Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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FÄLSCHUNGEN RÖMISCHER KAISER-MÜNZEN

Beantwortung der Frage nach der Echtheit eines folchen Exenrplares ift in diefem Falle
natürlich nicht fchwierig, da jedem nur etwas geübten Sammler die Form der zugefchnit-
tenen, meift fcharfkantigen Buchftaben zu Zweifel veranlaffen muß. Es ift eine irrige
Meinung, wenn der Sammler glaubt, fich jedes falfche Stück vom Leibe fern halten
zu müffen. Ich glaube, daß gerade der, der fich intenfiv mit Fälfchungen befchäftigt und
an ihnen fein Äuge für die Unterfcheidung von echt und uriecht erzogen hat, nur fehr
feiten vor einen Zweifel geftellt ift und nur feiten nach dem Einkauf bittere Enttäufchungen
erfahren wird. Im folgenden will ich eine Reihe der hauptfächlichften Merkmale, die
Fälfchungen verraten, zufammenftellen.

Eine Münze kann als Falfifikat gekennzeichnet fein durch die Befchaffenheit des
Randes. Befonders gut erhaltene Münzen zeigen bei genauer Unterfuchung des Randes
eine Naht, die ein ficheres Zeichen für die Nachbildung auf galvanifchem Wege ift. Die
Fälfcherkunft hat es verbanden, durch einen Metallüberzug oder durch gefchickte Be-
arbeitung des Randes mit Hammer und Feile die Naht zu verdecken; in diefem Falle
wird uns der Klang der verdächtigen Münze faft immer ficheren Auffchluß über die
Echtheit geben; außerdem ift häufig die Prüfung des fpezififchen Gewichtes bei der Be-
urteilung ausfchlaggebend. Um fich vom Rand der antiken Münze ein Bild machen zu
können, muß man die Entftehung der Münze aus dem gegoffenen Schrötling kennen,
darüber klärt uns E. Schlöffer in feinem Werke über Münztechnik (Hannover 1884) hin-
reichend auf. Zur Vorficht mahnt ein aufgehämmerter oder gefeilter Rand. Der antike
Schrötling - Schrötling nennt man auch die Form der geprägten Münze — hat neben
der Eigentümlichkeit, nicht kantig und nidit egal rund zu fein, noch eine beftimmte Dicke,
welche die der Paduaner häufig übertrifft.

Häufig wird auch die Schrift zur Verräterin einer Fälfchung. Die römifchen Kaifer-
münzen find geprägt und niemals gegoffen. Der Guß ift im allgemeinen von der Prägung
durch die ihm eigenen Kennzeichen einer fandigen Oberfläche und undeutlicher Buch-
ftaben leicht zu unterfdreiden. Auch beim forgfältigften und glücklichften Guß bleibt die
Oberfläche rauh und körnig und zeigt mehr oder minder dem unbewaffneten Auge auf-
fallende Gußlöcher. Die Vergleichung des Gewichtes zwifchen einem geprägten Originale
und einer gegoffenen Nachbildung wird ergeben, daß das gegoffene Stück infolge der ge-
ringeren Dichtigkeit und des größeren Volumens leichter ift als das geprägte, natürlich
die Gleichheit der Metalle vorausgefettf. Eine klare und reine Ausführung aller Details,
insbefondere der Schrift ift beim Guß nicht möglich, und wird auch eine folche Fälfchung
noch fo forgfältig nachzifeliert, fo wird die Münze doch immer noch durch Guß-, Ham-
mer- oder Stichelfpuren verdächtig fein. Geprägte Fälfchungen verraten fich auch durch
die unbeholfene Stellung der Buchftaben oder durch die der Entftehungszeit der Münze
nicht entfprechende Form, durch anderen Stil der Schriftzeichen. Außerdem kann die
Unechtheit eines Stückes nicht feiten durch Stempelfehler in der Legende feftgeftellt werden.
Diefe Fehler erklären fidi aus der Unwiffenheit der Fälfcher und aus der ungenügenden
Erhaltung der zur Grundlage dienenden Originale. Ich möchte hier nur zwei Beifpiele
anführen. Nach Cohen exiftieren drei Paduaner mit der Adlocutio-Darftellung, die
alle drei die Legende ADLOCVT ftatt ADLOCVTIO im Äbfchnitt tragen (Abb. 6). Ferner
befitjt das kgl. Münzkabinett in München in feiner Sammlung von Falfifikaten einen
falfchen Aureus des Kaifers Nero mit der Lesart DCVR ftatt DECVR(SIO) unter einem
rechtshin fprengenden Reiter, der mit der Lanze einen Krieger zu Boden wirft.

Auch die Kenntnis von der Befchaffenheit des Metalles, von der Legierung in den
einzelnen Zeitläuften wird dem Sammler gute Dienfte leiften. Es ift fehr wohl zu unter-

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