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Mannheimer Abendzeitung — 1845

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No. 268 - No. 298 (1.October - 31. October)
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A 288.



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zelſähr. Vorausbezahlluuan. „,
in Mannheim 1 fl. 15 kr.,
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Mannheimer Abendzeitung.

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; aufſchlag. j franco.

Dienstag 24. October 1845.













Deutſchland.

* Mannheim, 20. Okt. Die „Freiburger Zeitung-,, die der
deutsch-katholischen Sache und ihren Vertretern bekanntlich sehr ab-
hold sein mu ß, schreibt aus Konstanz vom 17. Ott.: j

„Nachdem Ronge, welcher mit seinem Bruder und D o wiat
über Schaffhausen hierher gereiſt, jedes öffentliche Auftreten in hie-
ſiger Stadt geſtern durch die Behörde untersagt worden, begab er
fich denselben Nachmittag nach vorherigem Besuche des Conciliums-
Saals rc. in die nahe Schweiz, wo er im Gaſthaus zum Löwen in
Kreuzlingen abstieg. Dort versammelten ſich um ihn wohl einige
hundert Personen aller Klaſſen, und unter diesen auch mehrere
Frauenzimmer (freilich größténtheils aus Neugierde), wobei es, wie
ſichs von selbſt verſteht, an öffentlichen Reden nicht fehlte. Von
den letztern fanden namentlich jene M athy 's, Dr. Würth 's und
Dowiat's, besondern Anklang. In Folge dieser Versammlung hat
fich hier eine eigene deutsch - katholische Gemeinde conſtituirt, die sich
wieder ihr eigenes Glaubensbekenntniß gebildet hat, dessen Veröffent-
lichung aber bis jetzt auf Hindernisse gestoßen sein soll. Ron ge
ſelbſt gedenkt noch bis nächſten Sonntag hier zu verweilen."

Aus dem fünften Aemterwabhlbezirk, 13. Okt. O. Z.)
Die Mannh. Abendztg. lieferte in ihrer Nr. 274 den Spiegel, in
welchem wir die Zusammensetzung unserer nächften Kammer zu erbli-
Fen in der Lage ſind. Sie zäplt eine Majorität der Opposition in
der Zahl von 32 Abgeordneten gegenüber von 30 Anhängern der
Regierung, und hofft neben bei, daß auch aus unſerer Mitte statt des aus-
getretenen Hrn. Welte ein tüchtiger Bolksmann wieder hervorgeben
werde.
geirrt. Unfere Wahlmännec, süßen Berlockungen abhold und jedem
unfreien Einfluß feindlich entgegen ftehend, werden auch diesmal sich
als ſolche bewähren, als welche ſie ſich seit dem Jahre 1830 bewährt
haben. In unserer Gegend hat man, gottlob, so viel confitutio-
nellen Tact fich angeeignet, daß Sonderinteressen von dem allgemeinen
Wobl des Vaterlandes weit zurückgedrängt werden. Eisenbahnen und
Bezicksſtra‘tgerichte vermögen bierwärtiger Gesinnung keine andere Rich-
tung beizubringen.

++ Aus dem Kraichgau. In dem Städtchen Gerlachsheim
kommen wöchentlich einmal die Geifllichen der Umgegend zur Bespre-
<hung zusammen, nach deren Schluß sie bisweilen im Gaſthaus zum
Lamm bei einem Glas Bier rzit Kegelſpiel sch unterhalten. Hie und
da wohnen auch Lehrer bei. Nun kam es vor, daß man so gottlos
war und auf der Kegelbahn sang, vras den dortigen Sittenrichtern,
ſerr unchriſtlicth – zu sein schien. So ſollen sie im Verlaufe dieses
Sommers wit ſdem Sabril, der übrigens jetzt roſtig iſt, eigehauen,
ſogar zuletzt die Betörden in ihrer Noth angerufen haben.

+: Darmstadt, 13. Okt. Vorgeſtern Morgens um 9 Uhr er-
schien in der Beyauſung des Buchhänolers C. Les ke dahier der Po-
lizeiſekcetär Elwert in Begleitung eines Polizeiſergeanten, um auf
schriftlichen Befehl des Minifteriums des Innern den erfien Band
der „Ryeiniſchen Jahrbücher zur gesellſchaftlichen Reform- zu confis-
tiren. Es fanden sich indeſſcen nur etwa 50 Exemplare vorräthig,
die übrige ziemlich ſtarke Auflage war versandt und wird auch wobl
nicht wiederkehren. Ja, die Polizei würde nur etwa 25 der betref-
fenden Exemplare gefunden haben, wenn nicht zufällig ein Paket von
einer fremden Buchhandlung zurückzekehrt, das ein Gehülfe even öff-
nete als die Polizei in den Laden trat. Nach der Confiscation erhielt
Hr. Leske eine Vorladung vor den Kreissecretär auf denselben Mor-
Hir; um 11 Uhr. Dieſer las dem Verleger der „Jahrbücher' ein

eſcript des Miniſters des Innern vor, des Inhalts , daß er gehal-
ten sci, jeden weiteren Band deſſelben Werkes vor der Ausgabe dem
Kreisrath oder dem Kreissecrctär vorzulegen bei Strafe von 500 Gul-
den oder noch härterer Buße.
. s scheint aus diesem Umstande hervorzugchen, daß tie sociali-
ftiſche Literatur nachhaltigen Beschränkungen unterworfen werden soll,

