Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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VERMISCHTES

fche Stele mit Relieffiguren und einem Me-
daillonbildnis des Verftorbenen zeigt. Diefer
pofthumen Würdigung, der eine ergreifende
Feier voraufging, wird fich in Kürze auch die
Publikation des literarifchen Nachlaffes an-
fchließen, deffen Veröffentlichung demnächft im
Verlage von Klinkhardt & Biermann erfolgen
foll. Die Bearbeitung des Nachlaffes hat Dr. Ä.
Lindner in Breslau beforgt.

LONDON Im Parlamentsgebäude, und zwar
in dem den Lords zugewiefenen Teile, find foeben
mehrere Wandgemälde fertiggeftellt worden,
denen man mit gemifchten Gefühlen gegenüber
fteht. Die Ärt, wie fie endlich, endlich zuftande ge-
kommen, ift bezeichnend für die Pflege, die der
Kunft hier von den öffentlichen Behörden zu Teil
wird. Im Jahre 1840 wurde unter dem Vorflß des
Prinzgemahls eine Kommiffion eingefeßt, die
dafür forgen follte, daß im damals neuen Parla-
mentsgebäude .Kunftwerke aufgeftellt würden,
„um die Künfte der Malerei und Bildhauerei zu
unterftüßen.“ Man fchrieb ein paar Preife von
je „£300 aus, feßte einige Preisrichter, darunter
den bekannten „Fleifchmaler“ William Etty, ein,
und erkannte die Preife drei Malern, C. W. Cope,
E. Ärmitage und G. F. Watts, dem Maler-
propheten, zu. Watts großzügige Entwürfe zu
diefen Wandgemälden konnte man vor einigen
Jahren in der Äcademy in der Wattsausftellung
fehen. Man qing nun eifrig ans Werk, an dem
auch William Dy ce, ein Vorläufer derPrärafaeliten,
teilnahm. Die Royal Äcademy ftand fcheel zur
Seite. Sie betrachtete diefeÄrbeit als unwürdig
eines wahren Künftlers! Das fei „bloße Deko-
ration!“ Aus Mangel an Kenntnis der Fresko-
technik aber begannen die Arbeiten fchnell zu
verwittern. Was dem ganzen wohlgemeinten
Unternehmen jedoch ein vorzeitiges Ende be-
reitete, war der Tod des Prinzgemahls, des
einzigen Mannes in hoher öffentlicher Stellung
im damaligen England, der Intereffe und Freude
an der Kunft hatte und ein Gefühl für die Pflicht
diefe zu pflegen befaß, wie fie die Träger hoher
Würden haben müffen, foll die monumentale
Kunft gedeihen. Dafür hat man ihm dann das
barbarifche Denkmal vor der Albert Hall gefeßt!
Bis zu feinem Tode waren £ 4000 jährlich für
die Dekorationen des Parlamentspalaftes aus-
gegeben worden. Das hörte nun plößlich auf,
und die noch nackten Wände blieben einfach
nackt. Da nahmen fleh endlich einige reiche und
gutmeinende Mäcene, denen man hier noch
immer alles überlaffen möchte, der Sache an,
und fo find nun fechs neue Wanddekorationen
fertig geftellt worden. Es find: Das hiftorifche
Pflücken der roten und weißen Rofe im alten

Templegarten, Maler Henry Ä. Payne, (Stifter
Earl Beauchamp); Cabot empfängt den Freibrief
von Heinrich VII., Maler Denis Eden (Stifter Lord
Winlerftoke); Erasmus und Thomas Morus befu-
chen die Kinder Heinrichs VII. in Greenwich, Maler
Frank Cadogan Cowper (Stifter Earl of Carlisle);
Chatarina von Aragon vor dem Ehefcheidungs-
gerichtshof, Maler Frank O. Salisbury (Stifter
Lord Stanmore); Latimer am St. Paulskreuz vor
Eduard VI. predigend, Maler Erneft Board (Stifter
Lord Wandsworth); Einzug der Königin Marie
mit der Prinzeffin Elifabeth in London, Maler
Byam Shaw (Stifter Lord Äiredale). — Die Bilder,
die auf Leinwand gemalt find, etwa 10x8 Fuß
im Umfang, fchmücken den Korridor, der von
St. Stephen’s Hall zur Wartehalle führt. Vor-
läufig find fie noch nicht öffentlich zu fehen.
Die Maler find junge, z. T. noch wenig be-
kannte Künftler, die größtenteils reiche historißhe
Detailftudien geliefert haben. Mit Recht fragt
die „Morning Poft“, warum die bedeutendften
dekorativen Künftler, vor allem ein Frank
Brangwyn nicht zur Mitarbeit herangezogen
worden feien. F.

PÄRIS Demnächft wird im Pantheon auf An-
ordnung des Unterftaatsfekretärs der fchönen
Künfte die von Rodin gefchaffene Porträtbüfte
des Puvis de Chavannes ihre Äufftellung finden.
Ein zweites Denkmal wird der Schöpfer der be-
rühmten Fresken ebenfalls von der Hand Ro-
dins auf dem Plaße zwifchen der Sorbonne und
dem Cluny-Mufeum erhalten.

VENEDIG Im Albergo della Luna, wo An-
felm Feuerbach vor 30 Jahren geftorben ift,
foll demnächft eine Gedenktafel angebracht wer-
den. Es hat fleh kürzlich aus Verehrern des
Meifters ein Komitee gebildet, das die Mittel
zufammenbringt. Ein etwaiger Überfchuß aus
der Sammlung foll dem noch lebenden römifchen
Modell Feuerbachs, Frau Lucia Brunacci, zu-
fallen.

Die Frage der leihweifen Hergabe von
Kunftwerken, von der in diefem Blatte anläß-
lich des Brüffeler Feuers kürzlich die Rede war,
befchäftigt jeßt auch die neugegründete Abteilung
für Äusfteilungen im englifchen Handelsminifte-
rium. Man lädt nämlich Eigentümer von Kunft-
werken und Künftler zur Befchickung der großen
römifchen Kunftausftellung im kommenden Jahre
ein und betont dabei, daß alles nur mögliche getan
werden wird, um jede Gefahr einer Feuersbrunft
auszufchließen. Die Abteilung läßt felber ein
feuerficheres Gebäude errichten, das die eng-
lifchen Kunftgegenftände beherbergen foll. F.

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