Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 3): Süddeutschland — Berlin, 1908

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Emp. des Lhs. ein brückenartig an den Kreuzflügeln hingeführter
Laufgang. Ganze L. 58, Lhs. und Chor jedes gleich lang. Die
Stuckdekoration0 der Decke von einem der besten in diesem
Fach, dem Wessobrunner Joh. Schmuzer; Akanthusranken an den
Gurten, Lorbeerstäbe an den Schnittlinien der Stichkappen, in der
Mitte Kartuschen; alles weiß; Farbe (Holzbraun und Gold) nur
an den Altären. Der die Schlußwand ausfüllende Hochaltar» in
großen, gravitätischen Formen (Gemälde von Joh. Heiß aus Mem-
mingen), die übrigen geringeren Wertes. Chorgestühl0 von Paul
Speisegger, bez. 1690. Mehr in der Tradition des deutschen Bar.
das prachtvolle Eichenholzschrankwerk der Sakristei 1672. Das
Gestühl0 im Kapitelsaal, seit 1705 vom Tiroler Andreas Etsch-
mann, ein Werk zügelloser Genialität, mit dem verglichen das
Chorgestühl der K. nüchtern erscheint. — Außenbau verputzt,
trockene Pilasterarchitektur, Turmpaar im O.
Klostergebäude 1686—1702 im Charakter des älteren deutschen
Bar. Der OFlügel mit riesigem Prachtsaal 1747—53 von G. G.
Bagnato. Die Gemälde des Refektoriums von Apfiiani 1750. —
Die großen, streng architektonisierten Gartenanlagen auf altem
Kupferstich.

0BERMÄSSING. MFranken BA Hilpoltstein. [M.]
Kirche. Familienepitaph des Hans v. Schaf hausen 1545 von Loy
Hering.

OBERMEDLINGEN. B. Schwaben BA Dillingen. [Seh.] [D.]
Dominikaner-Klst. und K. c. 1700—1723. Die K. von mächtiger,
charaktervoller Raumbildung, in den Formen nüchtern. DieWandpfll.
springen stark vor, bilden aber keine eigentlichen Kapellen;
3 Joche zu je 2 Fenstern; tiefer, wenig eingezogener Chor. Da
im N das Kloster anstößt, bleibt die Beleuchtung einseitig, was
dem an architektonischen Kontrasten armen Bau nur zum Vorteil
gereicht. Die Decke (Stichkappentonne) 1861 eingestürzt, mit un-
erfreulichen Gemälden erneuert. — Eine Merkwürdigkeit ist die
Ausstattung der Altäre und Beichtstühle, mit der Architektur
gleichzeitig; durchweg in Marketerie aus kostbaren Hölzern, an
einigen Stellen farbige Beizen und weiße Metalleinlagen zu Hilfe
genommen, das wenig reliefierte Ornament vergoldet, die an den
Krönungen angebrachten Engelskinder naturalistisch bemalt (schlecht
rest.). In dieser Weise sind der kolossale Hochaltar, 4 große
Nebenaltäre, das Chorgestühl und die Verkleidung der Chorwand,
endlich die zahlreichen Beichtstühle ausgeführt — auf dem farb-
losen Grunde der Architektur ein ernst pompöser Eindruck. In
anderer Technik, nämlich sehr reich geschnitzt, die Wangen des
Laiengestühls; von spgot. Diestelwerk inspiriert. — Gemälde des
Choraltars von /. G. Bergmüller 1722. Die urspr. Stuckdekoration
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