Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN

ftets fchlechter und Stümper bleiben. In diefem
Sinne ift es zu begrüßen, wenn [ich in München
eine Reaktion gegen die Äusländerei bemerkbar
zu machen beginnt. Nehmen wir ruhig einmal
den Vorwurf des Chauvinismus auf uns; er
wird uns weiterführen, als die andern ihr Sno-
bismus. Im übrigen fei daran erinnert, daß fich
unfer modernes Kunftgewerbe in dem Moment
zum führenden in der Welt auffchwang, als es
die fremden Anregungen beifeite fchob und fich
ganz auf fich felbft ftellte.

In der MODERNEN GALERIE IM ARCOPA-
LAIS gibt’s wieder allerhand Intereffantes zu
fehen. Richard Dreher, Dresden, hält den Par-
terrefaal mit Landfchaften, Straßenanfichten und
Figurenbildern inne, feine Arbeiten bergen ma-
lerifche Kultur und Qualitäten, ftehen aber zu
fehr in der Gefolgfchaft der jüngeren Franzofen.
Aman Jean feffelt wie immer durch feine Deli-
kateffe, fein Raffinement und nicht zuleßt auch
die koloffale Rhythmik feiner Zeichnung. Der
Belgier George Minne ift als Zeiterfcheinung
recht lehrreich. Daß er allerhand kann, wird
niemand in Abrede ftellen wollen, ebenfowenig
wird man ihm Gefühl und Empfindung abfprechen.
Aber die dekadente und manierierte Art, in der
er in feinen Skulpturen Primitivität anftrebt, hat
etwas durchaus Erkältendes; das führt nicht zu
Kraft und Leben, fondern zu Marklofigkeit und
Verfall. Glücklicherweife fteht man heute bloß
mehr in Berlin in augenverdrehender Ekftafe vor
folcher Kunft.

Bei HEINEMANN ftellt fich gegenwärtig, zum
erftenmal hier mit einem Enfemble, J. Oppen-
heimer, Berlin, vor. Der Künftler, der wie fein
Vorgänger George Sauter ein geborener Bayer
ift und zurzeit auch ein ftarkes Bild in der hiefigen
Sezeffion hängen hat, präfentiert sich als fehr
eleganter Maler, der die Anregungen, die ihm
die moderne Kunft verfchiedener Länder gege-
ben, durchaus mit Gefchmack und Sinn zu ver-
werten verfteht. Er erfcheint wie prädeftiniert
zum Schilderer der vornehmen Welt, als den
ihn die Wahl feiner Motive dokumentiert. Daß
er dabei fich ferne jeder Schablone hält und eine
fchöne Vielfeitigkeit entwickelt, fei ihm hoch an-
gerechnet. M. K. R.

WIEN Bei PISKO ift eine größere Kollektiv-
ausftellung von Werken des Salzburger Malers
Franz v. Paufinger zu fehen; fie enthält neben
einer Reihe Jagbilder von der bekannten Art
des Künftlers ein paar Gemälde und Studien
nach orientalifchen Motiven.

Der Kunftfalon HELLER hat eine Kollektion
Radierungen von Israels und einigen jüngeren
holländifchen Graphikern ausgeftellt.

Die Galerie M1ETHKE eröffnete Ende Juni
Kollektivausftellungen der Maler Willi Geiger-
München und Willi Nowak-Prag (über die
noch berichtet werden foll).

PERSONALIEN

BÄSEL Anläßlich des 450. Jubiläums der Basler
Univerfität promovierte die philofophifche Fa-
kultät den Maler Ferdinand Ho dl er aus Bern
zum Ehrendoktor „aus Verehrung für die
Strenge und Tapferkeit, mit der er feinen eigenen
Weg gefucht hat und aus Anerkennung für die
Erfolge des Malers im Kampf um einen monu-
mentalen Wandftil“. — Es fei bei diefem Anlaß
erwähnt, daß die Basler Kunftfammlung unlängft
zu ihren landfchaftlichen und hiftorifehen Bildern
Hodlers einen feiner großen Akte erworben hat,
das monumentale Werk „Aufgehn im All“, das
1891 entftanden ift. Faft gleichzeitig erwarb die
Basler Kunfthalle ein charakteriftifches Figuren-
bild Hodlers, einen gebückt dafißenden, die Ge-
fchichte eines gebrochenen Lebens ausfehöpfen-
den, Mann. Diefes Bild „Enttäufchte Seele“
ftammt aus dem Anfang der neunziger Jahre.

J. C.

BERLIN Der Bildhauer Gottlieb Elfter ift
als Profeffor an die Großherzogliche Hochfchule
nach Weimar berufen worden. Sein leßtes
Werk, das für Frankfurt a. d. Oder gefchaffene
Kleiftdenkmal, ift dafelbft am 25. Juni enthüllt
worden. Svs.

BRESLÄU Dr. Rudolf Kausch, derzeit
o. Profeffor an der technischen Hochfchule in
Darmftadt, hat einen Ruf an die Univerfität
Breslau als Nachfolger von Richard Muther er-
halten und angenommen.

LONDON Am 29. Juni ftarb Mr. Charles
Butler in Warren Wood bei Hatpeld. Mr. Butler
war ein großer Sammler alter Meifter aller
Schulen und befaß auch eine Reihe von Skulp-
turen der italienifdien Frührenaiffance. Er hat
feine Schüße oft für Ausheilungen hergeliehen,
namentlich für die Winterausftellungen alter
Meifter der Royal Academy in Burlington House.
Man fah da aus feiner Sammlung in den ver-
fchiedenen Jahren Bilder von Ä. Cuyp, Bronzino,
Cornelis Janffen, Rubens, G.de Crayer, Holbein,
Pifanello, Rafael, A. Mantegna, Filippo Lippi,
Memling, Piero deiFranceschi.Baldaffare.Peruzzi,

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