Pfälzer Bote für Stadt und Land — 25.1890

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8 tägli®, Som- und Feiertags auzgenomımen. ifit Stuͤdt

4
Heidelberg, Freitag, 14. Marz 1880.

— — biertel{ädrli
Trägerlo f .
— — — ——
Nr. 61.
Kugel durch den Kopf ſchießt. Es falle aber keinem
Menfchen ein, zum Schutze von derartigen unglücks⸗
fällen ein Geſetz beantragen ZU wolen.. Nur die
Bauern wolle man zwingen. Aber der Bauernftand
ſei jetzt ſchon mit ſo vielen Zwangoͤgeſetzen und Straf⸗
berfugungen - unıgeben wie mit einem Zaun von
Stacheldraht. Man habe eine fonderbare Mrt, dem



Angzeige-Blaft für ſämmttkiche Bezirie
de8 hab, Ünterlandes. Vreis pro 1 jpalt, Betite
zeile 10 Pfg., bei Wiederholungen Rabatt.
Zaſerate jinden die weiteſte Verbreitung



und Lun.

*
S





25, Jahrgang-





Riefer ausgeführt, daß fogar Abſtimmende, wenn ſie
weiße Zettel abgeben, gar nicht gezählt werden ſollen⸗
und der hier anivefende Regierungoͤvertreter habe dieſe
Anfcht euergiſch unterſtützt! Hier lege derſelbe einen
Gefeßentwurf vor, worin ſogar Nichterſchienene unD
MNichtabftimmende als mit Sa oder Netnw ftimmend
gezäßlt werden ſollen. Mit gleichem Kecht Fönzte

*

* des Abgeordneten Gerber,

— 4 der 23. Sitzung der Zweiten Kammer
%e er Berathung des Geſetzentwurfs, die
rſicherung der Rindvichbejtände betreffend.

8 9g. Gerber anerkennt die wohlwollende, frei⸗

weil n der Regierung, aber iſt doch dagegen,
i 8* 44 Zwecke nicht entſpreche! Allerdings
Ü am eleß am grünen Tuͤche entftanden, nNäm-
mfrtf}id)afi%.m“e“ Tiſche der Ceutralſtelle des land⸗
egterunn DEn Bereins und amı grünen Tifhe der
Wolteg y 3 fet nicht aus Dem Bedürfniffe deö
fet auı WETDOrgegangen, ſei kein Bedurfuiß Darum
im VBolfe faſt allgemeine Abneigung gegen
. @3 fet ein Srrihunm der Kegierung, den
aftlichen Verein alzs den Vertreter der
ſchäft anzufehen, Derfelbe ſtche nicht In,
‘ Über ber?gßen der Landwirthichaft, oder vielleicht
%. MDeils > ar'e ben und feine ThHätigkeit heſtehe großen-
8* 4 die Bandmwirthe zu fchulmeiftern, wie
0 Sahren Nadler beſchrieben habe:
‚@enä nor heb ich gut verſtanne,
$ war ’em halt a gar nix recht,
Ees hot er g’jaht, wär nirnuß,
e mers bei uns Baure mächt.
e mer zaͤckere wie mer ſäe,




jedes Mal koſte es die
Geld oder an Freiheit.

Auch im Namlen. der Freiheit müſſe er


alle freie Bewegung in der Viehverſtcherung erſtickt.


derſchiedeier Einrichtung, jetzt fowWen ſie alle gleich
gemacht werden wie in Dem Bette des Prokuſtes,
Belcher alle Leute, deren er habhaft werden kounte,
in das nämliche Bett zwang, wenn ſie zu laug waren,
ſo ſtreckte er
fie gewaltfam aus. Ein Beweis, daß man auf ge⸗
wiffer Seite jede freie Bereinigung ZUV Viehber⸗
ficherung zu vexnichten ſuche, finde ſich bet der Ver⸗
Mitlelbadiſchen Bauernvereias, welche
von Beamten, Oberförſtern und landwirthſchaftlichen
Aulkturinjpektoren auf's Schärfſte befämpft werde.
Sobald der Bauernverein in einem Ort, wo gar
feine Viehverſicherung beſtand, ſeine Verſicherung ein⸗

