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Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 5): Nordwestdeutschland — Berlin, 1912

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https://doi.org/10.11588/diglit.11108#0356

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Mar

— 343 —

Mar

MARIENDREBBER. Hannover Kr. Diepholz.
Kirche 1 sch. got. Backsteinbau. An den Chorwänden got. Apostel-
statuen. — Großes Monument des letzten Gf. v. Diepholz -j-1585,
Tumba mit Bildnisfig., an den Seiten zwischen Karyatiden Wappen
und szenische Reliefs.

MARIENFELD. Westf. Kr. Warendorf.
Ehem. Cisterc.-Klst. Gegr. 1185. Eines der begütertsten im Lande.
Die K. gew. 1222. Ob damals auch in allen Teilen voll.? Ge-
nauere Untersuchung des wichtigen Bauwerks zu wünschen. —
Die langgestreckte, turmlose Anlage gibt sich sofort als cister-
ciensisch zu erkennen. Als Material ist der Backstein zum ersten-
mal in diesem Gebiete verwendet, doch mit Hausteingliederungen.
Irn Gr. hat der Chor l'/a Quadr., das Qsch. ihrer 3, ebenso das Lhs.
(mit einem Überschuß, der auf die Br. der Gurte fällt). Der Auf-
bau ist basilikal, aber mit einer eigentümlichen und bei einem so
ansehnlichen Bau schwer zu verstehenden Modifikation: das s Ssch.
ist zum Kreuzgang gezogen, so daß das Msch. auf der SSeite eine
geschlossene, ungegliederte Mauer hat. Da jedoch dieser Kreuzgang-
flügel erst unter einem 1294—1321 regierenden Abte ausgeführt wurde,
wäre die Frage aufzuwerfen, ob nicht erst bei dieser Gelegenheit
das Lhs. seines Ssch. beraubt wurde; das Breitenmaß stimmt mit
dem n Ssch. überein. Der letztere wurde 1714 gotisierend er-
neuert. Auch der um das Chorrechteck gleichlaufend .geführte
Umgang ist nicht mehr der ursprüngliche; er wurde unter Abt
Nikolaus (1722—44) erweitert. Der Aufbau ist aus der Tradition
des gebundenen Systems hervorgegangen; aber die Hauptpfll. sind
nicht zur Vorlage von Gwb.Trägern ausgenutzt. Quer- und Schild-
gurten ruhen auf einer gleich unter dem Kämpfer wieder ab-
brechenden, also eigentlich eine massige Konsole bildenden Gruppe
von 5 Diensten. Die Hauptstützen gleichen unter diesen Um-
ständen mehr Mauerstücken; sie sind c. 3 m lang und nur c. 1 m
stark, als Zwischenstützen dienen SU. mit Blätterkapt., im Chor zu
einer Gruppe von 4 vereinigt. Die Gwbb. sind kuppelig und haben
starken Stich (ihr Scheitel 4 m über dem Scheitel der Gurten), die
Diagonalrippen mit Schlußringen sind dekorativ aufgesetzt. Sämt-
liche Bg. Linien spitz. — Das Äußere hat in seinen originalen
Teilen romanischen Charakter; Fenster einfach rundbg., meist
jedoch in jüngerer Zeit erweitert; schlichter Backsteinbogenfries mit
Lisenen. Nur die n Qsch. Front neigt mehr frgot. Formengebung
zu. — Maße: Längsachse 57 m, Qsch. 25,5 m, Msch. c. 8,5 m br.,
Schildwand 14 m h. — Die Choreinrichtung unter Abt Heinrich
Münstermann (1507—37): steinerne Schranken, steinerner Lettner,
steinerner Viersitz, hölzernes Gestühl. Aus derselben Zeit auf
einem Seitenaltar steinernes Retabel mit 3 Reliefs. Aus M. 16. Jh.
 
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