_ da man zu Ausnahmsmaßregeln ichreitet, und die in unserm Groß-

herzogthum beſtehende Preßfreiheit üb.r zwanziz Bogen auf eine in
den bestehenden Gesetzen nicht begründete Weise einzuengen.
létteren it Hr. Leske blos der Gefabr cines Proziſſes ausgesetzt,
wenn er ein offenbar verbrecheriſches Buch bereite ausgegeben hatz

Wir müßten uns jehr täuſchen, hätte die Abendzeitung sich

Nach den

man will aber, wie es ſcheint, die 24 Stunden des preußischen und
sächsischen Gesetzes nun auch bei uns einführen. Merkwürdig bleibts
bei allem Dem, daß Gr ün’'s neues Werk: „-Die soziale Bewegung
in Frankreich und Belgien-/ nirgends auch nur den fleinften Anſtoß
gefunden hat und in Preußen ungeftört verkauft werden darf, wie-
t. die Consequenzen des Sozialismus hier ohne Scheu gezogen
ind.

Darmſtadt, 16. Oktober. (Fr. J.) Unsere deutsch-katholi-
sche Gemeinde hat der Aufforderung des Ministeriums, einen Geiſt-
lichen zu wählen und dem Ministerium zur Genehmigung zu prä-
sentiren, durch die Wahl des Hrn. Hieronymi entſprochen. Das
milde, beſonnene Wesen dieses Mannes und die Gediegenheit seiner
Bildung läßt uns die beſten Früchte der getroffenen Wahl hoffen.
~– Am yerwichenen Sonntag erbaute und erfreute Hr. Pfarrer
Keilmann von Offenbach die hiesige deutsch-katholisſche Gemeinde
durch eine treffliche Predigt. Nachträglich noch die Bemerkung, daß
hier, wie bei Ihnen in Frankfurt, die in sog. gemischten Ehen leben-
den Proteſtanten an dem durch Ronge dargereichten Gedächtniß-
mahle unseres Heilandes Theil nahmen.

§* Aus Württemberg. Am 4. d. wurde zu Ehren des
Abgeordneten Rö mer in seinem Wahlori- Geißlingen unter dem
Zuſtrömen zahlloſer Umwohner ein Freudentag abgehalten. Den Be-
ginn machte die Vertheilung von 600 Pfund Brod uvrd Fleiſch an
Unbemitteltez von den weiteren Fererlichkeiten nennen wir nach dem
(„Beobachter- , den großartigen Fackelzug, der unter Musik und Ge-
ſchützessalven gebracht wurde und mit Gesängen der Liedertafel mit

einem donnernden Hoch schloß. Ein Bürger begrüßte den Gefeierten

in Versen, denen wir Folgendes entnehmen:

Noch schläft so Manches ach! im dunkeln Schatten,
Was hellbeleuchiet eine Zierde wär’ dem Staat,
Und Mandches glänzt an hocherhab’'ner Stelle,
Was weislich wohl zurück in's Dunkel träte.

Ein dicker Staub ruht noch von vielen Jahren her

Auf manchem Pergament, das Recht und Freiheit wahrt;
Doch um das Kleine, das so schnell vorübergeht,

Wie mancher Berg von Akten thürmt sich auf!

Da sſchauet Jhr hin, Ihr Volksvertreter

Mit scharfem Aug’ und unersſchrok' nem Sinn,

Beschwört herauf die Geifter alter Zeiten,

Wo sie Euch Wahrheit, Recht und Leben zeigen

Und bannt in enge Haft papiernes Regiment.

Um Leben ringen wir, um Schutz für unsern Heerd,
Daß nicht der Fremde unsres Schweißes Lohn empfange
Und, spottend unsrer Schwäche, unser Gut uns raube.

Um Leben ringen wir, unc Schutz für's deutsche Land,
Daß nicht vom heim schen Boden Stück um Stück
Durch fremder Herrſcher Willkür uns entfalle.

Um Leben ringen w.r, um Schutz für frei e s Wort,
Daß nicht erschrocken uns die Zunge ihren Dienft versage,
Wenn wir verkünden unsre Freude, unsern Schmerz.

Und Euch, Vertreter, haben wir vorangeftellt,
Zu tragen in dem Streit der Wahrheit Banner,
Zu kämpfen mit den Worten scharfen Geiftes,
Zu leuchten durch die Nacht mit hellen Bligen.

Ihr habts gethan, und Du vor Alleen,
Den wir mit wohlbedächt'‘gem Sinn erkoren,
Zu kunden unsrer Herzen off ne Meinung.

Für Deine Mühe, Deine Sorgen um des Volkes Heil,
Was Bessres läßt ſich bieten, als der Herzen Dank?
Empfang’ ihn heute, da wir Aug’ in Aug’

Dir gegenüberſtehn, um Deinem Wort zu lauſchen,
Und Ihr, o Freunde, deren Sinn ich ausgesprochen,
Laßt Eures Dankes Hoch ihm donnernd rauſchen!

Hieran reihte Römer in ausführlicher lanzer Rede die haupt-
ſächlichften Verhandlungen der Slände an urd fſchloß mit einem Toaſt
auf di: Einheit Deutschland's.

Ü> Reuß-Schleiz. Das Vogtland, zu welchem auch ein
großer Theil ter Fücfterthümer Reuß - Lobenftein- Ebersdorf , Reuß-
Greiz und Reuß: Schleiz gehört, war bisher ein sicherer Zufluchtsort
Gaunern und Diebe aus allen Theilen Deutschiandss. Aber durch
zahlreichere und tüchtige Polizei in den Städten Gera, Schleiz, Greiz


 
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