Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

die Stechowfche Sammlung nur eine kleine An-
zahl von Blättern, die letjterer noch fehlten, über,
fo daß alfo die ganze Engelmannfche Sammlung
nun eigentlich wieder zum Verkauf kommt. Seit
langer Zeit kommen hier wieder einmal die
fämtlichen Zuftände mit den fo gefuchten reizen-
den Randeinfällen von der Hand des Künftlers
auf den Markt, wie dies zum lefjtenmal vor 7
und 8 Jahren bei der Verweigerung zweier aus
der Familie des Künftlers ftammenden Samm-
lungen durch die Firma C. G. Boerner der Fall
war. Zwifchendurch ift von den gefuchten Blättern
nichts wefentliches im Handel gewefen. Im üb-
rigen enthält die Sammlung aber vor allem mit
Ausnahme von drei überhaupt nicht vorkommen-
den Blättern fämtliche Seltenheiten des Werkes:
den fogenannten Paffe Dix, den L’Hombretifch.
Hufaren und Mönche, die Blätter zu Leffings
Minna von Barnhelm, die Graufamkeit, die Wer-
thervignetten, die Berliner Modetorheiten, das
Bouquet de Maxime. Die bisher genannten find
alle fchon ein oder das andere Mal im leßten
Jahrzehnt im Handel vorgekommen; feit 20 und
mehr Jahren aber nicht ausgeboten wurden die
Blätter Minna von Barnhelm, die Schlitten-
fahrt, der Friede bringt den König wieder, die
Dame mit dem Muff; nicht zu vergeffen die
außerordentlich große Zahl von erften Zuftänden,
Abdrucken und anderen Seltenheiten und die
prachtvolle durchgängige Qualität aller Blätter
in unzerfchnittenen Abdrücken mit Rand. Der
Katalog wird gratis abgegeben.

Auf die dritte am 18. und 19. März ftattfin-
dende Auktion werden wir an Hand des Kata-
loges unter Beigabe zweier Illuftrationsproben
im nächften Heft zurückkommen.

MÜNCHEN Am 8. März beginnt in der
Galerie Helbing die Verfteigerung einer größeren
Bücherfammlung, in der Hauptfache der Biblio-
thek des verftorbenen Kultur- und Kunfthiftori-
kers Dr. Alwin Schulfe, daneben des Bücher-
nacblaffes desEnziklopädiftenConftantin Ritter
von Wurzbach-Tannenberg, Herausgebers
des öfterr. biograph. Lexikons, ferner einer klei-
nen Bibliothek aus fränkifchem Ädelsbefife, fo-
wie Beiträgen anderer Provenienz. Schuld war
einer der erften Forfcher, die den engen Zu-
fammenhang von Kunft- und Kulturentwicklung
klar erkannten und wie wenig andere hat er
beide Gebiete auch innerhalb feiner Bibliothek
liebevoll gepflegt. Wie es fich bei dem Autor
der Werke: „Das höfifche Leben zur Zeit der
Minnefänger“ und „Deutfches Leben im 14. und
15. Jahrhundert“ von felbft verfteht, ift die Li-
teratur über das Mittelalter, namentlich die fitten-
gefchichtliche, reich vertreten. Nicht minder um-

fangreich ift aber auch die Abteilung über die
Kulturgefchichte des 16. bis 18. Jahrhunderts.
Schulß hatte die Äbficht, das deutfche Kultur-
leben diefer Zeit in einer größeren Publikation
darzuftellen. Viel feltenes und wichtiges findet
fich unter der kulturgefchichtlichen Literatur des
19. Jahrhunderts. Kultur- und Sittengefchichte
umfchließt im vorliegenden Katalog die verfchie-
denften Manifeftationen des gefamten Lebens:
Quellenfchriften und Monographien zur äußeren
fogen. politifchen Gefchichte, Schriften über das
kirchliche Leben, zur Gefchichte des Rechtes und
des Wirtfchaftslebens, zur Gefchichte der Frauen,
der einzelnen Stände und Zünfte, der Wiffen-
fchaften und des Bildungswefens (Studentica),
fodann auch der fchönen Literatur, des Dramas
und des Theaters. Die Denkmäler der deutfchen
Literatur, des deutfchen Schaufpiels und die
deutfche Theatergefchichte find im Katalog be-
fonders aufgeführt, das englifche Theater (na-
mentlich Shakespeare) und das franzöfifche (na-
mentlich Moliere), fowie die italienifchen und
franzöfifchen Novelliften der Renaiffance find
unter die kulturgefchichtliche Abteilung einge-
ordnet. Auch Mufikgefchichtliches ift vertreten.
Die Gefchichte der bildenden Kunft war das
eigentliche Arbeitsfeld von Schult; und dem ent-
fprechen auch die reichen Beftände an Kunft-
literatur, die der Katalog aufzäht, namentlich
Kunftgefchichte Italiens, Deutschlands und der
flawifchen Grenzgebiete, fodann find Spezial-
arbeiten zur Gefchichte der graphifchen Künfte
vorhanden. So enthält dann der Katalog, der
von einem Schüler des verewigten Gelehrten, von
Dr. H. Schm erb er eingeleitet ift, gewiß für
Bücherfreunde aller Art und Intereffenten ver-
fchiedenfter Richtung des Bemerkenswerten, Be-
gehrenswerten genug. Derfelbe ift durch die
Firma Hugo Helbing, München, gratis zu be-
ziehen.

Verfteigerung der Sammlung H. C. Fah-
rig, Leipzig durch E. A. Fleifchmanns Hof-
kunfthandlung am 8. März. Die Verfteigerung
diefer bedeutenden Sammlung moderner Gemälde
wird nicht verfehlen, auch über München hinaus
die Käufer anzulodken, zumal die Sammlung
durchaus erftklaffig ift und für die Entwicklung
der Malerei der Münchener Schule bedeutende
Beiträge enthält. Im ganzen handelt es fich um
77 Nummern, unter denen Werke folgender
Meifter hervorragen: Andreas und Oswald Achen-
bach, Herrn. Baifch, G. von Bochmann, Anton
Braith, Jofef von Brandt, Gilbert von Canal,
Frz. v. Defregger, Karl Buchholz, Wilh. von Diez,
Eduard Grüt}ner, Fri§ Äug. von Kaulbach, H. G.
Kricheldorf, Jofef Wopfner, Ed. Kurzbauer, Adolf

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