Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SAMMLUNGEN

ein halbes Duzend davon auf Lager haben,
höchft fatal. Der Reft der Proteftanten befteht
aus den auch in Italien leider nicht feltenen
Leuten, denen jede rege Tätigkeit überhaupt
widerwärtig ift. Es foll beim alten Schlendrian
bleiben. Das nennen fie „conservare le sacre
memorie“. H.

KÖLN Das WALLRÄF-RICHARTZ-MUSEUM
hat neuerdings wiederum eine Bereicherung er-
fahren. Durch Gefchenke kamen in den Befiß
der Sammlung: Wilhelm Trübners „Kentauren-
jagd“ aus dem Jahre 1880; Friß von Uhdes
„Mädchen im Garten“; ein Koftümbildnis von
Ädolf Münzer und Liefegangs „Leßte Sonne“.

MÄGDEBURG Das KAISER FRIEDRICH-
MUSEUM erweiterte feine Sammlung moderner
Gemälde um drei hervorragende Vertreter der
deutj’chen Malerei: Karl Schuch, Wilhelm Trübner
und Karl Haider. Von Schuch wurde ein Still-
leben „Wilde Enten“ erworben, bei dem das
fchwere Grau und Braun des Kolorits durch das
Grün der Kopffedern einen pikanten Gegenfaß
erhält. Bei Haider wirkt, wie immer, der lineare
Aufbau in dem „Frühlingsgewitter“ am ftärkften;
das Waldgebirge, in Kuliffen anfteigend, verliert
fich in dem fchwarzen Gewitterhimmel, während
die Wiefe im Vordergründe noch hell im Sonnen-
fehein leuchtet. Urfprünglich hatte Haider die
Landfchaft durch einen Regenbogen ftärker zu-
fammengefaßt, den er aber fchon Vorjahren ent-
fernte, wohl weil er koloriftifch zu aufdringlich
wirkte. Mit dem „Schottenjungen“ von Trüb-
ner hat das Mufeum endlich auch von diefem
großen Meifter ein bedeutendes Werk erworben.
Es fällt in die mittlere Schaffensart Trübners, in
der er noch ßaumig und weich modellierte; wun-
dervoll vor allem die Durchbildung der Fleifch-
partien in leuchtender Frifche. Das Intereffante
an dem Motiv ift die — wohl durch Velasquez’
„Spinnerinnen“ angeregte — Löfung des Pro-
blems, eine Menfchenfigur vor einen Figuren-
teppich zu ftellen und fie in Konkurrenz mit die-
fen Wefen zweiter Ordnung lebendig herauszu-
bilden. Das ift Trübner in meifterhafter Weife
gelungen; man weiß nicht, was man mehr be-
wundern foll: die Figur des troßigen Kerlchens,
die voll Leben fteckt, oder die Malerei des Go-
belins mit feinen zwiefach „dargeftellten“ Per-
fonen. Es gibt übrigens zwei Schottenjungen
von Trübner. Das Mufeum erwarb die zweite
Variation, bei welcher der Knabe feinen linken
Arm auf einen Lehnftuhl legt. P. F. Schmidt.

PÄRIS Das LOUVRE erwarb in leßter Zeit
eine archaifche Statuette, die Etienne Michon als

eine kretifche Skulptur des 7. Jahrhunderts an-
fpricht, ferner einen Frauenkopf, der unter dem
Namen Humphry Ward bekannt ift und als Werk
eines attifchen Meifters des zweiten Viertels des
5. Jahrhunderts gilt, ferner einen vorzüglich erhal-
tenen Jünglingskopf aus dem Anfang des 3. Jahr-
hunderts. Es ift fraglich, ob es ein Athleten-
haupt oder der Kopf einer Gottheit ift. Endlich
einen weiblichen Torfo, drapiert, in fchnellemLauf.
Der Hals ift fpäter aufgefeßt, der Kopf und die
Glieder fehlen. — Die Gemäldegalerie des Louvre
erhielt von der Gefellfchaft der Freunde des
Louvre das Bildnis eines Kindes in halber Figur,
dreiviertel nach links gewandt, bekleidet mit
einem weißen Kleid, deffen Stoff leicht vergoldet
ift. Die Identität des Themas, die Ähnlichkeit
derKoftüme und der Technik läßt Paul Leprieur
in diefem Porträt den Bruder des Dauphins Charles
Olant vermuten. Als Meifter kommen Perreal,
Bourdichon und ihr Kreis in Betracht.

Um der Feuersgefahr vorzubeugen, füllen alle
im Louvre wohnenden Beamten ausquartiert
werden.

Um die Jahreswende ift der Zentralkaffe der
Nationalmufeen aus dem Vermächtnis Äudeoud
eine Jahresrente von 240000 fs. zugefallen, fo
daß das Louvre jeßt, wie das Journal des Ärts
mitteilt,zufammen mit derftaatlichenUnterftüßung
und den Renten früherer Vermächtniffe für jähr-
liche Ankäufe über 1 500 000 fs. verfügt und formt
bei weitem das reichfte Mufeum der Welt ift.
Aus der Empireausftellung im Musee des arts
decoratifs erwarb das Louvre die Terrakottabüfte
der Madame de Verninac von dem Lyoner Bild-
hauer Chinard (1756—1813) für den Preis von
50 000fs., von der der deutfehe Kaifer für Pots-
dam kürzlich einen Gipsabguß beftellte.

Aus dem LUXEMBOURG - MUSEUM. Die
Koften für den Umbau des Seminaire St. Sulpice
zu einem Mufeum und für die Überfiedlung des
Musee du Luxembourg in diefes Gebäude find
jeßt von der franzöpfchen Kammer genehmigt
worden, fo daß demnächft mit dem Umbau be-
gonnen werden wird. In Parifer Künftlerkreifen
fragt man fich beforgt, ob die troftlofe Samm-
lung des Musee du Luxembourg in dem neuen
Haufe vollftändig aufgehängt werden foll. Wozu
dann der Umbau? O* G-

STRÄSSBURG i. E. Das hiefige KUNST-
GEWERBEMUSEUM läßt reinen Jahresbericht
für das Rechnungsjahr 1908 erfcheinen. Prof.
E. Polaczek beklagt das geringe Intereffe, das
Stadt und Land dem Mufeum entgegenbringen:
fo find die ftädtifchen Kredite im abgelaufenen
Jahre nicht erhöht, fondern verringert worden.

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