Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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NEUERWERBUNGEN DES KUNSTGEWERBE-
MUSEUMS der städt Köln im letzten

JÄHRE Mit 6 Abbildungen

Das wertvollste Stück ift ein mittelalterlicher
Wirkteppich mit der Gefdhichte einer Jung-
frau, die umherwandert, um die Treue zu
fuchen. Die Erzählung ift in fünf Darftellungen
wiedergegeben; die Jungfrau ift dabei jedes-
mal einem Partner gegenübergeftellt, mit dem
fie fich unterredet. Durch Schriftbänder wird
diefes Gegenfpiel von Rede und Gegenrede
verdeutlicht. Äußer diefem literarifchen haben
die Schriftbänder auch einen kompoßtionellen

Zweck, da fie dazu beitragen müffen, die figür-
liche Szenerie zu einer Einheit zufammenzu-
fchließen. Im übrigen bietet die Kompofition
des Teppichs nichts Neues. Der Wirktechnik
entfprechend bilden die einzelnen Figuren ein
lockeres Nebeneinander auf Gras und Blumen
bedecktem Grunde, aus dem hohe Blütenftauden
emporwachfen. Ein Gegenftück zu diefem Tep-
pich befindet fich in London im South Ken-
fington Mufeum.

Kreuzplatte aus der Werkftatt des Rogerus
von Helmershaufen, Änf. 12. Jahrh.

Kunftgewerbemufeum,

Köln

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