Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

Page: 28
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1910/0051
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SAMMLUNGEN ° AUSSTELLUNGEN

find vertreten die Stuttgarter Radierer Alex.
Eckener und Hans Bartelmeß, fowie die Weimarer
Holzfchneiderin Marg. Geibel. Äufmerkfamkeit
verdienen die Radierungen des Amerikaners Sion
Wenban (f 1897). Von Gefchenken find her-
vorzuheben: vier aquarellierte Rundmedaillons
mit Darftellungen der klugen und thöriditen
Jungfrauen von Overbeck — von Frl. Bettina von
Ringseis der Sammlung überwiefen — eine Reihe
von Figurenftudien von Franz Simm-München
— ein Gefchenk des Künftlers —, endlich 7 Zeich-
nungen von Carlos Grethe-Stuttgart — von
Herrn Dr. M. Berolzheimer gefchenkt, der auch
mehrere reizvolle Skizzenbücher von Carl Spig-
weg überwiefen hat.

Der 2. Saal enthält als 5. Serie der Gefamt-
folge eine überfichtliche Zufammenftellung des
geftochenen Werkes Martin Schongauers. Neben
den Originalen find einige Proben von Nadi-
ftichen zur Äusftellung gebracht, ferner Werke
von verfchiedenen Nachfolgern.

NÜRNBERG Das Germanifche Na-
tionalmufeum hat aus dem Nachlaß des
Kommerzienrates Kahlbaum in Berlin eine be-
deutende Münzen- und Ältertümerfammlung als
Vermächtnis erhalten. Die Münzfammlung (etwa
4000 Gold- und Silbermünzen) gibt ein Bild der
Entwicklung des Geldwefens der meiften euro-
päifchen Staaten und Städte, nnter den Alter-
tümern find die Zinnfachen (124 Stück) wertvoll.
Diefelben ftammen großen Teils aus dem Eigen-
tum der Wismarer Zünfte.

Paris Alexandrine Grandjean, die im Älter
von 84 Jahren ftarb, hat ihr Haus in der rue
Courcelles und ihre Elfenbein-, Bronzen-, Por-
zellan-, Silber-, Email- und Möbel-Sammlungen
dem franzöfifchen Staate vermacht mit der Be-
ftimmung, daß ihr Haus öffentlich zugänglich
gemacht und als Mufeum eingerichtet wird.

Die dem franzöfifchen Staat vermachte Samm-
lung Piet-Lataudrie, die bereits durch ver-
fchiedene Provinzmufeen gereift ift, ift zurzeit
im Louvre ausgeftellt; sie ift bekannt durch
äußerft feltene Gegenftände der perfifchen, ita-
lienifdien, fpanifchen und franzöfifchen Klein-
kunft vom 12. bis 16. Jahrhundert. Nach Schluß
diefer Äusftellung werden die einzelnen Gegen-
ftände an den einzelnen Mufeen verteilt, denen
der Befiger fie zugefprochen hat.

Franzöfifche Soldaten wurden neuerdings an
den Sonntagen von Fachleuten durch die Parifer
Mufeen geführt. G.

ST. LOUIS Das Germanifche Mufeum der
Harvard-Univerfität hat kürzlich von dem Braue-

reibefiger Bufdi in St. Louis 150 000 Dollar für
einen Neubau gefchenkt erhalten.

STUTTGART Kgl. Mufeum der bildenden
Künfte. Neuerwerbungen: Simon de Vlieger,
Marine; Hetfch, Studie zur Himmelfahrt; Wolff-
Filfeck, Interieur; Puts, Dame in Grau; Rei-
niger, Fränki fche Hochebene b ei Scheffach, Haupt-
bild aus der leisten Epoche des Künftlers. B—m.

AUSSTELLUNGEN

ALLGEMEINE STÄDTEBAU-AUS-
STELLUNG BERLIN 1910. Am 15. De-
zember find auf den unter Mitwirkung derGemein-
den und Landkreife Groß-Berlins ausgefchriebenen
Wettbewerb zur Gewinnung eines Grundplanes
für die künftige Bebauung Groß-Berlins 25 Ent-
würfe eingereicht worden. Da ihre Beurteilung
und Sichtung etwa drei Monate erfordern dürfte,
wird man das Refultat und die öffentliche Äus-
ftellung diefer für das wirtfchaftliche Leben und
die organifche Geftaltung Berlins überaus wich-
tigen Pläne im Frühjahr erwarten können. Diefe
Konkurrenzentwürfe follen nun — es ift das
Verdienft Otto Marchs, gegen große Hinderniffe
die Idee realifiert zu haben — den Kern einer
umfaffenden Äusftellung bilden, die im Mai und
Juni in der Königl. Akademie der Künfte ftatt-
finden wird und die einen Überblick über die
Beftrebungen unfererZeit, Deutfchlands und frem-
der Länder, auf dem Gebiet des Städtebaus nach
feiner fozialen, hygienifchen und künftlerifchen
Seite geben foll. Eine folche Veranftaltung wird
die Kraft haben, neue und fchöne Gedanken der
modernen Stadtbaukunst in fefte Maximen um-
zubilden und ein Gewiffen für ihre Forderungen
den Bürgern zu imputieren, die heute kaum be-
greifen, welche größten Güter hier gewonnen
oder vertan werden. Gerade in Berlin wird es
einem weh ums Herz, wenn man erleben muß,
wie intereffelos die charaktervollen Züge der
Stadtphyfiognomie ausgelöfcht werden. Daß wir
aber uns mit und feit Camillo Sitte zu einer
eigenen, fchönen Geftaltung unferer Städte durch-
gearbeitet hätten, ift ein Wahn. Ich finde keine
Beziehungen zwifchen der klaren Raumausbil-
dung unferer Innenarchitekten wie Paul, Behrens,
den klaren Baukuben eines Meffels, Hoffmanns
und dem „malerifchen Städtebau“. Städtebauen
aber heißt, legte Konfequenz und Einheit des
architektonifchen Geftaltens finden.

Gegenftand diefer Äusftellung wird der Städte-
bau in feinem vollen Umfang fein: Stadtpläne
und Stadterweiterungspläne, Induftrieanfiedlun-
gen, Landhausviertel, Gartenftädte und Regu-

28
loading ...