man auch ein Geſetz machen daß die mit Lein Stim-
menden als zufiimmend gezaͤhlt werden. Der Grund,
daß fonſt die Sache nicht zu Stande käme, genüge
nicht. Mit dem gleichen Grunde konnte man Dies
im ?Rpicf)ßtage einführen, um der öfteren Beſchluß⸗
unfähigfeit ein Ende zu madjen, aher die Kegierung
werde ſich hüten, dem Reichstage einen ſolchen Vor⸗
ſchlag zu unterbreiten, weil ſie ſich dort compromit⸗
tiren umd allgemeinem Hohngelächter ausſetzen würde,
Aber uns legt man ſolche Ärtikel als Geſetzentwurf
vor Aus dieſen Gründen ſtimmen wir gegen das
Geſetz und hitten das gauze Geſetz abzulehnen und
dagegen unfern Vorſchlag anzunehmen, wonach die
Rehlerung aufgefardert werden ſoll, einen neuen Ge⸗
ſetzentwurf vorzulegen, wonach mur dasjenige Vieh
ent{häbdigt werden ſoll, welches für ungenießbar er⸗
flärt iſt Für das nothgeſchlachtete Bich, deſſen
Fleiſch N0 genießDar iſt koͤnnen die Viehbeſitzer in
Hinlänglider Weiſe ſich ſelbſt durch gegenfeitige Ab-

S



— —



Ueber alles ohne End
Hot der Herr mit geele Händſching
Ju N3 gezankt un runnergſchändt.
Gedante landwirthſchaftlichen Vereine fei der
Aufger Dmmnex allgemeinen Laudesrindviehverſtcherung
Netſel * und daher ftamme der Geſetzentwurf.
e8 for < Uhe auf brthümlichen Auſchauungen, denn

nahıne des Fleiſches entſchädigen. Das geſchieht auch
jetzt ſchon faͤſt allgemein, ſelbſt dort, wo kane eigent—
lichen Viehverſichekungsvereine beſtehen. Aher dann
jollte man auch dahin wirken, daß nicht mehr ſo viel
Vieh berlocht werden muß, welches noch recht wohl
genießher wäre, Früher war man in dieſer Bezieh⸗
ung nicht ſo empfindlich unDd in andern Ländern ſei
e8 audj jeßt nicht 10, Die Berlfucht, welche die
Leiſtcn Derartigen Faͤlle veranlajje, jet eigentlich nicht
{o gefährlich. Das perlſüchtige Vieh ſei gar nicht
franf, e& befinde ſich wohl, frißt, verdaut, gibt Milch,
fanı fogar gemäſtet mwerden. Wenn der perlenartige

führte, fommt der Auitmann und führt noch eine an—
dele Viehverſicherung daſelbſt ein. In einem Orte
feien mehrere Thiere an Milzbrand verendet und die
Befitzer haben ihre Entſchädigung au3 der Staats⸗
faffe erhalten, nür derjenige, Deffen Vich im Bauern⸗
m}iü * * —— * — 7* *4
Man erth der jährlichen Biehberlujte auf eine | Cin (Oriftlihes Zengniß des Thierarztes vorGetcaCl,
m&“‘&“ berechnet, 44 4 alle — daß e3 Milzbrand gewefjen fei, Wenn ein Stüg
ähreny SalNzen Werthe der Thiere eingeredhnet feien, Bieh bet der Schladtung al erlſuchlis Defunden
der f Dier der Schaden größtentheils gedeckt werde, | WOLDOL welches im Vauernverchi veyſichert war, 1D
e Nı Mintverluft belaufe ſich alſo höchſtens auf fei e& faft immer für ungenießbar erklärt, [o daß im

derer qutelmillion, für deren Deckung danıt in an MRerein im vorigen Jahre mehr als die Hülfte aller

Gefep. eiſe geforgt fmerben follie afi,„‚ vurch diefes Schadenzfälle zur Verlochung geführt habe. Woͤwichẽ entfernt ift, köune fein Menſch mehr dem
B eiyen CM dDiefes heſes müſſe er fiimmen, weil Noͤch ein auderer Grund zur Ablehnung dez Fleijh anfehen, daß das LThier Der
detmöge Ömweren Eingriff in das Privat- | Gefeges finde f in den 4 4 der Artitel 2 | Berliuchtbacilus fet ein fo fabelhaftes Zhiet,
haltẽ * und in deffen Verwaltung ent- | und 6, wo befttmmt werde, daß bet Ginführung der | Die Seefchlange, welde muur Don WENIGEN Venſchen
Teine Sahr nft jtehe e3 Doch jedem Menfhen frei, | Zwangsverficherung der Nichtabfiimmenden für ZU- gefehen worden fein wil. Die meiften Menſchen
zu erfichern' wie er wolle, oder nicht | jtimmend, bei der Frage Nadh Auflöſung der Zwangs: haben ſchon Schaden an der @efunbi_)etct\ zu Eiden
Sahrniffen r Das Rindvieh gehöre au zu den yerficherung die Nichtabftimmenden als gegen die Auf- &3 jet fogar ſchon vorgekonımen, daß HJemand ge-
Diefen * aber den Bauersmann wolle man zwingen, | Löfung {timmend gezählt werden. Solches biete man | zade den perlartigen AuswuchS gegeſfen habe, ohne
1D zu verfich feme‘ß_%ermögenä zu berſtchern und zwar | mur dem Bauernitand, kein anderer Stand würde ſich Schaden zu nehuen. ; ’ :

