Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SAMMLUNGEN

1494, mit Holzfchnitten, Jacobus de Voragine,
Passional (Delft 1499 und 1500), Curates, Epistola
de Miseria Curatorium 1489 und verfchiedene
Bücher mehr. Von Werken der neueren Kunft
feffelt eine Reihe glänzender Radierungen Fo-
rains fowie eine Anzahl der farbenkräftigen,
höchft wirkfamen Hozfchnitte Carl Mofers.
Ihnen fchließen fich noch mehrere andere far-
bige Blätter, Steindrucke und Holzfchnitte von
Klemm, Heine Rath und Kuntje an. Charles
Holroyd machte drei feiner lebten Radierungen,
monumentale Stimmungsbilder aus dem Hoch-
gebirge der Sammlung zum Gefchenk. Neben
ihnen finden fich noch die neueften Lithographien
Max Liebermanns, unter denen das lebensvolle
Bildnis des Pfarrers Naumann, Hamburger Än-
fichten, Dünen- und Rennplatjbilder befonders
bemerkenswert find. Svs.

BUDAPEST Das KUPFERSTICHKÄBINETT
DES MUSEUMS FÜR BILDENDE KUNST er-
warb feit einem Jahre Kunftdrucke und Hand-
zeichnungen von folgenden Meiftern: Marie
Adler (3 Bl.), Baumann, Ida Berger, Frank
Brangwyn, Hermine Bruck, Charlet, Julius Conrad,
Conz, Jofef Czauzik (17 Bl.), Herta Baronin
Czoernig, Andre Dauchez (5 BL), Honore Dau-
mier (22 BL), Derkzen van Ängerer, Elbogen
Jofefine (2 Bl.), Marianne Fieglhuber (2 BL), Rofa
Frankfurt (2 BL), Wilhelmine Friedrich, Paul
Gavarni (4 BL), Hedwig Gerber, Greve, Hau-
eifen, G. C. Haverkamp, Hubert v. Herkomer
(2 BL), Tanna Hoernes (5 BL), Emma Hrnczyrz
(4 BL), Anna Jäger (2 Bl.), L. H. Jungnickel (2 BL),
Karl Kappftein, Luigi Kafimir, Julius Köver (2 BL),
Leiber, Magda v. Lerch (4 BL), Nicolas Lefueur,
Adolf Luntj (4 BL), Max Mayrshofer (3 BL), Erna
Mendel (2 BL), Ludwig Michalek, Anna Mik
(3 BL), Olga Mulacz, Michael v. Munkäcfy, Otto
Heinrich, Jofef Pennet, Willy Pogäny, Rabberger,
Sauter, Ä. Schinnerer (2 BL), Hermine Schneid,
Schroedter, Harry Schuld (2 BL), Frank Short,
Marie Spi^ (3 BL), Lilly Steiner (2 BL), Ä. Th.
Steinlen, Hans Thoma, Philippe Thomaffin, Ni-
kolaus Vadäfz, Hans R. v. Volkmann, J. Walla
(7 BL), Walter Zeiffig, Anders Zorn (4 BL).

Die japanifche Sammlung konnte nur mit
wenigen Stücken vermehrt werden. Das wich-
tigfte unter ihnen ift ein forgfältig ausgeführtes
feidenes Kakemono von Nifhikawa Suke-
nobu. Der Inhalt der Darftellung ift die Steh-
figur eines vornehmen Mädchens. Sie trägt
kunftreich gemufterte bunte Kleider und hält
ein Schifflein in der Hand. Farbenholzfchnitte
wurden nur von Torii I. Kiyonobu, Katfu-
kawa Shunfho, Hofoda Yeifhi, Katfu-

kawa Shuncho, Kitagawa Utamaro und
Kitagawa Kikumaro erworben. Z. T.

MÜNCHEN Durch die Anlage einer umfang-
reichen Spezialfammlung gefälfchter Münzen der
verfchiedenften Epochen hat die Direktion
des MÜNZKABINETTS eine für Numismatiker
und Sammler gleich intereffante, wertvolle Neue-
rung gefchaffen. Die reichhaltige Kollektion um-
faßt hauptfächlich Nachahmungen feltener antiker
Münzen, wie z. B. die Großbronzen der römi-
fchen Kaifer. Diefe Nachbildungen find nicht
etwa in betrügerifcher Äbficht gefertigt worden,
fondern fie entfprangen der Freude der Renaif-
fance an der Antike und follten für die im
Original fchwer erhältlichen Münzen einen Er-
fatj bilden. Als erfter fcheint Cavino um 1550
in Padua nach Großbronzen römifcher Kaifer
neue Stempel gefchnitten zu haben, mit denen
er technifch ausgezeichnete Kopien herftellte.
Als dann die Nachfrage nach feltenen Originalen
ftieg, fanden fichFälfcher genug, die in vollfter
Äbficht der Täufchung ihre Produkte als echt
ausgaben. Die Zunft diefer Fälfcher arbeitete
mehr oder minder raffiniert. Das beweifen die
zahlreichen Stücke der ausgeftellten Kollektion.
Die Falfchmünzer haben fich möglichft an das
Original gehalten, die Künftler dagegen, die
ihre Nachahmungen auch als folche ausgaben,
hielten fich in der Äuffaffung und Ausführung
nicht fcharf an das antike Vorkild, fie indi—
vidualifierten ihre Kopie, und fo finden wir bei
vielen Stücken unverkennbar den Stil der Re-
naiffance vertreten. Vielfach machten fich die
Fälfcher nicht einmal die Mühe, ihre Falfifikate
zu prägen, fondern fie goffen fie einfach ab.
Äbgefehen davon, daß die römifchen Kaifer-
münzen niemals gegoffen wurden, verrät fich
die Gußmünze durch charakteriftifche Merkmale.
Fehlerhafte Umfchriften der Münze verraten oft
fchon die Fälfchung. So zeigt der ausgeftellte
falfche Aureus des Kaifers Nero die Lesart
DCVR ftatt DECVR (SIO). Die Fälfcher haben
antike fchöne Stücke auch „überarbeitet“ und
aus einer weniger feltenen Münze durch Re-
tufche der Umfchrift, Nachfchneiden des Profils
ein feltenes, fehr begehrtes Objekt gefchaffen.
Sie haben auch Münzen angefertigt, die im
Original gar nicht exiftieren. Z. B. ift eine Münze
in der Sammlung mit der Darftellung des Ko-
loffeums auf der Reversfeite, während der Avers
das Bildnis Vefpafians aufweift. Großbronzen
Kaifer Othos 69 n. Chr., die nicht beftanden,
wurden, wie in der Kollektion liegende Exem-
plare zeigen, imitiert.

Eine ftattliche Sammlung der berühmt-be-
rüchtigten Falfifikate des zu Ende des 18. Jahr-

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