Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 2.1910

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AUSSTELLUNGEN

STRÄSSBURG Das KUNSTGEWERBE-
MUSEUM verfendet foeben feinen Jahresbericht
für das Rechnungsjahr 1909, den der Direktor der
Sammlung erftattet hat. Äm meiften intereffiert
den Fernerftehenden aus den Mitteilungen der
Zuwachs der Sammlung, der fehr erheblich ge-
wefen ift. So wurden allein 89 Keramiken,
27 Arbeiten in Metall, 13 Arbeiten aus Holz,
außerdem eine Reihe wichtiger Gegenftände in
Stein, eine Anzahl Textilien, Einbände und
Miniaturen erworben. Unter den Porzellan-
manufakturen find es vor allen Dingen die von
Straßburg und Frankenthal daneben die von
Niederweiler, denen die Direktion den Ehrgeiz
des Erwerbens widmet. Auch die Bibliothek hat
eine ftattliche Vermehrung durch Spezialwerke
erfahren. Im Anhang der kleinen Schrift find
die wichtigften der befprochenen Stücke in guten
Reproduktionen wiedergegeben.

AUSSTELLUNG EN

DIE SCHWEDEN IN BERLIN Auf den

Schluß der fommerlichen Sezeffionsausftellung ift
fchnell eine neue umfangreiche Darbietung ge-
folgt: die SCHWEDISCHE SEZESSION, die im
Jahre 1886 geftiftet wurde und fomit zu den
älteften „Sezeffionen“ überhaupt gehört, zeigt
fich in gefchloffener Reihe den Berlinern. Von
Ernft Jofephfon, der auch als der Hauptorgani-
fator diefes Künftlerbundes aufgefaßt werden
kann, fieht man eine große Zahl von Bildern
und Zeichnungen, die den verftorbenen, jeßt viel
genannten Künftler nicht gerade als eine feft-
gefchloffene Persönlichkeit zeigen. Aus den
vorgeführten Bildern ragt ein prachtvoll flüffig
gemaltes Figurenftück von ungemeinem Glanz
der Farbe und mächtigem Ausdruck hervor, die
„Spanischen Schmiede“, die der Nationalgalerie
in Chriftiania gehören. Zu den in Deutfchland
bekannteren Männern zählt Bruno Liljefors,
vor deffen mit glänzender Technik und leich-
tefter Hand gemalten Tierftücken ich für meine
Perfon nie die Erinnerung an photographifche
Aufnahmen, wie man fie zum Studium des Vogel-
fluges hergeftellt hat, verlieren kann. Unter den
ausgeftellten Werken der anderen Künftler
herrfcht die heimatliche Landfchaftsfchilderung
vor, dann kommt das Porträt; Akt und Tier-
malerei fchließen fich an. Faft alle diefe fchwe-
difchen Maler haben in Paris ftudiert und fran-
zöfifch-impreffioniftifche Probleme find es, die
in ihren Werken ein gewichtiges Wort mitge-
fprochen haben. Das mag auch der Grund fein,
weshalb man nicht recht das Empfinden hat,

vor Sachen zu ftehen, die eine abgefchloffene
und nationale Entwicklungsftufe repräsentieren,
troß einer unverkennbar durchgehenden Note
ftrenger Wahrhaftigkeit und gefundener Natur-
liebe. Als Kunftwerke geben fie fich nicht reft-
los befriedigend, fo hübfch und nordifch-kühl
die Arbeiten eines Nils Kreuger, Rikard Lind-
ftröm, Karl Nordftröm, Herman Norrman, Axel
Sjöberg oder eines Carl Wilhelm fon find. Viel
reiner und raffiger wirken die Porträts, die m.
E. nach einen fehr hohen Durchfchnitt ergeben.
Ihnen allen ift jedes Theatralifche, alles Pofenhafte
und Gemachte fern, die Menfchen, die fie zeigen,
wirken gleichermaßen einfach und natürlich und
merkwürdig fympathifch. Ganz vortrefflich find
in diefer Hinficht Richard Berghs Arbeiten, die
Porträts des Dichters Strindberg und das von
Per Hallsftröm, ferner die Bilder der Gelehrten
Warburg und Ärrhenius. Allerliebft ift auch das
Porträt der Tochter des Künftlers — Eugene
Janffon, der in erfter Linie gewaltige Bilder mit
guten Äktfiguren malt (ein intereffantes Werk
läßt in eine Badeanftalt mit vielen fchönen
jungen Männerkörpern fehen), zeigt noch ein
brillantes Bildnis des Dichters Tor Hedberg
und ein hübfches Selbftporträt. Schließlich find
Wilhelmsons feine, mit ftumpfen Farben doch
ftark leuchtende Porträts zu erwähnen. — Die
Plaftiker machen keinen gleichmäßigen Eindruck;
fie fcheinen in Werken großen monumentalen
Stiles eher zu erlahmen wie in kleinen Statuetten
und Figürchen aller Art, die fie mit großer Deli-
kateffe und ftarkem plaftifchen Empßnden un-
gemein reizvoll geftalten. In dieser Beziehung
ift Chriftian Eriksfon mit pikanten Miniatur-
figuren uud einem filbernen Stockknopf befon-
ders zu rühmen; auch die kleine Holzftatuette
eines tanzenden Kindes ift fehr hübfch. Alles
in allem kann man fich freuen, die fchwedifchen
Sezeffioniften in Berlin als Gäfte begrüßen zu
dürfen: eine Zahl ernftfchaffender, vorwärts-
drängender Künftler, von deren Weiterentwick-
lung wir vielleicht noch mehr erhoffen können.

Svs.

MÜNCHENER AUSSTELLUNGEN

Die Jahresausftellung im GLASPALAST
fchneidet heuer wefentlich günftiger ab, als die
Vorgängerinnen feit langem. Hängekommiffion
und Jury haben fchärfer ihres Amtes gewaltet und
durch Zurückweifung einer Menge des Schlechten
und Unbedeutenden den Gefamteindruck, wenn
auch nicht erhöht, fo doch merklich verbeffert.
Freilich trägt nun dafür, da das Wertvolle nach
wie vor hier fporadifch auftritt und eine Vor-
herrfchaft des Mittelmäßigen gefchaffen ift, die
Ausftellung auch einen etwas montoneren Cha-

Der Cicerone, II. Jahrq., 20. Heft. 49

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