Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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KLEINE NACHRICHTEN ° NEUE KATALOGE

Einfarbige oder bedruckte, gewirkte Teppiche:
Allgemeiner Tarif 83 fs.; Minimaltarif 55 fs.

Einfarbige oder bedruckte, geknotete Tep-
piche: Allgemeiner Tarif 68 fs.; Minimaltarif 45 fs.

Alle anderen Teppiche: Allgemeiner Tarif

120 fs.; Minimaltarif 80 fs. O. G.

EIN VERKAUFTER FRANS HALS

Einen Rekordpreis hat jüngft das durch Vermitt-
lung der Firma Du veen Brothers für 500000Dollar,
alfo über zwei Millionen Mark, an den New-
Yorker Milliardär Otto Kahn verkaufte Grup-
penbild des Künftlers erreicht. Das Bild war
vor einigen Jahren in der Äusftellung alter Meifter
in der Royal Academy zu London zu fehen. Der
leßte Befißer war ein englifcher Oberft, deffen
Familie das Gemälde bereits feit 1759 befaß. Der
beneidenswerte neue Eigentümer hat fich ent-
fdiloffen, das koftbare Kunftwerk zunächft im
Metropolitan Mufeum in New-York auszuftellen.

HAAG Einige der bedeutendften holländifchen
Zeitungen brachten kürzlich die Notiz, daß Dr.
Ä. Bredius feinen Ä. v. d. Neer für 1000000 frcs.
an einen Amerikaner verkauft habe, und von
diefem Geld ein befonderes Mufeum für feine
Sammlung zu bauen beabfichtige. Damit das
unbegründete, nun bereits dementierte Gerücht
des Gemäldeverkaufs im Auslände nicht zur
Tatfache wird, bemerke ich hierzu, daß Dr. Ä.
Bredius kein Bild verkauft hat. K. E.

LONDON Der ältefte Teilhaber der French
Gallery (Messrs. Wallis), Mr. Thomas Wallis
ift aus der Firma ausgefchieden, weshalb ein
Teil ihres Bilderbefißes bei Chrifties zur Ver-
weigerung gelangt. Die jeßt von dem Sohne
des Äusgefchiedenen in Verbindung mit Mr. W.
L. Peacock und Mr. Croal Thomfon, dem beften
hiefigen Kenner der Barbizon- und neuen nieder-
ländifchen Schule, fortgeführte Firma ift befon-
ders durch ihre Käufe und Verkäufe von Werken
der Barbizonfchule berühmt geworden. Mr.
Wallis z. B. verkaufte Corots „Le Lac“ nach
Amerika für £ 18 000. F.

NEW-YORK Corots wohlbekanntes Ge-
mälde „Der Fifcher unter Bäumen“ erzielte hier
auf einer Auktion 402 500 fs. Das Bild ift zwi-
fchen 1865 und 1870 gemalt und Anfang der
fiebziger Jahre von Durand-Ruel um 2000 fs.
erworben worden. 1880 verkaufte Durand-Ruel
es für 20 000fs. an Fop Smit in Rotterdam, von
dem er es im Jahre 1889 für 60 000 fs. zurück-
kaufte, um es für 120 000 fs. an den amerika-
nifchen Sammler Yerkes wiederzuverkaufen, der
jeßt dafür die oben genannte Summe erzielte.

Das ift der höchfte Preis, der je für einen Corot
erzielt wurde. Bisher waren 231000 fs. der
höchfte Preis, für den 1902 Corots „Gardafee“
verfteigert wurde. O. G.

NEUE KÄTÄLOGE

Bei Karl Ernft Henrici, Berlin W 35, ift
foeben Katalog Nr. 6 erfchienen, der eine Aus-
wahl fchöner dekorativer Porträts anbietet, dar-
unter feltene hiftorifche Schabkunftblätter und
Farbftiche. Der Katalog enthält 641 Nummern
und ift durch 32 Abbildungen auf befonderen
Tafeln illuftriert. Er gibt in feiner Zufammen-
ftellung ein hiftorifch wertvolles Stück neuzeit-
licher Vergangenheit befonders aus der Epoche
Napoleons I. und der ihr nachfolgenden Zeit
der Reaktion. Er behandelt ebenfo die Ge-
walten und Ereigniffe der großen politifchen Ge-
fchichte wie das künftlerifche Leben Europas in
der zweiten Hälfte des 18. und der erften Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Die Reihe jener Porträts,
die den prominenten Erfcheinungen diefer Zeit
gelten, wirkt wie eine lebendige Illuftration zu
der kulturgefchichtlichen Entwicklung jener in
Menfchheitsentwicklung befonders fchwer wie-
genden hundert Jahre. Es kann an diefer Stelle
nicht auf die vielen befonders bemerkenswerten
Raritäten hingewiefen werden, die der Katalog
unter anderen weniger wertvollen Stücken ver-
zeichnet. Der Sammler wird manches ihn per-
fönlich Intereffierende entdecken und auch den
Eindruck gewinnen, daß die Preife im ganzen
mäßig find. Als Proben verweifen wir auf die
hier reproduzierten Abbildungen.

Bei C. H. Mincieux, Paris, 7, Rue Rofa-
Bonheur, ift foeben der Katalog 29 (Preis 1 M.
erfchienen mit einem reichen bibliophilen und
künftlerifchen Inhalt, insgefamt 830 Nummern
mit 70 Reproduktionen. Darunter find eine An-
zahl wertvoller Handfchriften und Calendarien
aus verfchiedenen Jahrhunderten zu notieren
und unter den Seltenheiten der frühdeutfchen
Buchkunft darf z. B. ein Exemplar der für den
Weißkunig beftimmten Holzftöcke Burgkmairs
befonders hervorgehoben werden. Erwähnens-
wert ift auch die Abteilung Äuthographen, für
deutfche Sammler nicht minder intereffant eine
Anzahl von Anfichten aus Berlin und Potsdam
in Original-Aquarellen von Delkeskamp. Nicht
vergeffen fei endlich die etwa 20 Nummern zäh-
lende kleine Rubrik „Goethe“ mit ihren pracht-
vollen Ausgaben des Jungen Werther ufw. An
Reichhaltigkeit und Abwechslung läßt gerade
diefer gefchmackvoll ausgeftattete Katalog nichts
zu wünfehen übrig.

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