Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN ° DENKMALPFLEGE

Hanau, Hauftein, Herting, Hoffacker, Hoffmann-
Magdcburg, Holbein, Hupp, Hübner, Jourdan,
Kalkreuth, Eugenie Kaufmann, W. Klein, Erich
Kleinhempel, Kleukens, Max Klinger, Gebr. Kling-
fpor, Koch, Kreis, Kufche, Paul Lang, B. Löffler,
Kunftgewerbe- und Handwerkerfchule Magde-
burg, (Klaffe Prof. Nigg), Magnuffen, Oberle,
Pankok, Paufchinger, Pfann, Pfannftiel, Pfeifer-
München, Prack, Propp, Ernft Riegel, Schiller-
Leipzig, Schneidler, Schmid-Pforzheim, Schmoll
von Eifenwerth, Schönauer, Simons, Steinger-
Prag, R. Stöcker, Stoeving, Ubbelohde, van de
Velde, Vierthaler, Weidenmeyer, Wieynk, Wun-
derwald, Zeidler u. a. Der Befuch der Rusftellung
ift ein fehr reger.

ZÜRICH Die Eröffnungsausftellung des ZÜR-
CHER KUNSTHÄUSES ift von nahezu zwei-
hundert Künftlern mit über fünfhundert Werken
befchickt. Es können alfo hier nur ein paar
hervorragende Namen kurz erwähnt werden.
Ferdinand Hodler, der der neuen Zürcher
Galerie die entfeheidende Note gibt, ift auch in
diefer Rusftellung mit typifdren Werken ver-
treten. Seine „Sterbende Frau“, der „Frauen-
kopf“ und anderes zeigen eine zwingende Kraft
der Linie. Intereffant, wenn auch als Problem
nicht einwandfrei, ift die Reduktion des Berner
Bildes „Der Tag“ auf drei Figuren. — Cuno
Rmiet gibt immer mehr Vorwürfe für Teppidie
und Glasgemälde, die nur den Fehler haben,
Tafelbilder vorftellen zu wollen. Mit wachfen-
der Meifterfchaft beherrfcht Giovanni Giaco-
metti Farbe und Linie. Valloton zeigt fich
in feiner ganzen Kraft als Zeichner und als
Colorift; auch Burnand ift mit feiner farbig und
meift auch linear wohl abgeftimmten Kunft ver-
treten. W. L. Lehmann hat von feinen weit-
räumigen Landfchaften ausgeftellt, Adolf Tho-
mann kraftvolle Bauernbilder, Friß Burger
lebendige Bildniffe. Ruch W. Balmer und
Caspar Ritter find als Porträtiften da. Max
Buri erweift fich wieder als origineller etwas
robufter Könner, Boß und Cardinaux als
kräftig charakterifierende Landfehafter. Rlbert
Welti zeigt einen groß aufgefaßten Mofaik-
entwurf und Carlos Schwab eine myftifche
Dichtung in Farbe. Von ganz eindringlidier
Modellierung find die Bildniffe Ernft Wüten-
bergers, der feine Vorwürfe entfehieden in-
dividuell zu behandeln weiß; eine eigene, man
möchte fagen fchweizerifche Handfchrift führen
auch Friß Widmann und E. Stiefel während
Righini von franzöfifchen Einflüffen nicht frei
wird. Rudi Emmenegger bringt keine Werke,
die fich durch befondere Erfindungsgabe oder

Sehweife auszeichnen. Optifche Probleme —
wohlgemerkt ungelöfte — die er, audi Trach-
fel, Hermanjat und andere gelentlich bieten,
gehören eigentlich nicht in eine Rusftellung. —
Aus der kleinen kunftgewerblichen Gruppe feien
die gefchmackvollen Arbeiten von Lilly Gull
befonders erwähnt. — Von den Plaftikern nennen
wir den herb und wahr charakterifierenden
Johann Boffard; Karl Burckhardt, deffen
entfehieden plaftifche Begabung fich noch den
eigenen Weg wird fuchen müffen. Hermann
Haller, der überall eine auf das Typifche und
Große gehende Auffaffung verrät; Nieder-
häuf er n, der wie immer den Stein meifterhaft
bearbeitet, Hugo Sieg wart mit feinen perfön-
lidi gefehenen kraftvollen Vorwürfen. Von den
Münchnern ift auch Ruguft Heer vertreten, der
wie Walter Mettler nicht immer der Gefahr
des akademifch Korrekten aus dem Wege geht.
Auch Eduard Zimmer mann bekundet keine
auffallend ftarke perfönliche Note. Virtuofes
Können verbunden mit wenig kultiviertem Ge-
fchmack zeigt Kißling etwa mit feiner „See-
rofe“; Paul Oßwald, auch ein Züricher, model-
liert fehr lebendig und wirkungsvoll.

Im Juli wird diefe Rusftellung, die fich eines
außerordentlich guten Befuches erfreute, dem
Schweizer Salon Raum machen. Diefe Über-
ficht über das gefamte Kunftfchaffen in der
Schweiz nimmt noch größere Dimenfionen an
als der Salon in Bafel 1908. Es muß leider auch
ein Teil der hiftorifchen Sammlung im Zürcher
Kunfthaus ausgeräumt werden um für die Bilder-
fülle ein genügendes Unterkommen zu finden.

J. C.

DENKMALPFLEGE

HEIDELBERG Durch faft einftimmigen Be-
fchluß der zweiten badifchen Kammer wurde die
Forderung der Mittel zum Aufbau des Heidel-
berger Schloffes wiederum abgelehnt, und da-
mit die Erhaltung des Baues in feinem gegen-
wärtigen Zuftand gefiebert. W. F. St.

ULM Der Ulmer Kirchengemeinderat befchloß
in feiner Maifißung, von der vielerörterten Re-
ftaurierung der Kargnifche Hans Multfchers im
Münfter abzufehen. Multfdiers kunfthiftorifch
und künftlerifch fo bedeutendes Frühwerk wird
in feinem bisherigen Zuftand unverändert er-
halten bleiben; höchftens wird dieNifche wieder
mit Flügeln verfchloffen werden, über deren Be-
malung noch kein Befchluß gefaßt ift. B m.

Der Cicerone, II. Jahrq., 12. Heft. 33

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