Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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RUNDSCHAU - Sammlungen

BRÜSSEL Die auf der Verweigerung der
Sammlung Fetis erworbenen Gemälde von Lu-
cas von Legden (Verfuchung des hl. Antonius),
Lucas Cranach (Apollo und Diana), Breughel
d. Ä. (Anbetung der Könige) fowie ein in Paris
gekaufter Snydersf, der felbft, falls er echt ift,
nicht entfernt an die bereits vorhandenen pracht-
vollen Stilleben des Meifters heranreicht, wur-
den jeßt dem Mufeum von den „Amis du Musee“
zum Befiß übergeben. Ferner wurden angekauft
ein recht gutes Frauenbildnis von B. v. d. Helft,
fowie zwei Bilder von de Beukelaer, die aber
noch nicht ausgeftellt find.

Durch den Tod König Leopolds I. von Belgien
kann deffen Abficht, feine modernen Gemälde
(die alten find bereits veräußert) zu verkaufen,
als fiftiert gelten, und es befteht die Ausficht, die-
felben dem Lande zu erhalten. Das neue mo-
derne Palais, welches noch im Bau ift, wird
jene Bilder, unter denen Perlen von Legs, Bra-
keleer, Stevens u. a. fich beßnden, zur Deko-
ration erhalten, da fonft König Albert I. Neu-
anfchaffungen zu machen genötigt wäre, welche
in diefer Menge und Qualität nicht fo leicht zu
bewerkftelligen wären und auch weil unter den
obenerwähnten Bildern viele find, welche einer-
feits hiftorifch und fodann für den Entwicklungs-
gang der belgifchen Kunft als Dokumente der
Zeit von Wert find. F. M.

DRESDEN Soeben ift aus Staatsmitteln für
unfere Galerie eine hervorragende Flachlandfchaft
Kafpar David Friedrichs (1774—1840) er-
worben worden, die fich bisher in fächfifchem
Privatbefiße befand. Das feine Bild ftellt den
Blick vom Piefchener Geftade aus über die Elbe
hinweg aufs Große Gehege im erften Dämmer-
lichte dar, das durch violettgraues Nebelgewölk
am Horizonte vor dem gelben Äbendhimmel ge-
kennzeichnet wird. Es vertritt alfo nicht nur
durch feinen Meifter, den am meiften künftlerifch
empfindenden Landfehafter der Dresdener Maler-
fchule der erften Hälfte des 19. Jahrhunderts,
fondern auch durch die dargeftellte Gegend, die
damals noch unberührt von dem Haften und
Treiben derMenfchen war, ein gutes Stück Ält-
dresdener Heimatkunft.

erlangen Die Kunftfammlung der Uni-

verfität ift gelegentlich einer Reife des Direktors
Prof. Dr. Curtius um eine Reihe von Origi-
nalen bereichert worden. Es find in Rom zehn
Fragmente von antiken Marmorreliefs und Sta-
tuetten erworben worden, lauter Stücke von
kunfthiftorifchem oder mgthologifchem Intereffe.

Die keramifche Sammlung wurde durch eine
griechifche Schale der beftenZeit um 500, Scher-
ben noch nicht vertretenen Gattungen und drei
figürliche Terrakotten ergänzt. Zur Sammlung
der Gipsabgüffe ift ein Abguß der von Pro-
feffor Dr. Curtius aufgefundenen Replik vom
Kopf des sogenannten Caffeler Apoll im Palazzo
Vecchio in Florenz hinzugekommen. In Candia
ift eine Reihe von Abgüßen nach den pracht-
vollen Funden von Knoffos und Phaetos er-
worben worden. Der Abguß einer jonifchen
Bronzeftatuette um 500 wird als Gefchenk Pro-
feffor Wolters in München verdankt. Zur
Sammlung der Photographien kamen über 500
Blätter von Älinari (italienifche und griechifche
Mufeen) neu hinzu.

HAMBURG Im Treppenhaus der Kunfthalle
ift von den Gefchenken und Erwerbungen aus-
geftellt, foweit der Plaß reicht. Es wird zu ge-
gebener Zeit ausgewechfelt. Zum Jubelfeft Tho-
mas find drei Werke des Meifters eingereiht,
die das bereits fehr reiche Bild ergänzen, das
die fieben Werke in unferer Galerie von der
Kunft des Meifters geben: Das Elternhaus von
1866, die Ziegen im Stall, das Doppelbildnis von
Thoma und feiner Frau, der Sonntagsfrieden
(die Mutter und der Onkel des Künftlers), die
Landfchaft Kronberg, das Hühnerbild und das
Blumenftück — lauter Werke, die zu des Meifters
beften Arbeiten zählen. Das ältefte der neuen
Gemälde ift Thomas Selbftbildnis von 1871. Darauf
folgt das Bildnis des Dichters Martin Greif von
1875 und die Waldwiefe von 1876. Mit Aus-
nahme der Heimatgalerien Thomas in Frankfurt
und Karlsruhe befißt die Kunfthalle jeßt von allen
deutfehen Galerien die größte Zahl bedeutender
Bilder des Meifters. Zu den drei Gemälden des
großen Jofeph Anton Koch, die wir fchon be-
fißen, dem früheften von feiner Hand bekannten
von 1796, den beiden der mittleren Zeit 1815
kommt nun ein Bild aus der fpäteren Entwick-
lung, die große Ideallandfchaft mit Hirten, in
einzelnen Zügen dem Apollo unter den Hirten
im Innsbrucker Mufeum verwandt. Von Arnold
Böcklin ift das Hauptwerk feiner Frühzeit, ein
Blick auf das Dorf Tennikon bei Bafel erworben,
das den Zweiflern an der Urfprünglichkeit von
Böcklins Talent willkommen fein wird, ihre Mei-
nung zu berichtigen. Es würde fchwer fein,
dies wunderfchöne Bild in die Entwicklung des
Meifters einzureihen, wenn nicht von feiner Hand
auf eine Photographie diefes Bildes gefchrieben,
die Angaben der urfprünglichen Befißer diefes
Bildes beftätigt und ergänzt würden. Der Verein
von Kunftfreunden von 1870 hat das große fehr

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