&® wil ererq’ wie es hier vorgeſchrieben wird DD | dies gefallen laffen. Diefe Geſetzesbeſtimmung wider⸗ Wenn für Das ungeniehhare Vieh Entſchädigung
Leute noͤihi nicht Da koͤnnte man doch guch andere | [preche allen Geſetzen der Logit. des geſunden Den geleiſtet werde in ähnlicher Weije, wie jeßt ſchon nach
Inften gen, ihr Vermögen vor plöblihen Ver= | kenz, fie fet ein Widerfprum mit ſich felber, unlogifd) | Dem Senchengeſetz für dasS an Milzbrand und Lungen⸗

feuche verendete, ſo ſei damit der Landwirthſchaft ge⸗
nuͤgt. Vor jeden Mißbrauche, durch Einſchleppung
perlſüchtiger Thiere aus Nachbarländern oder durch
mißbräuchliche Ausnützung der Landesentſchädigung
fönnen fehr wohl im Geſetze hinreichende Schutzmaß⸗

Marn hielt die Beiden, die ſich weder im Speiſeſaal, noch im
LZefezimmer blicken Ließen, für nienſchenſcheue Hochzeitsreiſende.
Sines MorgenzZ Ningelte nun der vermeintliche Ehemann und
Tieß den Wirth zu ſich bitten, den er eine Banknote von 1000
Fr8, zu wechſeln erſuchte Der Wirth entfernte ſich und kehrte
alsbald mit einem Saͤckchen wieder/ das die gewünſchten Gold-
{tücfe für die dem Gaſtwirth noch ‚icht eingehändigte Banknote
enthıelt, Während der Fremde nun das „Kleingeld“ am
Schreibtiſche zu zählen begann, erſcholl aus dem Nebenraum
der KRuf einer Frauenftimme, „Pardon“, ſagte der Herr, indem
er da3 Säcchen mit den Goldjtücen in ein dach des Schreibs
tijche& Legte, „icd Komme gleich wieder, zähle nach und händige
Shnen mit beſtem Danke die Note ein,.“ Der Wirth wartete
fünf, zehn, fünfzehn Minuten, Dder Fremde kehrte nicht zurück.
Das Warten verdroß den Wirth, aber da ſeine Goldſtuͤcke in
der Sıhublade Iagen, an der ſein Auge ununterbrochen haftete
ſo war er ganz unbeſorgt. Nach 20 wiinuten klopfte er an der
Thüre, durch welche der Gaſt verſchwunden. Keine Antwort.
Nun näherte er ſich dem Schreihtiſch/ zog leiſe die Lade hHeraus,
in welde das Paͤcechen mit Gold vor ſeinen Augen gelegt
worden war und fand zu ſeinem Staunen und Entſetzen dieſelbe
feer. Wie und wohin das Geld aus dem von ihm felbjt be⸗
wachten Schreibtijdhe verſchwunden ſein fonnte, war ihm ein
Raͤthſel. Eine ſofort angeſtellte Unterſuchung ergab aber als⸗
bald folgende Söfung, Der Fremde hatte die Scheidewand
zwiſchen beiden Zimmern, an welcher Dder Schreibtiſch ſtand,
an einer Stelle durchbrochen und hier auch die Rüdmand des

und unrichtig, ſie ſei ein Unſinn. (Der Präſident
rügt den Auodruck „Unfiun.“). In der hl. Schrift
heiße es: „Alle deine Geſetze ſind Wahrheit.“ Aher
yon diefem Geſetze könnte man das nicht ſagen. Mit
feit habe vor kurzer Zeit Herr

l So fei e8 gerade in Karlöruhe
gene8 %err%äf_ommen‚ daß Jemand nicht nur ſein ei-
Vorf — ſondern auch das anderer Leute in
bon Dan““bßnen verloren habe. Das Ende da—

n das Gefängniß oder daß er fich eine ' großer Beredtiam
die Kanzler-Grifis.

Aus den „Quftigen Blättern“
%aßt * gl z

® gehört ? Durchfuhr der Schreck die Glieder?
Die 8 4 uns faßte wildes 8*
Und Wiche ühr, fte halite hin und wieder
Der — durch die deutſchen Gaun;
ie. in p anzler fteclt in einer Crifis
Da — bald von hinnen treibt,
Der @anäflr feufzt: Ofivig und o Sfis,
8 geht — fal8 er nicht etwa bleibt.

