Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DIE FALSCHEN SPANIER

MÄSSIMO STÄNZIONI, Sufanna im Bade Frankfurt, Städelfches Inftitut

der alten Bezeichnung „Ribera“ alle Ehre machte; wäre das Mu[eum finanziell daran
intereffiert gewefen, wie es ein Händler ift, fo würde es gezögert haben, den als richtig
erkannten neuen Namen wirklich anzunehmen. Und doch hat diefe Sufanna Vorzüge, die
wenige Bilder Riberas befißen; der Name Stanzioni bedeutete alfo in gewiffem Sinne
keine Herabfeßung, fondern eher eine Rehabilitierung.

Die Erkenntnis, daß die Wertakzente im 17. Jahrhundert ganz anders fißen als es
nach den üblichen Handbüchern und den jetzigen Marktpreifen fcheint, ift täglich im Wachfen
begriffen. Ich höre gelegentlich klagen, hervorragende Werke diefer fpäten Italiener feien
doch im Handel verhältnismäßig feiten. Ein Blick auf die Auktionskataloge könnte dem
Recht geben; es ift aber zu bedenken, daß einmal der notorifcheTiefftand derPreife viele
Befißer entmutigt, ihre Secentiften auszubieten und daß außerdem eine Reihe guter der-
artiger Ware unter fpanifcher Flagge fegelt.

Man tut gut, auf diefe „falfchen Spanier“ Acht zu geben. Sie find berufen, in der
Rehabilitierung des italienifchen Seicento eine große Rolle zu fpielen.

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