragende nach, wie eng fich der Maler an diefes
Vorbild gehalten habe. Einige Abweichungen
erklärten fich aus den feit Scorels Rnwefenheit
in Rom (1522—24) natürlicherweife eingetretenen
Abänderungen, im übrigen fei die Übereinftim-
mung der Architektur des Bildes mit den Ent-
würfen und Plänen Bramantes ganz deutlich;
möglich wäre, daß auch ein Studium von Raffaels
„Schule von Athen“ bei der Geftaltung der Bild-
architektur eingewirkt habe. — Dr. Binder be-
tritt jede hiftorifche Unterlage für die Annahme,
daß Scorel jemals in Rom gewefen fei, ebenfo
wie feine Stellung als Konfervator der päpft-
lichen Sammlungen durchaus nicht zu belegen
wäre, wodurch die Vermutung, Studien in der
Peterskirche und im Vatikan hätten zu dem frag-
lichen Bilde Vorgelegen, hinfällig würde. Schließ-
lich trat Dr. Binder der Zufchreibung des Wiener
Bildes an Scorel überhaupt entgegen. Direktor
Friedländer betonte die Übereinftimmung des
Wiener Bildes mit den bisher dem Scorel zu-
gewiefenen Stücken, die, wenn Dr. Binders
Vermutung richtig, natürlich dann alle abzulehnen
wären, wodurch das bisherige Scorelfche Werk
überhaupt zufammenpele. Außerdem dürfte man
die bei van Mander vorkommende, mit dem
vorliegenden Bild fehr gut zufammenftimmende
Befchreibung doch nicht völlig ausfchalten. —
Zum Schluß referierte Dr. Schnorr von Carols-
feld über das neue, von Graul und Kurzwelly
publizierte Werk „Ältthüringer Porzellan“, dann
legte Direktor Friedländer einige Neuerfchei-
nungen wie Dörnhöffers Dürer-Fechtbuch vor
und machte an Hand des Kataloges auf die be-
vorftehende Verfteigerung der Sammlung Hans
Schwarz auf merk fam. Svs.

ln der Deutfch-Japanifchen Gefellfchaft
(Wado-Ku-Kai) fprach Dr. William Cohn über
die Meifterwerke oftafiatifcher Malerei im Befiß
der Königl. Mufeen zu Berlin, die ja, infolge

der mangelhaften Ausftellungsmöglichkeiten bis-
her nur einem fehr kleinen Teil der Kunftfreunde
bekannt find. Der Vortragende befprach an
Hand von Lichtbildern eine Anzahl der beften
chinefifchen und japanifchen Gemälde des Mu-
feums und betonte, daß faft alle Perioden oft-
afiatifcher Malerei in Berlin gut vertreten wären.
Berlin fei heute, troß der kurzen Zeit der Ar-
beit neben Bofton die bedeutendfte Sammlung
außerhalb Japans. Aber felbft den Vergleich mit
den japanifchen Sammlungen brauchte die Ber-
liner heute nicht mehr zu fcheuen, wenn pe auch
naturgemäß nicht in einzelnen Meifterwerkert,
fondern nur durch die allgemeine, hohe Qualität
konkurrieren könne.1 * Svs.

VERMISCHTES

BRÜSSEL Kaifer Wilhelm ftattete an-
läßlich feines Aufenthaltes hier der Ausftellung
der vlämifchen Kunft des 17.Jahrhunderts
einen Befuch ab und äußerte fich fpezieil fehr
anerkennend über diejenige Abteilung derfelben,
in welcher das bürgerliche, militärifche, kirchliche
Leben der Nation vermöge Zufammenftellung
authentifcher Stücke veranfchaulicht wird. Er
bezeichnete die der Idee des Direktors Cyrille
van Overbergh entftammende Vorführung der
Evolution der damaligen gefamten Kunftpro-
duktion als inftruktiv und vorbildlich. Auch die
Säle, in welchen die Entwicklung des Kupfer-
ftichs durch eine fyftematifche Nebeneinander-
ftellung von Blättern durch den Konfervator des
Kupferftichkabinetts R. van Baftelaer gezeigt
wird, feffelte das Intereffe des Kaifers. Bei Be-
trachtung der Gemälde der Rubenszeit, zu denen
er felbft drei Bilder beigefteuert hat, äußerte er,
es wäre zu wünfchen, daß die heutigen Künftler
die jener Periode fich zum Vorbilde nehmen
möchten.3 F. M.

DÄRMSTÄDT Freunde und Verehrer des
verftorbenen Baumeifters Alfred Meffel beab-
fichtigen diefem ein Denkmal in Form einer
Büfte zu errichten, die in dem von ihm erbauten
he|fifchen Landesmufeum aufgeftellt werden foll.

KÖLN Dem vor 3 Jahren verftorbenen Mu-
feumsdirektor Karl Aldenhoven ift kürzlich von
Freunden auf dem neuen Friedhof zu Melaten
ein Denkmal errichtet worden, das eine griechi-

1 Dr. Cohn bereitet eine ausführliche illuftrierte
Publikation über das gleiche Thema für den Cicerone
vor, die in einem der nächften Hefte erfcheinen wird.

Die Red.

- Ein Kommentar zu diefer Mitteilung ift überflüffig.

Die Red.

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