Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DER KUNSTMHRKT —von den Auktionen

Bevorftehende Auktionen

AMSTERDAM Fred. Müller verweigert
vom 26.—29. Äpril Antiquitäten und Kunftwerke
aus der Sammlung F. Rattigan, M. J. Viehoff-
Haarlem u. a., unter denen hervorragende Delfter
Fayencen an erfter Stelle ftehen, darnach chine-
fifches und japanifches Porzellan, keramifche
Gegenftände, Möbel, Boiferien und Verwandtes.
Der Katalog ift mit guten Autotypien illuftriert
und enthält namentlich unter den Fayencen un-
gemein viel Feffelndes.

Am 27. April wird eine höchft intereffante
Folge von Tapifferien des 17. Jahrhunderts
verfteigert, die zu der berühmten Parifer Serie
„la Suite d’Ärtemin“ gehören, die als Zeichen
der Trauer von Katherina von Medici an Hein-
rich II. gewebt worden find. Der Katalog ent-
hält weitere Gobelins, darunter bemerkenswert
eine Waldlandfchaft (Nr. 5) vlämifchen Urfprungs,
die ebenfalls dem 17. Jahrhundert angehört.

BONN Peter Hanftein, Inhaber der FirmaMath.
Lempertz’ Buchhandlung und Antiquariat ver-
fteigert vom 26.-28. Äpril eine Sammlung von
Möbeln und Antiquitäten und einigen Gemälden
älterer und neuerer Meifter, insgefamt 746 Num-
mern. Unter den Werken der bildenden Kunft
begegnet man einigen nicht unintereffanten Schul-
bildern der holländifchen Malerei des 17. Jahr-
hunderts und einer Anzahl Kopien zum Teil
von Meiftern wie Tifchbein u. a.

FRANKFURT a. M. Die Münzenhandlung
Adolf E. Cahn in Frankfurt a. M. verfteigert
am 2. und 3. Mai d. J. die Sammlung Julius
Schräder, Feuerbach. Die 978 Nummern umfaf-
fende Kollektion enthält vorzüglich württem-
bergifche Münzen und Medaillen, darunter einen
fehr feltenen Goldabfchlag des Dreiers vom
Jahre 1690 (Nr. 342) aus der Münzftätte Fried-
berg, in der feit 1685 unter Graf Ludwig Guftav
gemünzt wurde, ferner eine goldene Medaille
in zwei Dukatengröße von Ludwig Guftavs Sohn
und Nachfolger Philipp Ernft auf feine und
feiner Vettern Erhebung in den Fürftenftand im
Jahre 1744 (Nr. 344). In einer zweiten Abteilung
(Allgemeiner Teil) verdienen befondere Beach-
tung ein Doppeldukat des Erzbifchofs Franz
Georg von Schönborn vom Jahre 1735 (Nr. 592)
der nach der Anmerkung des Katalogverfaffers
von den bisher befchriebenen Exemplaren völlig
verfchieden ift, eine Goldmedaille (5 Dukaten)
von 1761 auf die Erlangung der Kardinalswürde
Franz Chriftofs von Hutten von Speyer (Nr. 637)

ferner ein Äusbeutedukat des Grafen Hermann
von Haßfeld (Nr. 690).

Die Verfteigerung einer numismatifchen Bib-
liothek von ca. 100 Werken, deutfehes Münz-
wefen in Mittelalter und Neuzeit umfaffend,
fchließt fich an die Münz- und Medaillenauk-
tion an.

LONDON Am 3.-5. Mai wird bei Chriftie
eine gewählte Kollektion altitalienifcher Majo-
likas, Porzellans, Limoger Emaillen, Silber ufw.
verfteigert werden, die der verftorbene Octavius
E. Coope zufammengebracht hatte. Coope, der
als Brauereibefißer in Brentford lebte, hatte die
meiften feiner Stücke bei Chriftie innerhalb der
leßten dreißig Jahre erftanden, und viele ftammen
aus fo bedeutfamen Sammlungen wie der Ber-
nal, Fountaine, G. H. Morland, W. H. Hope,
Magniac und Ängerftein-Kollektion. Der allge-
meine Standard der Coope-Kollektion foll ein
außerordentlich hoher fein. — Am 23.—27. Mai
werden Meffrs. Sotheby die in ihrer Art einzige
Gardner-Sammlung Londoner Blätter zur Ver-
weigerung bringen. Diefelbe umfaßt ca. 50000
Stücke, die Ältlondoner Szenen, Charaktere ufw.
fchildern. Man hatte verfucht, diefe Sammlung
als ein Ganzes zu verkaufen, um fie vor der
Äuflöfung zu bewahren. Leider fand fich kein
Käufer, und nicht einmal eine der öffentlichen
Körperfchaften Londons konnte fich dazu auf-
fchwingen, diefen Schaß der Öffentlichkeit für
alle Zeiten zu wahren. Eine Lebensarbeit wird
fo in alle Winde zerftreut. F.

MÜNCHEN In der Galerie Helbing ge-
langt am 2. Mai die Uhren-Sammlung aus dem
Nachlaffe des Königl. Rates B. Rofenfeld f,
Wien zur Verweigerung. — Es dürfte wohl zu
den Seltenheiten zählen, daß eine derartige
Spezialfammlung dem Äuktionsmarkt zugeführt
wird und wird diefelbe daher ficherlich das größte
Intereffe weitefter Liebhaber- und Sammlerkreife
erregen. Der von der Firma Hugo Helbing her-
ausgegebene Äuktionskatalog enthält reichftes
und forgfältig ausgewähltes Äbbildungsmaterial;
auch auf den Text ift fehr viel Mühe verwendet
worden. Die Sammlung umfaßt in erfter Linie
goldene Tafchen- und Änhängeuhren vorwiegend
des 18. Jahrh.; unter diefen feien vor allem die
prächtigen Louis XV. und Louis XVI. in getrie-
benen Goldemail-Bildern (Damenporträt, hiftori-
fche und mythologifcheSzenen,Landfchaften ufw.)
verfehenen Uhren erwähnt, und bilden leßtere
eine fortlaufende Reihe von der Louis XV. und
Louis XVI. Epoche über das Directoire und Em-
pire bis in die fpäte Biedermeierzeit. Audi glatte

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