Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

Page: 27
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1910/0050
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SAMMLUNGEN

Rottmanns, und endlich die Tierbilder von
Karl Kunß und Karl Roux. Die modernen
Bilder ftammen zum größten Teile aus den Er-
werbungen und Schenkungen der Jubiläumsaus-
ftellung 1906. Hier find die Namen Äman-
Jean, Eugen Bracht, Ä u ft e n - B r o w n,
Hans Bühler, Ludwig Dill, Egger-Linz,
Friedrich Fehr, Rudolf Hellwag, Adolf
Holzel, Philipp Klein, John Laverg,
Lucie Simon zu nennen. Alles zufammen ein
buntes Gemifch, und troßdem, das wird jeder
Kenner rafch erfehen, ausgezeichnet geordnet
Daß die Beftände der ftädtifchen Kunftfammlung
— befonders nach der notwendigen Sichtung —
bei weitem nicht ausreichen würden, die aus-
gedehnten Räume des Haufes zu füllen, wußte
man von vornherein.

Es follten daher gleichzeitig mit der Wieder-
eröffnung zwei Ausheilungen in der Kunfthalle
veranftaltet werden, eine vom Kunftverein bereits
vor Jahresfrift angeregte und geplante Aus-
heilung von Werken aus hiefigem Privatbefiß
und eine andere von erftklaffigen Werken aus
dem Kunfthandel. Beide Ausheilungen wurden
feinerzeit, nachdem im Stadtrat darüber eine
Befchlußfaffung herbeigeführt worden war, in
der Preffe angekündigt. Dieser Plan hätte in
der Kunfthalle bei ihrer Eröffnung eine eigen-
tümliche Dreiteilung des Inhalts herbeigeführt:
Hier Beftände der Stadt, dort Befiß der Privaten
in der Stadt und dort endlich Ware des Marktes,
was die Stadt „hat“, was die Kunftfreunde haben
und was beide haben können! Leider mußte
von diefer ficher fehr inftruktiven und anregen-
den Konfrontation des verfchiedenartigen Befißes
in leßter Stunde abgefehen werden, da von
Seiten des Kunftvereins, der die Äusftellung der
Werke aus hiefigem Privatbefiß unternommen
hätte, stichhaltige Gründe für die Zweckmäßig-
keit der Verfchiebung diefer Äusftellung auf
eine günftigere Jahreszeit geltend gemacht wur-
den. Die Leitung der Kunfthalle fah fich in-
folgedeffen auf die Veranftaltung des anderen
Teiles ihres Programms, nämlich der Äusftellung
von erstklaffigen Werken aus dem Kunfthandel
befchränkt.

Es wurden nun bei der Eröffnung der Kunft-
halle etwa hundert käufliche Meifterwerke von
Künftlern des 19. Jahrhunderts vorgeführt, eine
Sammlung wie fie nicht allzuhäufig zu fehen fein
dürfte. Leider wird die Veranftaltung nur von
kurzer Dauer fein können, denn wirklich her-
vorragende Stücke auf längere Zeit dem Kunft-
handel zu entziehen, ift ein Unterfangen, das
befonders im Augenblick des Saifonbeginns zu
den fchwerften Dingen gehört. Die Äusftellung
kann deshalb nur bis Ende Januar geöffnet blei-

ben. Sie enthält Werke vonBoecklin, Feuer-
bach, Leibi, Liebermann, F. v. Raisky,
Thoma, Trübner, Zügel, ebenfo eine Reihe
von größtenteils bis jetzt in Deutfchland noch
nie ausgeftellten Bildern von Delacroix, Dau-
mier, Corot, Courbet, Manet, Monet,
Renoir, Cezanne', Puvis de Chavanne,
Decamps u. a. Abgefehen von ihrer pro-
grammatifchen Bedeutung, abgefehen ferner von
den Genü|fen,die fie zur Feier der Wiedereröffnung
des Haufes vermittelt, wird diefe „Äusftellung
der Meifterwerke“ hoffentlich dazu beitragen,
daß ßdh im Bewußtsein der ganzen Mannheimer
Bevölkerung der Wunfch festsetzt, es möchten
unferem Mufeum recht bald viele und bedeutende
Meifterwerke einverleibt werden. Das wäre
dann eine wohlgelungene „Weihe des Haufes“.

Ä. L.

MOSKAU Die dem Hiftorifchen Mufeum von
deffen ehemaligem Leiter, dem im vorigen Jahre
verdorbenen Archäologen, Kunfthiftoriker und
Hiftoriographen der Stadt Moskau, M. J. Sabje-
lin, vermachte ruffifche Handfchriftenfammlung
ift jeßt von einer Reihe von Spezialiften geprüft
und abgefchäßt worden. Die Sammlung, die
ca. 1000 Nummern zählt, repräfentiert einen
Wert von über 22 000 Rubel und enthält unge-
mein feltene altruffifche Kultur- und Gefchichts-
denkmäler, fowie auch zahlreiche Miniaturen.
Die Witwe Sabjelins hat dem genannten Mufeum
einen Fond von 100 000 Rubel zugewiefen, für
weitereErwerbungen undErforfchung altruffifcher
Kunft- und Kulturdenkmäler. P. E.

MÜNCHEN Neuerwerbungen der neuen
Pinakothek: Schuch,Äpfelstilleben und Wald-
landfchaft; F. Ä. von Kaulbadi, Blumenftück;
Samberger, Bildnis des Prof. Bradl; Ä. von Keller,
Interieur; von Pofchinger, M. Schmid, G. Beda,
Landfchaften; Landenberger, Badende Knaben;
Becker-Gundahl, Drei Zeichnungen; Blecker, Por-
trätbüfte. — Diefe Erwerbungen find vor dem
Eintritt Tfchudis von der Kommiffion gemacht
worden.

In der Königl. Graphifchen Sammlung
find zurzeit zwei neue Ausheilungen veranftal-
tet. Die eine umfaßt graphifche Blätter neue-
rer Meifter, zumeift Erwerbungen des leßten
Jahres. Neben mehreren wohlbekannten Werken
von Otto Greiner-Rom, Lithographien von Friß
Boehle-Frankfurt und Zeichnungen des erft durch
die diesjährige Sezeffionsausftellung bekannt ge-
wordenen Karlsruhers Hermann Braun (f) fallen
die Arbeiten einiger jüngerer Münchner Künftler
wie E. L. Euler, Max Mayershofer, Daniel Stachus
auf. Von auswärtigen deutfchen Graphikern

27
loading ...