Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 3): Süddeutschland — Berlin, 1908

Page: 147
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dehio1908bd3/0158
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Glo

— 147 —

Gmü

GLON. OBayern BA Dachau. Inv.
Dorf-K. Außen am Chor ausgezeichnete Holzgruppe der Pietä,
Maria auf einer mit Maßwerk geschmückten Bank, E. 14. bis A. 15.Jh.

GLÖTT. B.Schwaben BA Dillingen. [Sch. V.]
Kapelle im ehem. Schloß der Grafen Fugger: Marmoraltar, vor-
nehm klassizistisch, bez. I. tngerl 1791. Ölbild der Beweinung
Christi von J. Bergler 1788.

GMÜND. W.Jagstkr. OAmtsstadt. Inv. [D.]
Hauptpfarr-K. zum H. Kreuz.0 Der bedeutendste Bau Nieder-
schwabens im 14.Jh. neben der Reutlinger Marien-K. In der kunstge-
schichtlichen Literatur viel genannt als älteste (aber lange falsch
datierte) Hallen-K. Süddeutschlands und Ausgangspunkt der Parier-
schule. Die Kreuz-K. ist, wie mehrere andere got. Stadtkirchen
Schwabens, nicht aus einer einheitlichen Unternehmung, sondern
aus stückweisem Umbau einer rom. Vorgängerin hervorgegangen.
Die Inschr. 1351 am NOPortal beurkundet lediglich den Beginn des
Chors. Das Lhs. ist älter, etwa um 20—30 Jahre (das Ornament
auf der Stufe der Marien-K. in Reutlingen). Die „örtliche Über-
lieferung", derzufolge die K. von Meister Heinrich 1333 begonnen
sei, läßt sich nicht über das 19. Jh. zurückverfolgen; sie scheint
nur eine Folgerung aus der bekannten Inschr. des Prager Domes
zu sein. Dort wird ein Henricus de gemunden in suevia Vater
des Peter Parier, aber keineswegs Erbauer der Kreuz-K. genannt.
Dies ist lediglich Hypothese, wobei noch offen bleibt, ob er
für das Lhs. oder für den Chor in Anspruch zu nehmen sei.
Zu 1372 wird als Werkmeister ein Johannes genannt, in dem
man einen Sohn jenes Heinrich vermutet. Ihn für den plan-
entwerfenden Meister des Chors zu erklären, ist aber bedenklich,
da er 1357 in Basel, 1359 in Freiburg war. Der Gr. des Chors
erinnert an österreichische Hallenkirchen; woher das Hallensystem
des Lhs. kommt, ist eine ungelöste Frage. Gleichzeitig oder wenig
später tritt das Hallensystem in Herrenberg auf. — Im Raum-
bild, wie es jetzt ist, stimmen Lhs. und Chor nicht gut zusammen.
Ursprünglich hatte ein jedes selbständig zu wirken, da zwischen
den Abseiten des Lhs. und dem Umgang des Chors die sprom.
OTürme stehen geblieben waren. Sie stürzten 1497 ein. — Das
Bezeichnende an der Disposition des Lhs. ist, daß sie auf die be-
sondere räumliche Natur des Hallensystems nicht eingeht, vielmehr
bei den gewohnten Verhältnissen der Basl. verbleibt: im Msch.
schmalrck. Joche, in den halb so breiten Ssch. quadratische. Die
Pf 11. rund und schon sehr schlank. Die schön geteilten Netzgwbb.
(wie auch die des Chors) an Stelle einer provisorischen Bretter-
decke erst 1491—1521. Im Chor steigert sich die H. der Pf 11. auf
mehr als das Dreifache der lichten Ssch.Weite. Er schließt im

10*
loading ...