ſchlini ;
Zupier Gl e8 Mingt, es kmeidli
8 — 7 MR
Bevor * * war die Sache deutlich,
Seht diefe Tang zu weit’rer Kreiſe Ohr;
Wie ihr per ein Leitartikel ijt e8,

4* die Offiziöfe {chreibt,
Der ——— Jorgfam dulch und nachher wißt es:

‚ geht — — entwebder, oder bleibt.


is
den freien Willen Haben,
KOt Düisfen 208 muß jofort gefeh'n,
ND qnd’re * des Freijinns boͤſe Anaben
Geidhieht ihm im Weg fteh'n;
So übt H.. 2 Aber in verftärktem Maße,









23, Februar, wird der Frkf. Ztg. geſchrieben? Im Sitzungs⸗
jaale des Stadtrichters Bradwell in Chicago ſpielte ſich vor
einigen Tagen eine merkfwürbige Scene ab. Zwiſchen den
hHarrenden Kechtzanmwälten auf der jogenannten „Advokatenbant“
hatte ſich eine hübſche Dame niedergelaffen, welche durch ihre
Mugengläjer die erröthenden jungen Nechtsbeflifjenen mit heraus⸗
fordernden Blicken maß. Keiner der Herren fühlte ſich berufen,
die junge Dame von ihrem Rlage zu verweijen, wohl aber be-
nachrichtigte einer derſelben den Gerichtadiener, welcher ſogleich
herantrat und die Dame darauf aufmerffanı machte, daß jene
Bank ausſchließlich für die Herren Nechtzanmwälte beftimmt ſei.
Statt aller Antwort wendete das Fräulein dem Gexichtodiener
ihren Rücken zu. Dies vrachte den Beamten ſo ſehr in Harniſch,
daß er ſich erlaubte, die Dame beim Aım zu ergreifen, um ſie
Hinauszuführen, — kaum hatte er fie ſedoch berührt, als Die
Miß einen ihrer Gummiſchuhe abzog und den Diener zu be⸗
arbeiten begann. Leider blich es hiebei noch nicht, Ddenn im
RNı Hatten die Kämpfenden ſich umfaßt und, e& bedurfte der
vereinten Anftrengungen von Advokaten, Schreibern und Poli-
ziſten, um die Wüthenden zu Iremnen, Nachdem dies geſchehen
wax, ftellte es fich heraus, daß die junge hitzige Dame die Ad⸗
pokatin Miß Kate Kane fei, die als Bertheidiger erſchienen
mar und fomit allerding3 ein gutes Pecht beſaß, ihren Sis

%“nn — des Entfagens Pilicht, auf Dder Adyokatenbank zu nehmen. Richter Bradwell entjchul- Schreibtiſches LoSgelöft. Nach dieſen des Nacht3 getroffenen

er — ie Meldung aug der WilhHelmftraße: digte ſich in Folge deffen bei ihr und legte dem allzueifrigen VBorbereitungen hatte er am Morgen bloß die Hand aus dem

gedt — — dielleicht nach rauge nicht. Gerichtadiener eine Strafe von 5 Doll, auf, womit fiH Mig | Nebenraum nach dem ven Wirth bewachten Geld ausgeftrecit

58{? andere Motive ſi Kate zufrieden erkllärte, „da ſie das Nebrige ſchon ſelbſt beforgt | und mar mit diefem und feiner Begleiterin dann eiligſt ver⸗

Qn R8 erflären, d — habe,“ Mebrigens Miß Kane diejelbe Advokatin, welche vor | fhiwunden. *
8 5* 4* —4 — * * 4 — — — * 44 * 4* 7*
gt ſi ohl verſtanden, in’8 Ge oß, weil feiu urtheils ſpruch ihr nicht gefallen hatte, 7

* — — dem Entſchluß; — llebg er einen genialen Gaunertreich wird aus ; Lumoriſtiſches

— — 7 — find gefallen, Rumänien folgendes berichtet: In dem beſten Sajthofe einer — Fein berednet, „Bäterhen, das ift der Sorelei-
wöltt uns verz und Sinn, großen rumänijchen Stadt fjtieg ein jUngeS, feingekleidetes Paar | feljen! Die Sorelet ſelber ſitzt aber nicht mehr Ddarauf !“ —

„nSo? Laß’ un hinauf geh’n, vielleicht, daß fie hat liegen

ADnen
Der Qunaäungg? ſprechen jOreien, Iallen;: ;
iaffen ihren goldenen Kamm 3 1““

E ab, bezog zwei Zimmer zu ebener Srde und verzehrte einige
g — man weiß bloß nicht, wohin!

Tage hindurd) das Befte, was Küche und Keller bieten konnten.






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