Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SCHWERTKNAUFE DER RENAISSANCE

Gebrauchswaffen, fondern nur um Prunk- oder Zeremonienfehwerter handeln kann. Aber
während unter den Fachleuten die einen an Repräfentationsftücke erften Ranges dachten,
an nichts Geringeres nämlich als päpftliche Kurialfchwerter, wollten andere lediglich eine
Art von Theaterfchwertern für die Aufzüge in weltlichen Haupt- und Staatsaktionen oder
geiftlichen Spielen (Jefuitendrama) darin erkennen. Beides ift unhaltbar. Wären bei
einem vom Papft verliehenen, mit feinem Segen verfehenen Dedikationsgegenftand die
durchweg profanen Darftellungen zum mindeften auffallend, fo zeigen die erhaltenen,
notorifch als folche bezeugten Kurialfchwerter, die Hr. Modern, Jul. Leffing und E. Münß1 *
zufammengeftellt hat, nichts von einer derartigen Ausftattung. Nicht zu verwechfeln mit
diefen geweihten Schwertern, die der Papft in der Weihnachtsnacht an fürftlichePerfonen
verlieh, find die großen Staats- und Zeremonienfehwerter, die, als Zweihänder geftaltet,
aufrecht vorgetragen wurden. Auch unter diefen fuche ich eigentliche Plakettenknäufe
vergebens.

Eine kleine Anzahl vollftändig erhaltener Schwerter und Schwertgriffe mit Plaketten-
knäufen hat Forrer in feinem ausgezeichnet gearbeiteten Katalog der Sammlung Schwerzen-
bach (Leizpzig 1905) zufammengeftellt. Mir ift aus eigener Anfchauung nur ein weiteres
Stück bekannt3: das hier in Abbildung (Nr. 7) erfcheinende Schwert aus dem Bayerifchen
Armeemufeum, das aus gräflich Törringfchem Befiß ftammt. Der Knauf entfpricht in
der Form wie auch in der Darftellung der einen Seite — Ariadne auf Naxos — ganz
dem Knauf Nr. 4. Die andere Seite enthält gleichfalls eine antike Szene, wohl eine Alle-
gorie auf Eintracht und Frieden. Die Friedensgöttin, thronend, fetjt ihren Fuß auf einen
toten Drachen, vor ihr zwei männliche Geftalten mit Trophäe und Palme, hinter ihr als
Perfonifikation der Segnungen des Friedens eine weibliche Geftalt mit Drefchflegel. Links
Statue der Diana, an deren Piedeftal fich friedlich ein Löwe fchmiegt.

Obwohl die Montierung, wie auch die Abbildung lehrt, nicht ganz exakt ausgeführt ift,
fteht die Zufammengehörigkeit von Knauf und Griff nichts deftoweniger außer Zweifel.
Es beweift dies die feine, mit den Punzen hergeftellte Ornamentierung, die in gleicher
Weife die Parierftange wie den Rand des Knaufes überzieht. Eine Ornamentik gleichen
Charakters zeigt übrigens auch der Rand des Stückes Nr. 4.

Im übrigen ift der mit Perlmutter eingelegte Griff wie die elegante, fein zugefchliffene
Klinge durchaus charakteriftifch für eine vornehme Prunkwaffe der Hochrenaiffance, und
als echte Beftandteile folcher Galafchwerter, wie fie von Notabilitäten bei repräfentativen
und folennen Gelegenheiten getragen werden, find demnach auch die hier vorgelegten
Plakettenknäufe mit Sicherheit anzufprechen.

1 Jahrb. der Kunftf. des all. Kaiferhaufes, Bd. XXII (1901) S. 127. Jahrbuch d. preuß. Kunftf. XVI

(1895) S. 113; Rev. de l’art diretien. 1880. S.408; 1890. S.281.

- Die von Forrer, S. 36, aufgezählte Reihe von figürlich verzierten Knäufen fei ferner um
folgende zwei Stücke vermehrt: Plakettenknauf, dem Donatello zugefchrieben, Gazette des Beaux
Hrts 1886, S. 53, und der prachtvolle Schwertkorb mit gefchnittenem Knauf aus dem Befiß des
Grafen Colbert, Tresor de Numismatique: Basreliefs et ornemens, Taf. XXXIV, vgl. ebenda auch
Taf. XXXV.

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