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Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 5): Nordwestdeutschland — Berlin, 1912

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https://doi.org/10.11588/diglit.11108#0142

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— 129 —

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prachtvolle 4 teil. Maßwerk auf einer etwas jüngeren Entwicklungs-
stufe als das des Kölner Doms. — Dachreiter. — Holzstatue
der hl. 3 Könige um 1400.

An der WSeite des Dorfes reiches Weg kreuz mit dem Wappen
des Herzogs Wilhelm v. Jülich (f 1511).

FRECKENHORST. Westf. Kr. Warendorf.
Nonnen-Stifts-K. Gegr. 851. Der bestehende Bau erb. nach Brand
1116, gew. 1129 (Inschr. am Taufbecken). Neben S. Patroklus in
Soest der bedeutendste Bau Westfalens aus der Frühzeit des 12. Jh.
Gleich jenem ausgezeichnet nur durch Großräumigkeit; Behandlung
völlig schlicht. Wesentlich unverändert (abgerechnet die spätere
Einwölbung) erhalten. Flachged. Basl. auf kreuzf. Gr. in streng
durchgeführtem quadr. Schematismus. Ganze innere L. 57 m,
Msch. 6,8 m br., 11,5 m h. (ursp.). Im Lhs. 6 Ark.Pfll., rck.
(Streckung O-W), Fußböden jetzt überhöht, Kämpfer Schräge mit
Schachbrettornament. Das Chorquadrum schloß wahrscheinlich
platt. Nebenapsiden außen rck. ummantelt. Unter dem Chor
Krypta, 2x3 Sil., parallele Tonnengwbb. mit Stichkappen. — In
jüngerer, noch rom. Zeit (c. E. 12. Jh.) der Chor und Krypta um
ein schmales Rck. verlängert. Vermutlich in derselben Bauzeit die
Eindeckung des Chors und Qsch. mit grätigen, einigermaßen
steigenden Kreuzgwbb. Die Vierungsbgg. tiefer gerückt als zuvor. —
Gwbb. des Lhs. E. 15. Jh. — Besonderes Interesse beansprucht der
WBau. Sehr starker, ursp. frei vorspringender 4seit. T. ohne Tür.
In ihm die Nonnenempore. Unten ganz schlichte Doppelark.,
oben Teilung der beiden Öffnungen durch Sil. Außen flankieren
den T. 2 runde Treppentürme, ähnlich wie am Dom von Pader-
born, doch in etwas anderer- Stellung, nämlich an den vorderen
Ecken des Haupt-T. Diese Flankentürme wurden in jüngerer rom.
Zeit überhöht. Außerdem 2 kleinere 4seit. Türme auf der OSeite
des Qsch. im Winkel zum T. — Das Äußere der ganzen K. ab-
solut schmucklos, Bruchstein, in jüngster Zeit verputzt. — Tauf-
stein mit der auf die Weihe der K. bezüglichen Inschr. auf Basis
mit attischem Profil, zylindrische Kufe mit Reliefs in 2 Gürteln;
am schmaleren unteren liegende Bestien, am oberen flachbg. Ar-
katur mit 7gliedrigem Cyklus (Verkündigung, Geburt, Taufe,
Kreuzigung, Auferstehung und Höllenfahrt (Himmelfahrt, Welt-
gericht); im Gegensatz zu der energisch plastischen Stilisierung
des unteren Streifens haben hier Miniaturen als Vorlagen gedient. —
Kunstgeschichtlich noch merkwürdiger der Tumbendeckel mit
einer 1,80 m langen Frauengestalt, laut Inschr. Geva (Äbtissin,
Erbauerin der K.); kein horizontal hingelegtes Standbild, wie die
Regel in der got. Epoche, sondern, wie das dem Körper sich an-
legende Gewand und der Zug der feinen schematischen Falten zu

Dehio, Handbuch. V. Bd. 9
 
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