Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN

DRESDEN Hier befanden bisher drei Or-
ganifationen bildender Künftler. In der
„Kunftgenoffenfchaft“ finden [ich die Maler,
Bildhauer und Architekten zufammen, denen bei
Ausheilungen der rechte Flügel der Räume zu-
gewiefen wird; die beiden Gruppen „Die Eibier“
und „Zunft“ würden bei folchen Gelegenheiten
den linken Fiügel belegt haben. Beftünde noch
in der Schärfe wie vor zwei Jahrzehnten der
Gegenfatj zwifchen fogenannten Alten und Jun-
gen, fo würden fich diefe Sezeffioniften nennen.
Diefe Dresdner Sezeffioniften, die Mitglieder der
„Eibier“ und der „Zunft“ und die bisher nicht
organifiert gewefenen Dresdner Künftler, die den
gleichen äfthetifchen Anfchauungen huldigen,
haben fich jeßt neu korporiert. Sie nennen fich
„Künftlervereinigung Dresden“. Vorfißen-
der der Vereinigung ift der Bildhauer Prof. Wrba;
als Mitglieder gehören ihr an die Maler Otto
Altenkirch, Prof. Dr. Karl Banßer, Friedrich
Beckert, Arthur Bendrat, Siegfried Berndt, Prof.
Eugen Bracht, Prof. Wilhelm Claudius, Ferdi-
nand Dorfdi, Georg Erler, Otto Fi [eher, W. Frie-
derici, Prof. Otto Gußmann, Prof. E. Hegen-
barth, E. Körner, W. Kraufe, Gotthard Kuehl,
W. Merfeburg, G. Meyer-Buchwald, H. Nadler,
A. Pepino, P. Perks, Rudolf Pöfchmann, Georg
Wilhelm Ritter, Paul Rößler, Robert Sterl, Jo-
hannes Ufer, Ä. Wilckens, W. Zeifing und Prof.
Oskar Zwintfcher; die Bildhauer Prof. Robert
Diez, A. Höfer, Arthur Lange, Otto Pilz, F.
Pfeifer, Prof. Peter Pöppelmann, 0. Roffow,
A. Schreitmüller, W. Sintenis und Prof. Selmar
Werner; die Architekten Baurat H. Bähr,
E. Bender, Prof. Martin Dülfer, Baurat J. Gräb-
ner, Prof. 0. Hempel, Diplomingenieur K. Hirfch-
mann, Ä. Höhrath, R. Kolbe, Baurat E. Kühn,
Max Hans Kühne, Prof. William Loffow, Oskar
Menzel, Baurat R. Schilling, Prof. H. Tfcharmann
und Geh. Baurat Prof. Dr. Wallot; endlich die
Kunftgewerbler Prof. K. Groß, Erich Klein-
hempel und Hofrat Prof. Oskar Seyffert. Von
auswärtigen Künftlern find Mitglieder der neuen
Vereinigung der Leipziger Meifter Max Klinger
und die früheren Dresdner Architekten Prof.
Wilhelm Kreis (jeßt in Düffeldorf) und Prof. Friß
Schumacher (jeßt in Hamburg). Die Vereinigung
will jeßt (von Anfang September bis Ende No-
vember) in den Räumen des Sächfifchen Kunft-
vereins auf der Brühlfchen Terraffe in Dresden
ihre erfte Äusftellung veranftalten, und pe
hat pch hierzu, um der Veranftaltung den Cha-
rakter der Großzügigkeit zu geben, von aus-
wärts Gäfte eingeladen, Maler und Bildhauer
aus Berlin und München, unter ihnen von Ber-
linern Beckmann, Corinth, Gaul, Kallmorgen,
Kampf, Käte Kollwiß, Lederer, Liebermann,

Orlik, Slevogt, Walfer; von Münchnern Feld-
bauer, Habermann, Püttner, Samberger, Schramm-
Zittau, Stremei, Uhde und Zumbufch. Von ins-
gefamt 1200 eingelaufenen Arbeiten hat die Jury
350 zur Äusftellung angenommen. Die Jury be-
ftand für die Arbeiten der Maler aus den Ma-
lern Prof. Gußmann, Prof. Zwintfcher, Prof.
Hegenbarth, Prof. Sterl und Auguft Wilckens;
für die Arbeiten der Bildhauer aus den Bild-
hauern Prof. Wrba, Prof. Selmar Werner und
Prof. Peter Pöppelmann und für die graphifchen
Arbeiten aus den Malern Georg Erler, Otto
Fifdier und Walter Zeifing. wd.

DRESDEN In der Galerie ERNST ARNOLD
findet diefer Tage die Eröffnung jener impofanten
Gauguin-Ausftellung ftatt, die kürzlich in der
Modernen Galerie in München zu fehen gewefen
ift (vgl. Hep 16 unter München). Die Sammlung
umfaßt 26 Werke des Meifters und geht von hier
aus, ohne Berlin zu berühren, direkt wieder nach
Paris zurück. Man darf bei diefer Gelegenheit
daran erinnern, daß Arnold fich von jeher um
die neue Malerei befonders bemüht hat. Seine
van Gogh-Äusftellung und feine Courbet-Kollek-
tion find noch unvergeffen.

GREIFSWALD Im Änfchluß an die alle
zehn Jahre — am 7. Juli — wiederkehrende „Croy-
Feier“ der Univerfität veranftaltete der Greifs-
walder Kunftverein in der Univerfitätsaula
eine Äusftellung „Alt-Greifswald“. Äußer
dem berühmten Croy-Teppich (vgl. über ihn
J. Leffing im Jahrb. d. preuß. Kunftfammlungen
XIII 176), deffen Urheber übrigens durch einen
kürzlich gemachten Urkundenfund nunmehr als
ein wahrfcheinlich doch niederländifcher Teppich-
wirker Peter Heymans in Dienften der Her-
zoge von Stettin feftgeftellt erfcheint — zog
dabei noch ein zweiter aus herzoglich pommer-
fchem Befiß ftammender Wandteppich die Äuf-
merkfamkeit auf fich, der traditionell mit dem
Croy-Teppich zufammen bei der erwähnten Ge-
denkfeier ausgeftellt wird, bisher aber gänzlich
unbeachtet geblieben war. Er enthält, von
einer Frucht- und Blumenbordüre umgeben, in
zwei Streifen übereinander drei Szenen aus der
Gefchichte der Efther, darunter in einem Sockel-
ftreifen zwifchen zwei bürgerlichen Wappen die
Jungfrau mit dem Einhorn. Das wohlerhaltene
Stück gehört zu jener Klaffe von Wandteppichen
wahrfcheinlich norddeutfehen Urfprungs, die zu-
erft K. Masner in „Schießens Vorzeit“ N. F. V.
(1909) S. 150ff. zufammengeftellt hat; dort wird
auch der neugefundene Teppich publiziert wer-
den. — Aus dem fonftigen auf der Äusftellung
vertretenen Kunftbefiß der Univerßtät verdient

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