Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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DAS MUSEO CIVICO IN BELLUNO

BÄRTOLOMEO MONTÄGNÄ

Mufter diente, hat er hier in Belluno ein anderes Werk Bellinis benufet, jene „Darftellung
im Tempel“, die ebenfalls nur in Schulwiederholungen auf uns gekommen ift. Aus
diefer Kompofition hat Bartolomeo die Madonna, deren ftarke Seitenwendung, wie die
etwas zappelnde, fich fträubende Bewegung des Kindes in der Ifolierung ihren Sinn
verliert, nicht fehr geiftvoll herausgenommen.

Ebenfo meine ich der Berenfonfchen Zufchreibung eines Kurtifanenbildes an Becca-
ruzzi zuftimmen zu müffen. Berenfons Beccaruzzikonftruktion ift ja fonft nichts weniger
als einwandfrei. Unter dem Namen diefes ziemlich fchwach begabten Mannes aus
Conegliano befinden fich in den „Venetian painters“ ohne Übertreibung Bilder von
mehr als zehn verfchiedenen anderen Malern. Aber in diefem Einzelfall hat Berenfon
doch wohl das Richtige getroffen, wie meines Erachtens ein Vergleich mit dem be~
zeichneten Damenbildnis der Accademia Carrara lehrt.

Dem Polidoro de’Renzi da Lanzano gehört eine leidlich hübfche Madonna mit
zwei Engeln, die das Kind anbeten. Polidoro fcheint einen ziemlich ausgedehnten

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