Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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VERMISCHTES ° LITERATUR

im Venetianerfaal fich viel beffer ausnehmen
würde als zwifchen den zwei populären Mu-
rillos; fodann Guardis „Konzert“, dem fich auf
dem gleichen Gebiete im Oeuvre Guardis nur
die „Sala del Consiglio dei Dieci“ im Louvre
zur Seite [teilen la|Je, und fchließlich ein treff-
liches und höchft feltenes Stück von Goya „Still-
leben“, das fich würdig dem fchönen Chardin
der Sammlung anreihe. Phillips verfpricht dann
noch in einem fpäteren Artikel Vorfchläge zur
Umtaufung einiger Werke in der Galerie zu
machen. In diefer Beziehung fei trot} vieler
Arbeit von Seiten deutfcher und ausländifcher
Sachverftändiger noch keineswegs Genügendes
geleiftet worden. „Herr von Tfchudi“, fo fchließt
Mr. Phillips feine anregende Überficht, „wird
zweifelsohne zur gegebenen Zeit fich an die
Löfung der fchwierigen, ihm ins Geficht ftarren-
den Probleme machen. Zunächft ift jedenfalls
ein wirklicher Fortfehritt gemacht worden, wenn
auch noch kein Definitivum erreicht worden ift“.

F.

ÄMSTERDÄM Jahresbericht des Vereins
„Rembrandt“. Ein dünnes Bändchen von
nur wenigen Blättern gibt einen Überblick
über die Wirkfamkeit des Vereins im Jahre
1909. Im ganzen wurden an vier Sammlungen
24 945,31 fl. geliehen. Mit Unterftügung diefes
Geldes erwarb das Rijksmuseum in Ämfterdam
neun Gemälde, darunter ein Kinderköpfchen von
Lievens und Rembrandt (Äbb. und Befprechung
im Cicerone, 1. Jahrgang 1909, Heft 18); das
Kupferftichkabinett nebft vielen anderen Blät-
tern eine prachtvolle Radierung von Hercules
Seghers; das Niederländifche Mufeum mehrere
bedeutende kunftgewerbliche Gegenftände; und
endlich das [tädtifche Mufeum in Leiden eine
nackte Frau von G. Dou (Äbb. und Befprechung
im Cicerone, I. Jahrgang 1909, Heft 7). Wenn
diefe Zahl der mit Hilfe des Vereins gemachten
Erwerbungen auch klein ift, fo dürfe man hier-
aus aber nicht, fo fährt der Jahresbericht fort,
fcbließen, daß der Verein überflüffig geworden
fei; denn es ftünde zu erwarten, daß die Mufeen
feine Hilfe bei den immer noch fteigenden
Bilderpreifen in ftarkem Maße inÄnfpruch neh-
men werden. Die Anzahl der Mitglieder ift von
334 auf 330 gefunken, und auch die Beiträge
haben einen Verluft von 142,50 fl. zu verzeichnen;
fie betrugen für das Jahr 1909 nur 3625,50 fl.,
gegenüber 3768 fl. im Jahr 1908. Diefer Über-
ficht fchließen fich recht gute Abbildungen nach
dem Lievensköpfchen und der Radierung von
H. Seghers mit Text an. Es folgen dann die
Abrechnung und eine Namenslifte der Mitglieder
nebft deren jährlichen Beiträgen. Den Schluß
bilden ein Auszug aus den Statuten des Ver-

eins — die Mitgliedfchaft kann bereits durch
einen jährlichen Beitrag von 5 fl. erworben
werden — und ein Mufterformular für die-
jenigen, die dem Verein ein Legat zu vermachen
gedenken. Kurt Erasmus.

BRÜSSEL Der Kongreß für „Öffentliche
Kunft“, der hier vom 8. bis 12. Oktober ge-
tagt hat, veranftaltete Ausflüge nach Gent, Ant-
werpen und Ypern. Im „Chateau des Comtes“
(12.—16. Jahrh.) in Gent, im Rathaufe von Ant-
werpen, fowie in der Tuchhalle von Ypern
(13. Jahrh.) wurden die Mitglieder des Kon-
greffes von den ftädtifchen Behörden empfangen
und Verfammlungen abgehalten, die durch das
Milieu fich fehr ftimmungsvoll geftalteten. Es
wurde befchloffen, die Parlamente aufzufordern,
die nötigen Maßregeln zur Erhaltung der hifto-
rifchen, wißen fchaftlichen und künftlerifchen Mo-
numente, fowie der Iandfchaftlichen Schönheiten
und die Verhinderung ihrer Verunftaitung durch
Reklameanzeigen in die Wege zu leiten, ferner
eine Kommiffion zu ernennen, welche die Be-
obachtung der zu votierenden Vorfchriften zu
überwachen hat. Ein Vorfchlag zur Freilegung
der Antwerpener Kathedrale fand geteilte Auf-
nahme. Zur Konfervierung von Fresken fchlug
Herr Broermann, der Generalfekretär des Ver-
eins, die Anlage eines Luftfchachts hinter' der
bemalten Wand vor. Als nächfter Kongreßort
wurde Gent anläßlich der Äusftellung dafelbft
im Jahre 1913 gewählt. F. M.

LITERATUR

* Das große Künftler-Lexikon, das Thieme und
Becker früher bei W. Engelmann in Leipzig her-
ausgaben, ift kürzlich in den Verlag von E. Ä.
Seemann übergegangen, der das Werk mit großer
Energie fortführen und vollenden will. Er hat
den bisherigen Stab der Redaktion um einige
jüngere Kräfte bereichert. Prof. Becker war fchon
vorher aus freien Stücken von der Herausgabe
zurückgetreten. Band IV ift kürzlich erfchienen,
Band V befindet fich bereits im Druck.

Die Photographifche Gefellfchaft in Ber-
lin hat foeben einen Gefamtkatalog über alle
Publikationen ihres Verlages mit 1000 verklei-
nerten Wiedergaben nach Blättern herausge-
bracht, der zum Preife von 1,50 M. auch direkt
zu beziehen ift. Wir verweifen nachdrücklich ft
auf den Katalog nicht fo fehr der modernen
Kunft als vielmehr jener bekannten Meifterbilder
alter Kunft wegen, deren Reproduktionen noch
immer das Befte darftellen, was auf diefem Ge-
biete hervorgebracht worden ift.

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