Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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SAMMLUNGEN

Leinwand. Bez. links unten: Claude Monet
1868. — 225:158 cm. Äus der Stiftung Ludwig
Jofef Pfungft aus Worms erworben.

Max Liebermann: Ämfterdamer Juden-
gaffe.

Im Vordergrund fliegender Gemüfehändler, vor
deffen Äuslagekarren Käufer ftehen; man blickt
auf die Häufer der Judengaffe, in der Menfchen-
maffen fich fcbieben und drängen. — Leinwand.
Bez. links unten: M. Liebermann 08. — 70 : 61 cm.
Äus der Pfungft Stiftung erworben.

Maurice Denis, Les Baigneufes. Äm
Ufer eines Sees, in dem fich der Himmel und
der jenfeitige Wald fpiegelt, ftehen vorne zwi-
fchen grünweißen Baumftämmen in der Hellig-
keit der Sonne drei nackte refp. leichtbekleidete
Frauengeftalten und ein Kind; rechts eine fißende
halbnackte Frau. — Leinwand. Bez. links unten:
Maurice Denis 1907. — 129:197 cm. — Äus der
Pfungft Stiftung erworben. E. Ä. B.

KÖLN Das WÄLLRÄF-RICHÄRTZ-MUSEUM
hat kürzlich das bekannte Gemälde „Halali“ von
Courbet von Herrn Leonhard Tieß zum Gefdienk
bekommen und ift damit um ein markantes
Stück aus der Entwicklung der modernen Kunft
reicher.

LEIPZIG Das STÄDTISCHE MUSEUM er-
warb aus der zurzeit hier ftattfindenden Äus-
ftellung franzöfifcher Kunft drei Gemälde und
zwar: Piffarro, „Place del’Opera“; Raffa-
elli, „Gitter am Tuileriengarten“ und Cor-
mon, „Römifche Legion“. Außerdem bei gleicher
Gelegenheit von Rodin die Bronze „Johannes
des Täufers“ (1881). Als ein äußerft wichtiger
Ankauf darf ferner die Erwerbung eines Bildes
von Giovanni Segantini, „Die Liebes-
frucht“, angefehen werden, das um den Preis
von 55000 M. von der Münchener Kulthand-
lung Heinemann erftanden wurde.

LONDON Kapitän Henry Boyles Murray,
der am 24. Äuguft ftarb, hat feine Kunftfamm-
lung, von der noch nichts näheres angegeben
wird, dem VICTORIA ÄND ALBERT MUSEUM
(South Kenfington Mufeum) vermacht und dazu
eine Summe von £ 50 000, aus deren Zinfen
Kunftwerke angekauft und der von ihm ver-
machten, als H. B. Murrays Bequeft zu bezeich-
nenden und als ein Ganzes zufammenzuhalten-
den Kollektion einverleibt werden füllen.

Das feit länger als 30 Jahren im SOUTH
KENSINGTON MUSEUM ausgeftellt gewefene
Reliquiarium des St. Louis, das diefer mit Re-
liquien gefüllt aus dem Heiligen Lande mitge-

bracht haben foll, eine Limoger Arbeit des
12. Jahrhunderts, ift jeßt aus dem Mufeum ent-
fernt und Mr. Charles Wertheimer überliefert
worden. Gerichtlich werden im Intereffe der
Erben des bisherigen Eigentümers Angebote
gewünfcht, und folche füllen auch fchon zahl-
reich eingelaufen fein. Zunächft befindet fich
das Werk noch in London.

Als eine Art Ergänzung des Art Collection
Funds, der alte, auf den Markt kommende Kunft-
werke für öffentliche Sammlungen zu erwerben
und fie dadurch der Nation zu erhalten fucht,
ift jeßt die „Contemporary Art Society“
gegründet worden, deren Aufgabe es fein foll,
Werke moderner Künftler anzukaufen, fie zu-
nächft auf die Wanderfdraft von Galerie zu
Galerie zu fenden, und fie dann der einen oder
anderen Sammlung zu überiaffen. Es Jollen
vor allem Werke folcher Künftler angekauft
werden, die noch „keine Gnade vor den Äugen
offizieller Käufer“ gefunden haben. Das ift als
deutliche Spiße gegen die Royal Academy ge-
meint, die den ihr anvertrauten Chantrey Bequeft
zum Ankauf von Werken moderner englifcher
Künftler nur im Intereffe ihrer eigenen Mit-
glieder verwendet und die Tate Gallery mit
meift wertlofen, an Umfang aber riefigen Wer-
ken anfüllt. Bezeichnenderweife gehört denn
auch der fchwer unter diefem Umftand leidende
Direktor der Tate Gallery zum Komitee der
neuen Society. Nach den Beftimmungen des
Chantrey Bequefts hat er leider gegen deffen
Verwendung keinerlei Einfpruchsrecht. Bisher
hat die Society angekauft: „The Smiling Wo-
man“, von dem bekannten Stiliften Äuguftus
John, ein Porträt George Moores von Walter
Sickert, „The Green Apple“ von Charles Conder
und eine Bronzeftatuette „Maternity“ von Char-
les Ricketts. F.

LÜBECK Befchloffen ward, aus dem Mufeum
die Abteilungen: Lübecker Kunft- und Kultur-
gefchichte und das Gewerbemufeum zu ent-
fernen und unter neuer, gemeinfamer Leitung
in einem befonderen Gebäude zu vereinigen.
Die leitende Stelle foll mit einer nach kultur-
hiftorifcher Richtung hin wiffenfdiaftlich und
praktijch vorgebildeten Perfönlichkeit befeßt
werden. L.

PÄRIS Für den Umbau des Mufeums der
Gobelins hat die Regierung 413 000 Franken be-
willigt. Mit den Arbeiten wird Ende November
begonnen werden.

Im CÄRNÄVALET-MUSEUM wurde ein neuer
Anbau eröffnet, in dem ein Saal den Erinne-

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