Pfälzer Bote für Stadt und Land — 25.1890

Page: 131 1
DOI issue: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/pfaelzer_bote1890/0525
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile


>




















— tägli®, Sonn und FeieriagS ausgerorwen
— nıit Unterhaltungsbeilage. viertejährlid
— ohne Trägerlohn Vojtenfjehlag. Beftehlungen
det᷑ bex Boftanikalten ı. bei der Gypebition Plöcdjiraße 108,

ür Stadt












Anzeige-Blait fur Jämmtlide Bezirke
des bad. Unterlandes. Preis pro 1 ſpalt. Petit⸗
zeile 10 Bfg., bei Wiederholungen Rabatt,
Inſerate finden die weiteſte Verbreitung.





Nr. 131. Heidelberg/ Donnerſtag, 12. vuni 1890.

SEA
* Bede des 4bg. der Erſten Kammer
Freiherrn Franz v. Hodman
über die Walldürner Bittſchrift um Kapuziner.

Meine verehrten Herren! Der Bericht Ihrer
Fommiffion iſt auf den eigentlichen Kern des Geſetzes
eeg und gelangt zu dem Schluſſe, der Petition
& Qus praktiſchen Gruͤnden keine Folge zu geben. Ich
eute mir dieſes Vorgehen der Kommiſſton eher günſtig
AlS ungünftig für die Petenten und Befuͤrworter der

etition. und kann darin keine einfadhe Tagesordnung
7* Jondern eine motivirte Tagesordnung aus prak-
ſchen Erwägungen, Ich werde daher bem Vorgehen
er Kammer folgend möglichſt wenig über das aufzu⸗
Lbende Geſetz ſelbſt ſagen, und warum ich es für ganz
Unbaltbar Halte, ſondern ich möchte einen Augenblick
& jenen praktiſchen Gründen verweilen und ſehen, ob
* auch dieſe nicht unwiderlegbar ſind. Am Schluſſe
e Berichts heißt es S 3: „Iu dem Wunſche nach



mußten, daß ſie auf falſchem Wege ſind, dieſen Irrthum
auch eingeſtanden und wöglichſt wieder gut gemacht
haben. Was nun den drilten Punkt betrifft, ſo bin
ich weit entfernt, von der Regierung verlangen zu
wollen, daß ſie der Majorität der Volksvertretung nicht
gebührende Rechnung tragen ſollte — allein ſo ganz
machtlos ſcheint ſie mir doch nicht zu ſein — es ſtehen
ihr ja große Mittel zu Gebot, um auf die öffentliche
Meinung einzumirken, und wenn ſie etwas für ricbtig
haͤlt und wenn ſie dies mit Entſchiedenheit anſtrebt,
ſo wird ſie viel erreichen können. Gerade die Erfah—
rungen der letzten Land und Reidhstagswahlen haben
der Regierung gewiß reichen Stoff zum Denken gegehen
und ſie hat fich gewiß fragen müſſen, ob ſie in dieſen
Fragen auf dem richtigen Wege iſt . Die gläubigen

gethan, und ich glaube mit vollem Recht zu gut gethan—

Lahrung des Friedens . . . gehen die Anſichten aus- vor den Kopf ſtoßen wollen, hefonders in einiger Zeit,
finander.“ Von der einen Selte witd der religiöfe | wo die Sozialdeniofratie ſo kühn ihr Haupt erhebt und

eine Menge von Unzufriedenen ſich um fie ſchaaren.
Ich begnüge mich mit diefen Inrzen Andeutungen, ich
daue auf die Gerechtigkeitsliebe großh. Reglerung


Ötieben und deſſen Wahrung darin geſucht, daß die
Itholiken ſich mit den beſtehenden Zuftaͤnden und Ge—
Een zufrieden erklären und nichts Beſſeres erſtreben
Elen. MAndere und darunter auch ich fehen ihn darin, 5 hohen Haufts,
AB man den Katholiken gewähre, daß ſie auch wirklich hoffe auf die Zukunft Im Einverändnik mit meinen
Wrieden zu ſein Ürfache haben koͤnnen, daß man ihnen politiſchen Freunden ſtelle ich den Antrag dieſe Petition
gebe, wa fie von Redhtawegen beanfpruchen Können, der großh. Regierung emplehlend zu öberweiſen.

