Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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Von O. BIESEBIETEH, Oldenburg

ZERBSTER FÄYENCEN

Mit 10 Abbildungen, davon 2 auf einer Tafel

In feinem ausführlichen Auffatj „Die keramifdie Induftrie im Herzogtum Anhalt wäh-
rend des 18. Jahrhunderts“, Deffau 1905, hat uns Profeffor Dr. W. Stieda, der um
die Gefchichte der alten deutfchen Fayencefabriken verdienftvolle Forfcher, die Ent-
wicklung der alten Fayencemanufaktur zu Zerbft (1721—1861) gefchildert.

An fieberen Erzeugniffen der Fabrik glaubt Stieda nur fünf Stücke, die er ab-
bildet, nachweifen zu können: 1. zwei blau bemalte Teller mit dem anhaltifchen
Wappen, welche fich im herzoglichen Schlöffe zu Deffau befinden und auf der Rück-
feite die Bezeichnung „Zerbft“ und den Malerbuchftaben R tragen; 2. zwei ebenfalls
dafelbft befindliche Teller, Malerei purpurrot gemalter Vogel auf dunkelgrünem Zweig,
mit der Trockenmarke „Zerbft“ auf der Rückfeite; 3. einen Wandleuchter mit dem
anhaltifchen Wappen, derzeit im Palais Ihrer Königl. Hoheit, der verftorbenen Prinzeffin
Friedrich Karl in Berlin. Da es aber in Thüringen eine ganze Anzahl alter Fayence-
fabriken gegeben hat, erfcheint mir die Herkunft des leßtbezeichneten Stückes noch
unbewiefen.

Dagegen ift es mir gelungen, ein weiteres ficher Zerbfter Fabrikat zu entdecken
und zwar in der Sammlung der Frau Senator Laporte in Linden bei Hannover, eine
Terrine mit Deckel, die ich durch gütige Vermittlung des Herrn Mufeumsaffiftent
Dr. A. Brinkmann in Hannover in Abb. 1 wiederzugeben in der Lage bin.

GRUPPE I.

Die Form ift oval mit durchgehend gerippter Wandung, Reliefauflagen, Mufchel-
griffen und großer Deckelblüte. Die aufgemalten kleinen Blumenfträuße, Streublumen

Abb. 1

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