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Die Kunst-Halle — 7.1901/​1902

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Nr. 7
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Plehn, A.: Schwedische Kunsthandarbeiten
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Dworaczek, Wilhelm: Die Herbstausstellung im Wiener Künstlerhaus
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https://doi.org/10.11588/diglit.62513#0122

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eines Winterhimmels abheben. Die goldroſigen und die
graubläulichen Töne ſind in breiten Maſſen gegeneinander
geſchoben, und das zierliche Detail des Geäſts zeigt ſich
nur an wenigen Stellen mit der ganzen charakteriſtiſchen
Art der verſchiedenen Baumindividualitäten. In der glück-
lichen Miſchung von impreſſioniſtiſcher Farbenmiſchung
und intimer Beobachtung weniger Einzelheiten eignen ſich
dieſe Dekorationen vorzüglich zur Wandbekleidung, der ſie
farbigen Reiz geben, ohne Anſpruch zu erheben, daß man
ſie allein beachte. Es ſind vier Teppiche von gleichen Ab-
meſſungen, die alle ähnliche Waldmotive bei verwandten
Beleuchtungen zum Gegenſtand haben. Aur in dem bald
wärmeren, bald kälteren Ton des Lichts drückt ſich der
wechſelnde Stand der Sonne aus, von der man natürlich
nichts ſieht, ſondern die nur den ganzen Farbenton um
einige Nüancen abändert. Man könnte all dieſe Vorhänge
an die verſchiedenen Wände deſſelben Zimmers hängen,
und würde dann eine harmoniſche Farbenſtimmung in
ſanften Schwankungen bei jeder Wendung des Auges vor
ſich haben. }

Der feine Takt der Farbenbekandlung muß noch
beſonders an den ſchwediſchen Arbeiten hervorgehoben
werden. Es giebt weniger laute Ueberraſchungen, als
rückſichtsvolle Befriedigung, und nur in einer gelegentlich
vorkommenden Zuſtammenſtellung von Blau, Gelb und
Orange findet ſich eine kecke Neuheit. Es iſt der Maler
Gunnar Wennerberg, der ſie bevorzugt.

*

Die Ferbſtausſtellung

im Wiener Künſtlerhaus.
von Paul Wilhelm, Wien.

ie diesjährige Berbſtausſtellung im Künſtler-

hauſe erregt vornehmlich durch einige Kollek-

tivausſtellungen von Wiener Künſtlern In-
tereſſe. Die Landſchafter hugo Darnaut, Joh. Nep.
Geller, Jehuda Epſtein und Karl Pippich, welche
ſich bereits künſtleriſcher Werthſchätzung erfreuen, treten
diesmal mit größeren Kollektionen ihrer Werke auf den
Plan und geſtatten ſo ein eingehenderes Urtheil über
ihre künſtleriſchen Individualitäten. Hugo Darnaut wirkt,
wie immer, fein und angenehm in der Stimmung. Er
beherrſcht das Techniſche mit gutem Geſchmack und ſicherer
Hand. Aber gerade bei dieſer Expoſition von etwa 80
Bildern tritt eine gewiſſe Gleichmäßigkeit und Oberfläch-
lichkeit zu Tage. Man vermißt vor Allem Temperament
in der Farbe, das friſche, muthige Drauflosgehen, das die
Jüngeren manchmal ſo erquickend macht. Es iſt das Alles
ſehr tüchtige, reſpektable Kunft, aber Joh. Nep. Geller,
deſſen kleine Landſchaftsſkizzen durch ihre flotte Verve
längſt bekannt ſind, wirkt doch im Ganzen erfreulicher.
Er macht allerdings noch Verſuche in den verſchiedenen
Techniken, nähert ſich der Freilichtlandſchaft, um dann
wieder in einer älteren Manier ſein gutes Geſchick zu
zeigen, aber ſtets iſt er voll farbiger Freude und unmittel-
barer Lebendigkeit. Eine Anzahl Gouachen, ſowie einige
Praterbilder ſind voll feiner Beobachtungen und natur-
wahrer Friſche. Auch Jehuda Epſteiu hat einen -er,
frenlichen Aufſchwung genommen. Seine Skizzen aus