h.“% die Parität wirklich geübt wird, und daß die Katho— err Ffarrer Naͤcher über die Freſſe

lik
Aus ſeiner Rede in CSdingen am 1, Juni)

er
2



Hen ſich gegen andere Konfeſſionen und im Vergleich
Mit den Kachbarlandern nicht benochtheiligt fühlen
;“ufieu. Die Hauptgründe zur Ablehnung ſchehit mir
er Bericht darin zu finden, daß 1. Neuwaͤhlen zur



—— Sr ' ‘ Amtöverkündigerunmefen aufrecht erhalten wird. Ich
ng, Willenzäugerung der VBolksvertreiung Rechnung
tagen, Was den erfien Punkt betrifft, ſo iſt ja richtig, |
* die Katholiken nicht die Mehrheit in der VBoll8: |
Itretung haͤben, aber gerade bei dieſen Neuwahlen
Ven fie ſo bviele Sitze errungen, als ſie nach den ge⸗
4 — — wehnr erobern Fonuten und | die Stiants-, Freis; Dder _ Semeindekaljen fliehen,
* der. Hauhtorunde htefür iſt gerade in der Ab- wenn Sie mır das Amtsperkundigerunweſen aufheben
ung jenes Artitels 4 zu ſuchen; wenn nun auch wollten.
4* Petition keine Folge gegeben wird ſo darf mit ; ſind nicht dazı-Dda, unı die Intereſſen
272 erwartet werden, daͤß ſie auch bei den nächſten Partei zu foͤrdern.
Vlen wieder einige Sitze erobern werden. Ferner
4 $ mich bedinten, daß jene feierliche Kundgebung/
der der Berich ſpricht, vielleicht nicht erfolgt wäre,
nn die liberale Partet damals die Erfahrungen ſchon
S*Macht haͤtte, die fie dei den Reichstagẽwaͤhleu machen











25. Jahrgang.



Örterungen ſich nicht empfänglich zeigt deßwegen, weik
ſie eben nicht für den nationalliberalen Parteivortheil
ſprechen. Unterſchätzen Sie ja, meine Herren, die
Preſſe unferer Partei nicht, ſeien Sie nicht zu ſtreng
im Urtheil über dieſelbe. Gewöhnen Sie ſich daran,
daß wir der Preſſe gegenüber in ganz anderer Lage
ſind, al3 die nationalltberale Bartet, Die letztele
und die Männer, welche Preßorgane derſelben uuͤter⸗
halten, haben pon vorn hexein die reichſte unterſtütz—
ung, ſie ſind weniger abhängig vom Publikum, we⸗
niger abhäugig davon, oh das Puhlikum dieſe Blätter
will oder nicht. Sie müffen auch weniger nach ihrem
Dieſe Blätter exiſtiren und können
es darauf anlonmen laſſen, ob das Publikum ſie
ſucht oder nicht. Bei unferen Blättern iſt es Vor⸗
hedingung, daß das Publikum ſich einſtellt, welches
ſie halten ſoll. Das wollen Sie nicht außer Acht
Ich glaube unſere Preſſe und die national-
liherale zu fennen, ich habe eine ganze Menge gegne—
riſcher Blätter, die, wenn auch nicht jeden Tag, ſo
doch ſehr fleißig gelefen werden Unter ihnen Definz
den ſich ſolche, die nach ihren Leiſtungen gar nicht
exiftiren fünnten, wenn ſie nicht anderweitige Unter-
ſtützung hätten. Aber, meine Herren ich habe noch


Ste einen nationalliberalen Kunden ſolcher Blätter
fragen würden, würden Sie hören, dieſe Blätter ſeien


brauchen mwir eS nicht mif Unferen Blättern zu
? machen, aber doch auch nicht gerade umgekehrt. Bei






* te, Dieje Kundgebung f{Hredt mig nicht fo fehr | zelnen genau fejtftellen 1äßt — die nattonalliderale ;
Und i rvechne bennoch auf einen Umfhmwung. Selbft | Vreffe über Bord zu halten. Es handelt ein Mini- ;

di — p2 2* * WLrn N $ 1 1 hahat
* gtößten Mänuer haben ſich in religids polttiſchen ſterun und es Handelt eine Kammermehrheit gegen
Agen ſchon im Irrthum befunden, und gerade da⸗

