Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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FUNDE UND ENTDECKUNGEN ° PERSONALIEN

FUNDE ♦ ENTDECKUNGEN

HOLBEINFUNDE IN BASEL In der

Basler Univerfitätsbiblothek entdeckte Oberbib-
liothekarDr. C. Chr. Bernoulli ein großes Holz-
fchnittblatt (in zwei etwas abweichenden Exem-
plaren) vom Jahre 1534 datiert. Dr. Bernoulli
[teilte feft, daß diefes Blatt baslerifcher Herkunft
[ei und als bisher unbekannte Abbildung zu
Sebaftian Münfters „Canones super novum In-
strumentum gehöre. Wie H. Ko eg ler mit-
teilt, handelt es [ich um eine künftlerifch bedeu-
tende Arbeit von Hans Holbein d. J. Es ift eine
aftronomifche Tafel, zu der die erwähnten Ca-
nones die Erklärungen gaben. Fünf Kreistabellen
behandeln das Aftronomifche, der übrige Raum
zeigt Ornamente und ßgürliche Szenen. Das
zweite Exemplar des Blattes (Neue Ausgabe von
J. Parcus 1555) weift unter der aftronomifchen
Tafel (42 cm breit, 61 cm hoch) einen gleich
breiten anderen Holzfchnitt, einen Drachen, der
fchonl534 vorhanden war. Ob auch diefe Dar-
ftellung von Holbein ift, möchte Koegler noch
nicht entfcheiden. Auch die Perfönlichkeit des
Holzfchneiders ift noch nicht feftgeftellt. Lüßel-
berger, dem wir die Holbeinfchnitte von befter
Qualität danken, kommt zeitlich nicht mehr in
Betracht. — Die Blätter fchmücken jeßt den Äus-
ftellungsfaal der Bibliotek.

Ein bisher unbekanntes Signet (Metallfchnitt
von Jakob Faber) wurde von Paul Ganz Hol-
bein d. J. zugewiefen. Im Basler Kupferftich-
kabinett findet [ich das Signet auf dem Titel-
blatt des vierten Bandes von „Originis vita et
Opera latinitate donata“. Die Umrahmung ift
franzöfifchen Urfprungs, während das Signet die
für Holbein charakteriftifchen Architekturorna-
mente zeigt. Die Darftellung in der Mitte weift
die Köpfe eines Schafes, eines Löwen und eines
Wofes, deren Leiber von einer Schlange um-
wunden find. Eine aus Wolken herausgreifende
Hand würgt den Hals der Schlange. — Das Buch
erfchien in Paris in den Offizinen von Johannes
Parvus, Jodocus Badius und Conrad Refch um
1522. J. C.

ROM Vor einigen Tagen hat man an der via
Labicana bei der via Mecenate in der Nähe
der Titusthermen in einer Tiefe von neun Metern
eine ungefähr zwei Meter hohe, fehr gut er-
haltene Statue des Äuguftus als pontifex ge-
funden. Der Kopf der Statue ift, wie es oft
vorkommt, für [ich gearbeitet und keilförmig in
den Torfo eingelaffen. Jedenfalls ift es eines
der beften Porträts des Kaifers. Inzwifchen hat
fich fchon ein Streit zwifchen dem Minifterium

und dem Befißer Partini entwickelt, weil das
Minifterium darauf befteht, daß die Statue vor-
läufig ins Thermenmufeum gebracht werde.

L. P.

PERSONALIEN

BERLIN Der Senat der Technifchen Hoch-
fchule in Darmftadt verlieh dem Geh. Baurat
Otto March in Charlottenburg wegen feiner
Verdienfte um die Förderung des Städtebaues
die Würde eines Dr. ing. hon. causa. Svs.

Dr. W. Hermens, bisher Volontär an den
königl. Mufeen ift zum Affiftenten am Großherz.
Mufeum in Weimar ernannt worden. Svs.

MOSKAU Herr Nicolai J. Romanow, Privat-
dozent für Kunftgefchichte an der Moskauer
Univerfität, ift zum Konfervator der Gemälde-
galerie fowie fonftiger Kunftfammlungen des
Rumianßew-Mufeums ernannt worden. P. E.

Die Vorfißende der Moskauer Ärdiäologifchen
Gefellfchaft, Gräfin Praskowja Sergejewna
Uwarow, feierte das 25jährige Jubiläum ihrer
Tätigkeit auf diefem Poften und war aus diefem
Anlaß Gegenftand verfchiedenartiger Ehrungen.
Unter anderem wurde fie von den Moskauer
und Kiewer Univerfitäten, von der kaiferlichen
Akademie der Künfte zu St. Petersburg fowie
der Finnländifchen Ärdiäologifchen Gefellfchaft
zum Ehrenmitglied ernannt. Die Moskauer
Ärchäologifche Gefellfchaft ernannte die Gräfin
Uwarow zu ihrem lebenslänglichen Vorfißenden.

P.E.

MÜNCHEN Die Sezeffion erledigte vor
kurzem die jährlichen üblichen Ergänzungswahlen
in ihrem Äusfchuß. Hierbei wurde an Stelle des
bisherigen langjährigen erften Schriftführers, des
Malers Prof. Lehmann, der nach der Schweiz
übergefiedelt ift, Maler Rieh. Wintern iß als
erfter Schriftführer gewählt, als zweiter Schrift-
führer Bildhauer Prof. Bermann. M. K. R.

STUTTGART Zum Nachfolger Profeffor
v. Donndorfs an der Akademie der bildenden
Künfte in Stuttgart wurde Ludwig Habich, bis-
her Profeffor für dekorative Plaftik an der Tech-
nifchen Hochfchule dafelbft, zum Vorftand des
Stuttgarter Kunftvereins Hofphotograph Widen-
fohler ernannt.

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