Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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BEVORSTEHENDE AUKTIONEN

Sammlung von Kunftgegenftänden Antiquitäten
und Gemälden zum Verkauf. Von befonderem
Intereffe dürfte die zwar kleine aber durchweg
hervorragende Sammlung aus dem Nachlaffe
der Frau Pauline Stern f zu Stuttgart fein.
Hier begegnet man in der Kollektion von
deutfchem Silber des 17. und 18. Jahrhunderts,
einem fdiönen gebuckelten Pokal, Nürnberger
Arbeit, fowie einem folchen aus Ulm, ferner
einem feltenen dreifachen Änanaspokal, einer
Gothaer Arbeit. Unter den Möbeln fällt be-
fonders ein großer Kaftenfchrank ins Äuge mit
architektonifchem Dekor, Süddeutfchland, 17. Jahr-
hundert, fowie ein reicher Barock-Spiegel, der
die Bezeichnung Jacob Rühleh 1694 trägt. Fer-
ner möchten wir noch auf die guten Schweizer-
Glasgemälde, die Sammlung gefchlif-
fener Gläfer fowie die orientalifchen
Porzellane befonders hinweifen. Bei
den Gemälden befinden fich nieder-
ländifche Porträts des 17. Jahrhun-
derts, fowie ein dem Lucas Cranach
d. Alt. zugefchriebenes Doppelfrauen-
bildnis der Judith und ihrer Dienerin.

Auch die zweite Abteilung enthält
eine Reihe von guten Kunftwerken
fo namentlich einen fchönen gefchnitte-
nen niederländifchen Überbaufchrank
des 17. Jahrhunderts, einen Barock-
rahmen, treffliche Arbeiten in Holz,

Elfenbein, Porzellan, Glas und Metall,
römifche.fränkifche Altertümer, Orient.
Kunftgegenftände ufw.

LUZERN Eine bemerkenswerte
Äntiquitätenverfteigerung findet durch
die Vermittlung von Hugo Helbing-
München am 6. Juni und folgende Tage in
Luzern ftatt. Herr J. Boffard, der fein Ge-
fchäft aufgibt, bringt feine bekannte, feit 1868
gefammelte Kollektion zur Verweigerung. Die
Lifte verzeichnet: fämtliche Möbel, Waffen,

Scheiben, Siibergegenftände, Porzellane, Zinn-
fachen, Bronzen ufw. Vor der Auktion findet
eine Gefamtausftellung im Haufe des Eigen-
tümers ftatt. Diefes Haus an der Weggisgaffe,
am Ende des 16. Jahrhunderts erbaut und 1770
teilweife erneuert, ift eine Sehenswürdigkeit
Luzerns und wird gleichfalls verkauft werden. C.

MÜNCHEN Bei Hugo Helbing findet am
6. April die Auktion der Äntiquitätenfamm-
lung H. G. Gutekunft (Stuttgart) ftatt.

Der aus Anlaß diefer Auktion bei genannter
Firma erfchienene 479 Nummern umfaffende
Katalog enthält ein reiches Äbbildungsmaterial,
das den Inhalt der Sammlung entfprechend er-

läutert. Den Eingang bilden die keramifchen
Arbeiten, hier wieder in erfter Linie die Kreußner,
Siegburger und Naffauer Krüge. Dann folgen
als Hauptbeftandteil diefer Abteilung die Por-
zellane. Daß in einer Württemberger Sammlung
das Ludwigsburger Fabrikat vorwiegt, ift leicht
erklärlich und fo fei u. a. auf die große Gruppe,
Simfon den Löwen erwürgend (Nr. 28), ein Mo-
dell von größter Seltenheit, auf die drei Grazien,
die verfchiedenen Kavaliere, Schäfer und Schäfe-
rinnen, die Putten und die reizende Liebes-
gruppe (Nr. 33a) befonders aufmerkfam gemacht.
Auch die zahlreichen Gefäße deutfcher Manu-
fakturen verdienen Erwähnung. Unter den Ar-
beiten in Glas müffen vor allem die beiden
prächtig in bunten Emailfarben bemalten Pokale

von 1606 nnd 1610 (Nr. 73 und 74), fowie das
von einem Bronze-Eber getragene Kelchglas
(Nr. 78), aus der Familie Eberz, Ifny- Lindau
ftammend, hervorgehoben werden. Die Arbeiten
in Edelmetall und die Schmuckgegenftände bilden
eine ftattliche Reihe: Zwei vorzügliche Augs-
burger Deckelpokale des 16. Jahrhunderts (Nr. 90
und 91), ein fchöner Nürnberger Henkelkrug des

16. Jahrh. (Nr. 94), ein Regensburger und ein
Nürnberger Stollenbecher des 17. Jahrh., eine
prächtige getriebene Platte, ebenfalls des

17. Jahrh., intereffante Niellen, hübfcheNeceffaires,
Flacons, reizvolle Anhänger und in erfter Linie
die reiche Kollektion von Ringen, welche mit
römifchen und frühchriftlichen Arbeiten beginnend
bis hinauf ins Ende des 18. Jahrhunderts und
die Biedermeierzeit führen, werden ficherlich das
Intereffe vieler Sammler erregen. Daran an-
fchließend bringt der Katalog antike Bronzen,
auf diefe folgen Arbeiten in verfchiedenem Me-

Kopf der Aphrodite. (Antike Bronze)

Sammlung H. G. Gutekunft, Stuttgart

Äuktion in der Galerie Helbing, München, am 6. Äpril 1910

Der Cicerone, II. Jahrg., 6. Heft. 16

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