Urch ibre Größe daß fie, als fie einſehen! Volkes und der Staatskaſſe, wenn ſie



für





ſolch

— — — — — — einer D
2 ; Zöglinge der weltbekannten Militärfhule von St, Cyre, Geine
Die ſchwarze Hand. } Erziehung war eine gule und ſie fiel auch auf keinen unfrucht-
Koman von Lambert de Ste, Croix, * 2 wenn er auch einige Jahre meht AB nöthig
— Neberfebun am Pariſer Leben {heilgenommen hHatte, - Imn Uebrigen war

riftrte freie Neberfegung von Philipp Freidank. Raoul ein guter Menid geblieben. ;

UE Der Bater KRaouls hatie, nadjdem er Spanien unter ſo
Auf der Fährte. —— Umftänden, wie man weiß, Verlaffen, und Danır
Die S — ; * in Paris das alte, ziemlich Leichtfertige Seben wieder ange⸗
— — befonders — Als er eines ſchönen Tages dieſes elenden Lebens







Nachbruck verboten,

OS — — * fangen.
Dei aabirefdy‚r} AWagen, welche nac der Dörle fahren, ſind 4 4 RRI r 6, Damlit beipt
ag 16 diee eingigen. 4 | Sar ⏑⏑ er Heihe‘ empland,
Ruhe IJedermann auffällt, Die Stille f[AUt 1e . SE R — FE
* ie Frie — Pafjanten auf. Nicdt weit davor, gegrnreaä%äu%tuni;aä.aeaanLen duͤrch feinen Wortbruch ſo ſchwählich
n der Ede der Stiraße Port-WMahon, befndet ſich ein durch Das junge Madchen, welches er in Paris ehelichte, fand

die 85 * *
— biejes Staditheiles wie auc durch die Börjen- ihn trogß jeines ſchiechten Nurfes, oder gerabe deßhalb vielleicht,











er Banfbeamten { g ——
Krot * —— * 42 — 5* wie e& in gewiſfen Kreiſen leider Mode ‘_qcmo}jbc:} war, für
o Bedienung‘ des Reftaurant8 genieBen verdiente Anz } hegehren8werth. Und fo fand die Vermählhtug Hatt, — ——
— — ® — * DurG bie Guade Gottes murde die CShe eine ziemlid
S glückliche. Sin Jahr nachher zerriß Ddie Se



5 den bereits genieldeten That⸗

4 at. im einem Dder iır Sutrejole borhandenen ges
* jenem Räume drei Gälte dem Diner eigentlich beffer
'"98, einem opulenten Frühftüde — ale Ehre anı

— bder Gäfte, etwa 27 Jahre alt, ein hühſcher junger

glei, , fiel durch ſeine offenen und freien Seficht8zige —

. z * —
Etwa vierzehn Tage nach Band gegenjeitiger Zärtlichkelt ZW{]
NRabul war vierzehn Jahre alt, al
Sraf empfand durch den Verluſt jeiner G
gelernt hHatte, den heftigſten Kumure
degann er danız in feinent Leichtſinne
als Spieler und Sportsmann,





n— ——————

8 Erzeit aber durch fein ſtaulliches Ausjehen auf. SGe- ° Sahre, Endlich Sffnete iHureitie {
dr ten Mndliges, Den martialijichen Schnurrbart e aufge= } zigen SohHnes jeine Augen. Er hatte A ga

uögen im Spiele verloren. Diefes n und mwollte
wiedergewinnen und deshalb manderte er nad) den
Staaten von Nordamerika aus, Seinem Schwag—
die Sorgen für die Trümmer feines Bermögens,

?T‘{i' bot Graf Naouk von Fereive das Muſter eines Savalleries ;
da 8 dar. Er war — Dder Leſer wird e® jofort DHegriffen ;
er O — der Sohn jener Perſbnlichkeit/ welche ſich gegenüber ;
Derzogin von Moron vor Sahrzehnten angeblid J0 un-





mie er ihm


können wir
* D. R
d. „Bf. B) — bect uns droben im Lande meint je⸗
der, wenn er ein Zeitungzblatt unjerer Partei haͤlt,
er fet nneingeſchraukter Richtet dieſes Blaͤttes und er