dem Süden, worunter zahlreiche Motive der reizvollen
iſtrianiſchen Küfte Covrana 2C.), ſind ſatt in der Farbe
und mit kecker Unmittelbarkeit erfaßt. vielleicht hat man
manchmal das Gefühl von Flüchtigkeit oder nicht voll-
kommener Dertiefung. Aber der Künftler hat Empfindung,
und man fühlt, daß die einzelnen Motive liebevoll geſchaut
und mit perſönlicher Wärme wiedergegeben wurden. Dies
ſchafft einen überaus ſympathiſchen Geſammteindruck.
vielleicht wünſchte man in den Skizzen aus dem Süden
mehr Gluth und Sonne. Aber Epſtein ſcheint für das
Idylliſche und Elegiſche mehr Eignung zu beſitzen. Er
hat auch in dem poetiſchen Lovrana den unſcheinbarſten
Punkten ihre — nicht Jedem gleich zugängliche — Poeſie
abgelauſcht. Darin liegt viel Echtheit, die in ihrer an-
ſpruchsloſen Art ſehr augenehm wirkt.

Karl Pippich, der das Aquarell dem Gelbild vor-
zieht, liebt mehr das Lebendige und Flimmernde im Ge-
ſammtbild. Er hat eine freie und dennoch nicht ängſtliche
Technik, zum Theil an Alt geſchult, aber doch breiter und
kecker im Strich. Nicht alles glückt ihm, und neben kleinen
Perlen treffſicherer Naturbeobachtung, die namentlich das
Augenblickliche eines Straßenbildes mit ſicherer Hand feſt-
zuhalten verſteht, findet ſich Manches, das etwas breit und
geſchwätzig im Detail erſcheint. Immerhin iſt Pippich
einer unſerer beſten Aquarelliſten. In einigen Oelbildern
nimmt er ſogar einen durchaus glücklichen Aufſchwung
zum größeren und vollgeſtimmten Landſchaftsbild, mit viel
Feinheit und nicht ohne Kraft, die ſich aus der Beſchrän-
kung der Aquarelltechnik glücklich zu breiterem und ſatterem
Ausdruck emporarbeitet

Die hier Genannten wirken künſtleriſch anregend und
erfreulich, was man von Ludwig Koch, der eine Serie
von Aquarellporträts ausgeſtellt hat, weniger behaupten
könnte. Daß Herr Koch die halbe Ariſtokratie und das
ganze hohe Militär abporträtirt und in einem „Gedenk-
blatt zur Erinnerung an den von Seiner Kaiferl. und
Königl. Apoſtol. Majeſtät anläßlich der Manöver in Jaslo
am 16. September 1900 allergnädigſt erlaſſenen Armee-
befehl“ zu einem ebenſo figurenreichen, als langweiligen


gewiß mehr Freude bereiten, als dem Uunſtreferenten, der
bei dieſen — zum Theil ja mit leidlicher Geſchicklichkeit
hingeworfenen — Köpfen ſicherlich nach dem Suſammen-
hange mit wahrer und wirklicher Kunſt ſuchen wird. Es
kann ja etwas ſehr nett gemacht ſein und ſeinem Schöpfer
— namentlich mit Rückſicht auf die gewählten Motive —
zu einer „künſtleriſchen“ Karriere verhelfen, aber wenn
man neben dieſer Muſterkollektion militäriſcher Uniformen
auch nur einen Augenblick an den großen Soldatenmaler
Menzel dächte, müßte man mit Schaudern aus dem kleinen
Saal ſtürzen. Aber das thut nichts; ich bin überzeugt,
daß Herr Koch über kurz oder lang den Franz Joſefs-
Orden erhalten wird und dann ſeine künſtleriſchen Lei-
ſtungen beſſer gewürdigt ſein werden, als dies meinerſeits
der Fall ſein mag. Herr Koch wird dann meine offene
Meinung über ſein künſtleriſches Schaffen gewiß freudig
verſchmerzen! —

von den übrigen, zum Theil recht guten Bildern
mögen die Landſchaften von Aug. Grösz (Frühlingsbild),
Cmil Strecker, Zoff, Emerich Feſter (Felspartie bei
Grillenſteinn, Tomec, Ribarz und Paul Joanowicz
lobend erwähnt werden. Auch Louis Uhl, Rauchinger,
 
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