über dasſelbe zu ſchinipfen, wenn eS in dieſem Dder

troffen hat. Alſo Nachſicht, meine Herren, oder
wentoftens Gerechtigleit und Kücficht darauf, daß
dieſe Blätter daz Jutereſſe unferer Partet, unferer
gemeinſamen Sache vertreten und gewöhnlich einen
harten Stand hahen. Wer anders handelt und keinen
Unterſchied macht, mit wem er pricht, ſpricht aber



Der Lachtragsetat,
betreffend die Gehaltzerhohungen, iſt den Reichstag
jetzt zugegangen. Die beigegebene Denkſchrift ſagt?













fquäz benommen hHatte, Der junge Graf von Felette hatte fih, | au die Erziehung jeines einzigen Sohnes anderiraute, .
Einige, M Grade des Lieutenants emporgeftiegen, in Folge ; Kaoul unterftand Ddemgemäß des Obhut feines Onkels ;
“ßng_% ım Kaffeehanfe begangener Iugenditreiche, eine Neihe ; Iojeph Dubois, — jeine ganze Liebe in Die Ergiehung
tärij n er afuugen gugezogen, welde IOr veranlaßten, die milis | de8 Kindes feiner Schweiter zufammen{ließen Ließ, Nacdhdem
tüü)t' © Saufbahn aufzugeben, 05wohl er ein fenntnißreidher ; der junge Graf das Qyzeuum abjolvirt Hatte, ſchickte ihn fein ı
* iger Offisier war. &3 fehlte ihır zwar niht an Uebers ! Onkel auf die XriegSjhule von Saint-Cyre, Diejer ausge= ;
S, aber er mar nicht im Stande, eine vorgefaßte Idee auf } zeichnete Onfel mar nun im Reftaurant Saillont der NMachbar :

großen Bevölkerungoͤklaſſen die Anſprüche an die
Lebenshaltung geſtiegen und verſchiedene Bundesſtaaten,

— —








hnete nebſt einer
in etmasS faͤrk

Ein breiteS feites Gejicht 3
großen Glatze den braven Onkel aus — und
gerathener Bauch bewies daß der Träger desſelben die Freuden
der Tafel nicht berſchmähte! Daß der gute Onkel ſein kleines
rechtes Auge mit einem Monoele beläjftigte, bewies endlich
daß derſelbe nach Pariſer und anderer Großſtädte Sitte voll-
ſtändig „Chic“ war.

Herr Dubols hatte als Zucerrajfineur ein großes Ver⸗
mögen und ſpäter dazu den Orden der Ehrenlegiolt erworben.
Mit einer mehr als gewöhnlichen Jutelligenz begabt und mit
einer jeltenen Redlichkeit auSgeftattet, hatte er ſich in der Welt
eine gewiſſe Hochachtung zu erringen verſtanden! : Cr genoß
deßhalb mit Recdht den Ruf eines SGentlemens, AlZ hart
naͤckiger Hageftolz hHatte er e$ meilterhaft verſtanden, alen
jenen Berfuchen, ihn in den Hafen der Ehe zu Lootfen, ug
aus: dem Wege zu gehen, Herr Duboig beſaß ferner eine
prächtige Wodnung in ‚inem in der Straße von Clihy in
Paris gelegenen Hauſe Ddes Grafen von Fereire; in di
Hauſe haͤtte Ravul unter den väterlichen Augen ſen
mundes feine Studien vollendet.

Sein O 2































le vor
80,000 Ä
loſſe des Graf

Der cn wurde mit Leichtigkeit



{ teoteletts,
ſch H inde ließen
Herr Bignorrain war der

Sachbalter X Srafen. . R S
Das opulente Frühſtuck nahte ſich jeinem Ende und die

rde lebhafter.

‚„ Meinx tieber Freund,“ ſagte Pignorrain, „wmir werden
nicht ing Klojter gelangen, wenn unS nicht durch eine Vollmacht
Sifchof@ deffen Thor erſchloffen wird; e8 fönnte {ogar
glich fein, Daß Ddazu eine Erlaubniß aus Rom nofh-
wendig fein wird, IM habe genaue Erkundigungen eingezogen
und erfahren, daß dieſe Religioſen unter ſtrengfter Claufur Feben,“

Joriſetzung folgt.)







loading ...